Die Exporte hingegen schnellen in die Höhe: Im Juli 2026 legten sie um 88,2 % auf 923.000 Fahrzeuge zu . Im ersten Halbjahr 2026 gingen die Inlandsverkäufe um 20,2 % zurück, während die Exporte um 70,6 % auf 4,28 Millionen Fahrzeuge stiegen
. Der schrumpfende Heimatmarkt zwingt die Hersteller, aggressiv ins Ausland zu drängen
.
Gleichzeitig erschweren westliche Zölle – geplant sind bis zu 50 % auf chinesische E-Autos in einigen Märkten – den reinen Export und machen die lokale Produktion in Afrika attraktiver .
Das Flaggschiff dieser Neuausrichtung ist die Übernahme des ehemaligen Nissan-Montagewerks in Rosslyn, Pretoria (Südafrika) durch Chery. Es ist die bislang bedeutendste Einzelfabrik-Investition eines chinesischen Autobauers auf dem Kontinent.
Chery-Chef Yin Tongyue sagte gegenüber Xinhua: „Lokalisierung ist der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum im Ausland“ und betonte die tiefere Integration in die lokale Wirtschaft .
Chinesische Autobauer verfolgen eine ganze Reihe von Lokalisierungsstrategien – von Werksübernahmen über CKD/SKD-Montage (Completely/Semi Knocked Down) bis hin zu Produktionspartnerschaften .
Mehrere afrikanische Regierungen haben die Weichen für chinesische E-Auto-Fabriken gestellt.
Äthiopien – Verbot von Verbrennern: Im Januar 2024 verbot Äthiopien als erstes Land der Welt die Einfuhr von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor und senkte gleichzeitig die Zölle auf E-Auto-Importe drastisch . Grund war die finanzielle Notwendigkeit, keine Devisen mehr für Treibstoffsubventionen auszugeben . Die Wirkung ist enorm: 2025 importierte Äthiopien 44.358 E-Autos aus China
. Neue E-Autos sind preislich konkurrenzfähig mit gebrauchten Benzinern, und der E-Auto-Anteil stieg von unter 1 % auf fast 6 % aller Fahrzeuge . Die Regierung baut zudem alle 50 km Ladestationen und peilt 500.000 E-Autos bis 2030 an
.
Südafrika – Anreize für lokale Produktion: Der „Automotive Masterplan 2035“ bietet Prämien für im Inland hergestellte Fahrzeuge, was chinesische Firmen direkt zum Bau eigener Werke ermutigt .
Geplante Zölle als zweite Triebfeder: Südafrika erwägt Berichten zufolge Zölle von bis zu 50 % auf importierte chinesische Fahrzeuge. Dies würde Chery und andere zusätzlich zur lokalen Montage bewegen, um diese Kosten zu umgehen .
Der Wandel von Importen zur lokalen Produktion kommt direkt bei den afrikanischen Verbrauchern an.
Niedrigere Preise: Die lokale Produktion – besonders via CKD-Montage – spart Einfuhrzölle, Transportkosten und umgeht geplante Zollanhebungen. Das führt zu deutlich niedrigeren Verkaufspreisen .
Bezahlbare E-Autos: Chinesische Marken sind bereits die wichtigste Quelle für erschwingliche E-Autos in Afrika. Äthiopiens Zollsenkungen für E-Autos, kombiniert mit der gesteigerten Fabrik-Produktion, machen Neuwagen preislich konkurrenzfähig mit Gebrauchtwagen – eine Premiere für viele afrikanische Märkte .
Mehr Auswahl und besserer Service: Lokale Fabriken bedeuten eine bessere Ersatzteilversorgung, ein dichteres Service-Netz und Fahrzeuge, die auf afrikanische Straßenverhältnisse zugeschnitten sind .
Das Ende der Gebrauchtwagen-Ära: Die Flut neuer, günstiger chinesischer Autos konkurriert zunehmend mit dem traditionellen Markt für importierte Gebrauchtwagen aus Japan, Europa und den USA, die lange den afrikanischen Straßenverkehr dominiert haben .