Amazon erzielte im zweiten Quartal einen Nettoumsatz von 200,6 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit übertraf das Unternehmen nicht nur die Erwartungen der Analysten, sondern übertraf erstmals in seiner Geschichte die Marke von 200 Milliarden Dollar in einem einzigen Quartal . Das operative Ergebnis stieg um 43 Prozent auf 27,5 Milliarden Dollar; darin enthalten ist ein positiver Effekt von 1,2 Milliarden Dollar aus Zollrückerstattungen und buchhalterischen Gewinnen aus Energiederivaten .
Der Nettogewinn schoss um 245 Prozent auf 62,6 Milliarden Dollar (verwässertes Ergebnis je Aktie: 5,75 bzw. 5,93 Dollar, je nach Berechnungsgrundlage) in die Höhe. Dies ist jedoch maßgeblich auf einen außerordentlichen Gewinn von 53,4 Milliarden Dollar aus der Neubewertung der Beteiligung an Anthropic zurückzuführen .
Nach Segmenten aufgeschlüsselt betrug der Umsatz in Nordamerika 116,2 Milliarden Dollar (+16 Prozent), international 42,2 Milliarden Dollar (+15 Prozent) und im Werbegeschäft 19,8 Milliarden Dollar (+26 Prozent) .
Amazon Web Services war der klare Star des Quartals. Der AWS-Umsatz erreichte 42,2 Milliarden Dollar – ein Anstieg von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies ist die höchste Wachstumsrate seit 2021 und lag deutlich über den Analystenerwartungen von rund 31 Prozent. Es war zudem das fünfte Quartal in Folge mit beschleunigtem Wachstum . Die annualisierte Umsatzrate der Sparte erreichte 169 Milliarden Dollar, die operative Marge stieg auf 39 Prozent – der höchste Wert der jüngeren Geschichte .
AWS trug rund 60 Prozent des gesamten operativen Gewinns von Amazon bei und festigte damit seine Rolle als wichtigste Gewinnmaschine des Konzerns . CEO Andy Jassy verwies auf einen Auftragsbestand von 496 Milliarden Dollar für noch nicht ausgelieferte Cloud-Kapazitäten – ein Zeichen dafür, dass die Nachfrage die Fähigkeit Amazons, Infrastruktur aufzubauen, weiterhin bei Weitem übersteigt .
Das Management hob die Prognose für die Investitionsausgaben (CapEx) des Gesamtjahres 2026 auf rund 220 Milliarden Dollar an – ein Anstieg von 10 Prozent gegenüber der vorherigen Schätzung von 200 Milliarden Dollar. Begründet wurde dies mit höheren Kosten für Speicherchips und Rechenzentrumskomponenten sowie den anhaltenden Investitionen in KI- und Cloud-Infrastruktur .
CEO Andy Jassy stellte unmissverständlich klar, dass die KI-Nachfrage die verfügbare Rechenkapazität mindestens bis 2027 übersteigen wird, und rechtfertigte damit die hohen Ausgaben: „Selbst mit diesem Betrag werden wir 2026 nicht genug Kapazitäten haben, um die gesamte Nachfrage zu decken“ . Jassy betonte zudem, dass sowohl das KI-Geschäft als auch das Chip-Geschäft von Amazon annualisierte Umsatzraten von jeweils über 25 Milliarden Dollar erreicht hätten – beide wüchsen im dreistelligen Prozentbereich .
Das beschleunigte Investitionstempo führte im Quartal zu einem negativen freien Cashflow von 7,6 Milliarden Dollar. Das Management zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass der freie Cashflow langfristig wieder kräftig steigen werde, sobald die neuen Kapazitäten online gehen .
Die Aktie stieg unmittelbar nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen am 30. Juli im nachbörslichen Handel um über 9 Prozent . Am 3. August 2026 schloss die Amazon-Aktie bei 284,02 Dollar – ein Plus von 4,58 Prozent –, nachdem sie im Intraday-Handel mit 287,16 Dollar ein Allzeithoch erreicht hatte . Seit Jahresbeginn hat die Aktie bis dahin rund 25 Prozent zugelegt .
Amazon brauchte etwas mehr als zwei Jahre, um von einer Bewertung von 2 Billionen Dollar (erstmals erreicht im Juni 2024) auf 3 Billionen Dollar zu klettern . Am Tag des Meilensteins kehrte Firmengründer Jeff Bezos auf Platz 3 der globalen Milliardärsliste zurück .
Die Reaktion der Wall Street war überwältigend positiv. Das durchschnittliche Votum der von mehreren Aggregatoren erfassten Analysten lautet „Strong Buy“ / „Kaufen“. Von den 64 von S&P Global befragten Analysten gab es keine einzige Verkaufsempfehlung .
Wichtige Kursziele im Überblick:
| Institut | Kursziel | Geschätztes Potenzial (gegenüber ~284 $) |
|---|---|---|
| Bank of America | 320 $ | ~13 % |
| JPMorgan | 365 $ | ~29 % |
| Benchmark | 400 $ | ~41 % |
| Morgan Stanley | 335 $ | ~18 % |
| Truist | 350 $ | ~23 % |
| KeyBanc | 350 $ | ~23 % |
| Citi | 350 $ | ~23 % |
Quellen: Bank of America , Benchmark , Morgan Stanley , Truist , KeyBanc , Citi , JPMorgan .
Die breiter gefassten durchschnittlichen Konsensschätzungen lagen zwischen etwa 313 und 325 Dollar, was einem Aufwärtspotenzial von rund 10 bis 16 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 3. August entspricht. Mehrere Analysten gaben Kursziele von über 350 Dollar aus . Die wichtigsten optimistischen Argumente in den Analystennotizen waren die anhaltende Margenausweitung bei AWS, das nachhaltige Wachstum der Werbeeinnahmen und die Überzeugung, dass die KI-Investitionen langfristig hohe Renditen abwerfen werden .