Kurz nach Mitternacht traf eine Salve russischer ballistischer Raketen Kiew. Gewaltige Explosionen erschütterten die Stadt und setzten ein Lagerhaus im zentralen Rajon Schewtschenko in Brand . Augenzeugen berichteten von mehreren Detonationen, nachdem Luftalarm vor anfliegenden Raketen gewarnt hatte. Bürgermeister Vitali Klitschko bestätigte, dass Rettungsdienste in das betroffene Gebiet unterwegs seien . Parallel dazu trafen Raketen und Gleitbomben die Stadt Saporischschja, wo mindestens fünf Menschen getötet und 20 verletzt wurden . Das russische Verteidigungsministerium erklärte, man habe "militärisch genutzte Transport- und Logistikzentren" in Kiew sowie ein Stahlwerk in Saporischschja getroffen. Beide Seiten bestreiten, gezielt Zivilisten anzugreifen .
Russlands Luftkampagne eskalierte von Juni bis August 2026 dramatisch. Die Taktik: Massive Salven ballistischer Raketen, die schneller und schwerer abzufangen sind und die ohnehin knappen Patriot-Abfangraketen aufbrauchen . Moskau setzt dabei auf den Luftkrieg, da die Bodenoffensive ins Stocken geraten ist .
Die wichtigsten Angriffe im Überblick:
Die ukrainische Flugabwehr wurde 2026 dramatisch geschwächt – die direkte Ursache für die verheerende Wirkung der Angriffe:
Lieferungen eingebrochen. Präsident Selenskyj erklärte am 5. August, die Verbündeten hätten im ersten Halbjahr 2026 nur ein Drittel der Flugabwehrraketen geliefert wie im Vorjahreszeitraum . Der Mangel betrifft das gesamte erste Halbjahr, nicht nur die Sommermonate .
Ukraine de facto ohne Patriot-Abfangraketen. Bereits am 1. August warnte Selenskyj vor einem erschöpften Vorrat: Von 27 anfliegenden ballistischen Raketen sei nur eine abgefangen worden – "einfach, weil es keine Abfangraketen für das Patriot-System mehr gibt" . Am 5. August gelang kein einziger Abschuss .
Ballistische Raketen sind die größte Herausforderung. Patriot-Abfangraketen sind nötig, um ballistische Raketen zu treffen, die in steilem Winkel mit hoher Geschwindigkeit einschlagen. Nur die Patriots können russische Iskander-M-, S-400- und Zirkon-Raketen abfangen .
Produktion hinkt hinterher. Selbst neue Lizenzabkommen mit den beiden US-Patriot-Herstellern vom Juli 2026 – für den Abfangjäger PAC-3 Missile Segment Enhancement (MSE) – werden jahrelang keine nennenswerten Stückzahlen liefern; die Lieferkette benötigt 24 bis 30 Monate . Die NATO versprach zwar nach dem 5. August "dringende" Lieferungen, doch die Lücke bleibt groß .
Politische Hürden. Selenskyj deutete an, der Mangel könne auch politische Gründe haben , während ein US-Notpaket für zusätzliche Abfangraketen auf Verzögerungen stieß . Beobachter verwiesen zudem darauf, dass der Krieg im Nahen Osten Patriot-Systeme und Abfangraketen von der Ukraine abziehe .
Die Folge ist ein Teufelskreis: Russland feuert Salven ballistischer Raketen ab, wohl wissend, dass Kiew zu wenig PAC-3-Abfangraketen besitzt. Jeder erfolgreiche Treffer zehrt weiter am ohnehin geringen Bestand. Ukrainische Beamte erklärten, mit mehr Abfangraketen hätten Leben gerettet werden können .