Premierministerin Takaichi hingegen stemmt sich gegen diesen Druck. Sie bevorzugt einen behutsameren Ansatz, der die fragile heimische Erholung Japans in den Vordergrund stellt und einen Schock am Anleihemarkt vermeiden will. Die BOJ beließ ihren Leitzins auf ihrer Sitzung vom 30.-31. Juli bei 1,0 Prozent – nur ein einziges Vorstandsmitglied, Hajime Takata, stimmte für eine sofortige Anhebung auf 1,25 Prozent . Das Lager um Takaichi fürchtet, dass eine aggressive Straffung das Wirtschaftswachstum abwürgen, die ohnehin riesigen Schuldendienstkosten in die Höhe treiben könnte. Zudem wertet man Bessents öffentliche Einlassungen als unerwünschte Einmischung in die geldpolitische Souveränität Japans
.
Diese Meinungsverschiedenheit untergräbt die gemeinsame Yen-Rettung auf kritische Weise: Die Intervention vom 31. Juli war darauf ausgelegt, Yen-Spekulanten zu schockieren – doch die Kluft zwischen Bessent und Takaichi sendet ein verwirrendes Signal an die Märkte. Zwar sind Washington und Tokio sich einig, heute Yen zu kaufen, doch in der Frage der zugrundeliegenden Geldpolitik, die den langfristigen Wert des Yen bestimmt, liegen sie fundamental über Kreuz. Die Märkte interpretieren diese Spannung als Zeichen dafür, dass ein gemeinsames Vorgehen in Zukunft schwieriger durchzuhalten sein könnte und dass es sich bei der Aktion eher um einen vorübergehenden Stopgap als um eine dauerhafte Lösung handelt .
Die koordinierte Aktion vollzog sich in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli in New York. Japans oberster Währungsdiplomat Atsushi Mimura gab grünes Licht, Yen gegen Dollar zu kaufen – erteilt über eine Freisprechanlage, die mit einer Handvoll Mitarbeitern im Finanzministerium verbunden war . Das Ausmaß war enorm:
Der Aktion vom 31. Juli waren monatelange Diskussionen zwischen Washington und Tokio vorausgegangen . Bessent begründete die US-Unterstützung strategisch: Ein stabiler Yen sei für den regionalen Handel und die Finanzstabilität unerlässlich; eine weitere Yen-Schwäche könne in ganz Asien kompetitive Abwertungen auslösen
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Takaichi steckt indes in einem innenpolitischen Dilemma. Sie muss dem US-Druck die Ängste inländischer Gruppen – Exporteure, kleine Unternehmen und Anleihegläubiger – entgegensetzen, die höhere Zinsen fürchten. Ihre politische Basis umfasst fiskalkonservative Kräfte, die eine Kompromittierung der BOJ-Unabhängigkeit durch ausländischen Druck ablehnen . Eine Reuters-Analyse kam zu dem Schluss, dass Bessents öffentliche Äußerungen zur japanischen Geldpolitik die Zentralbank „geradezu gezwungen“ hätten, auf ihrer Septembersitzung die Zinsen zu erhöhen, was Fragen nach dem Einfluss Washingtons auf die japanische Innenpolitik aufwirft
.
Die Kluft hat eine klare Markterwartung geschaffen: Die BOJ muss nun die Zinsen erhöhen, um die Intervention zu untermauern.
Die Debatte zwischen Washington und Tokio läuft auf zwei konkurrierende Diagnosen von Japans Problem und den dazugehörigen Therapien hinaus:
Position Bessent / US-Finanzministerium: Die Yen-Schwäche ist strukturell bedingt, angetrieben von Japans extremer Niedrigzinspolitik. Interventionen sind ein Notbehelf. Nur Zinserhöhungen der BOJ können den Yen nachhaltig stärken, importierte Inflation bremsen und kompetitive Abwertungen in Asien verhindern. Die USA sind bereit, den Yen vorübergehend zu stützen, aber Tokio muss die BOJ gewähren lassen .
Position Takaichi / japanische Regierung: Japans wirtschaftliche Erholung ist noch immer fragil. Eine vorschnelle Straffung riskiert eine Rezession und höhere Schuldenkosten. Die Geldpolitik muss schrittweise und aus eigener Kraft vorangetrieben werden, nicht auf Druck von außen. Interventionen, nicht Zinserhöhungen, sind das geeignete Mittel gegen spekulative Übertreibungen .
Der Konflikt lässt die Yen-Rettung in einer unsicheren Position zurück: Die beiden Regierungen sind sich über das taktische Erfordernis einig, Yen zu kaufen, aber über die strategische wirtschaftliche Richtung uneins. Ein Analyst bringt es auf den Punkt: Die gemeinsame Intervention war ein notwendiger Schock, aber ohne einen gemeinsamen politischen Pfad bleibt die langfristige Erholung des Yen fraglich.