Der gemeinsame Auftritt von Meloni (rechts) und Frederiksen (Mitte-links) gilt als Zäsur: Er zeigt, dass der migrationspolitische Härtekurs längst keine Nische mehr ist, sondern Mehrheitsfähigkeit in der EU gewinnt.
Ende Juli 2026 eskalierte die Lage an der EU-Außengrenze. Am 30. Juli überquerten schätzungsweise 60.000 bis 80.000 Menschen, überwiegend junge Männer, massenhaft die Grenze von Marokko in die spanische Exklave Ceuta. Mindestens 72 Menschen kamen ums Leben, die spanischen Behörden korrigierten die Zahl später auf 88 Tote.
Tausende campierten tagelang an Stränden, die örtlichen Behörden waren überfordert.
Der spanische Regierungschef Pedro Sánchez machte Schlepperbanden verantwortlich und sprach von einer „Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“. Auslöser war ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs, das die sofortige Rückführung von auf See gestoppten Migranten verbot – ein Urteil, das die Schlepper laut Sánchez sofort ausnutzten.
Noch während der Krise handelte Rom: Am 31. Juli suspendierte die Meloni-Regierung für einen Monat die Schengen-Freizügigkeit für Reisen aus Spanien. An Flughäfen und Seehäfen wurden gezielte Ausweiskontrollen für Nicht-EU-Bürger eingeführt – offiziell EU-Bürger waren ausgenommen, doch in der Praxis betraf es alle Reisenden.
Spanien reagierte scharf: Am 7. August verlangte Madrid die Aufhebung der Kontrollen bis zum Wochenende und drohte mit Vergeltungsmaßnahmen gegen italienische Reisende. Rom wies das Ultimatum umgehend zurück: „Wir akzeptieren keine Ultimaten oder Anmaßungen aus Madrid“, erklärte die Regierung in Rom. Daraufhin führte Spanien ab dem 8. August ebenfalls Grenzkontrollen für Einreisende aus Italien ein.
Dänemark hatte bereits seit dem 12. Juli 2026 vorübergehende Grenzkontrollen aufrechterhalten – verlängert bis zum 11. November 2026 mit Verweis auf russische Sabotagegefahr und Terrorismus. Am 12. August kam es im dänischen Parlament zu einer Dringlichkeitsdebatte über die Ceuta-Krise. Frederiksen erklärte dort unmissverständlich: „Falls die Migrationsströme wieder ansteigen, schließen wir unsere Grenzen.“ Damit meinte sie eine vollständige Schließung als letztes Mittel.
Gleichzeitig betonte Dänemark seine Bereitschaft zur Schengen-Mitgliedschaft – aber nur unter der Bedingung einer grundlegenden Reform der EU-Asylpolitik. Kopenhagen treibe weiterhin die Pläne für Rückführungszentren außerhalb der EU voran.
Die Ereignisse im August 2026 stellen die schwerste Schengen-Krise seit Jahren dar. Die Allianz Meloni–Frederiksen könnte die EU-Asylpolitik dauerhaft in Richtung externer Bearbeitungszentren lenken. Doch die unkoordinierten nationalen Alleingänge machen deutlich: Der einst gefeierte Raum der Freiheit ist an seinen Bruchlinien angekommen. Wie es weitergeht – darüber wird in den Hauptstädten und in Brüssel gestritten.