Dieser Rückkauf bricht mit der bisherigen Praxis von OpenAI. Im Oktober 2025 hatten externe Investoren wie Thrive Capital und SoftBank noch 6,6 Milliarden Dollar an Mitarbeiteraktien gekauft, und auch ein früherer Rückkauf 2024 lief über externe Geldgeber .
Der Hauptgrund für die Selbstfinanzierung: Kontrolle über die Bewertung. Indem OpenAI das Geld aus der eigenen Bilanz nahm, blieb der Preis stabil bei 852 Milliarden Dollar – derselbe Wert wie bei der Finanzierungsrunde im März 2026. So vermeidet das Unternehmen eine höhere Bewertung, die die Preisfindung für den Börsengang erschweren würde . Hätte man externe Investoren zu einem höheren Preis ins Boot geholt, wäre faktisch eine neue private Bewertung entstanden, die Erwartungen weckt, die OpenAI bei einem Börsengang vielleicht nicht erfüllen will .
Ausreichend Liquidität machte die Selbstfinanzierung möglich: Nach der Rekordrunde von 122 Milliarden Dollar im März – der größten privaten Finanzierung der Geschichte – hatte OpenAI genug Geld in der Kasse . Der selbst finanzierte Rückkauf verwässert zudem keine bestehenden Anteile und signalisiert das Vertrauen des Managements in die eigene Bilanz .
Der Rückkauf ist der jüngste Schritt in einer sorgfältig abgestimmten Vorbereitung auf den Börsengang:
Was bedeutet das für den Zeitplan? Mehrere Berichte deuten darauf hin, dass der Börsengang nun frühestens 2027 kommen wird, nicht mehr 2026. Die schiere Größe des Rückkaufs und das Fehlen eines fest terminierten Angebots zeigen, dass ein Börsengang noch Monate entfernt ist . Analysten spekulieren über eine mögliche Bewertung von einer Billion Dollar beim IPO .
Anthropic hat OpenAI in mehreren entscheidenden Bereichen überholt – und setzt das Unternehmen damit massiv unter Zugzwang.
Höhere Bewertung: Im Mai 2026 sammelte Anthropic 65 Milliarden Dollar in einer Serie-H-Runde ein und wurde mit 965 Milliarden Dollar bewertet – und überholte damit OpenAI (852 Milliarden) als wertvollstes privates KI-Unternehmen der Welt . Reuters, das Wall Street Journal und CNBC bestätigten den Meilenstein .
Führung bei Unternehmenskunden: Bis August 2026 hatte Anthropic OpenAI im Markt für Unternehmens-KI überholt, wie eine Analyse des Wall Street Journal ergab . Das Codier-Tool Claude Code von Anthropic hält inzwischen 54 % des KI-Codemarktes und half dem Unternehmen, seinen annualisierten Umsatz von 1 auf 47 Milliarden Dollar zu steigern .
IPO-Druck: Anthropic bereitet eigenen Angaben zufolge einen Börsengang bereits für Oktober 2026 vor . Sollte Anthropic zuerst an die Börse gehen und dort gut aufgenommen werden, könnte das Unternehmen den Bewertungsmaßstab setzen, Investorengelder anziehen und die Prämie des „ersten KI-Börsengangs“ kassieren – OpenAI bliebe dann nur die Rolle des Nachzüglers .
Mitarbeiterbindung: Der 7-Milliarden-Rückkauf dient auch dazu, Mitarbeiter zu halten, die angesichts der höheren Bewertung und der IPO-Aussichten von Anthropic abspringen könnten. Die Selbstfinanzierung vermeidet Verwässerung und signalisiert Vertrauen in die Bilanz .
OpenAIs 7-Milliarden-Rückkauf aus eigener Kasse ist ein sorgfältig getimtes Liquiditätsereignis, das die Bewertung des Unternehmens bei 852 Milliarden Dollar einfriert, während es den vertraulichen IPO-Prozess durchläuft. Doch die Uhr tickt: Anthropic ist inzwischen 965 Milliarden Dollar wert, führt bei Unternehmenskunden und könnte bereits im Oktober 2026 an die Börse gehen – OpenAI ist plötzlich in der ungewohnten Rolle, dem Rivalen hinterherzulaufen.