Doch der Anteil der von chinesischen Marken verkauften E-Autos (einschließlich solcher, die außerhalb Chinas produziert werden) stieg auf 14,2 % in Westeuropa und erreichte im April teilweise 17 % . Die Messlatte hat sich verschoben: weg vom Produktionsort hin zur Marke. Die Zölle trafen vor allem westliche Hersteller wie Tesla, BMW und Volvo, die zuvor in China produzierten, während chinesische Marken andere Wege fanden .
Der entscheidende Faktor: Die EU-Zölle galten zunächst nur für reine Batterie-Elektroautos (BEV), nicht aber für Plug-in-Hybride (PHEV). Diese Lücke nutzten die chinesischen Hersteller gezielt .
Dieser Run war bewusst vorgezogen. Die chinesischen Marken beschleunigten ihre PHEV-Lieferungen im Vorgriff auf erwartete Zollausweitungen – ein Zeitfenster, das sich nun schließt .
Das Vereinigte Königreich hat keine Sonderzölle auf chinesische E-Autos erhoben – ein gewaltiges regionales Ungleichgewicht, das chinesische Hersteller aggressiv nutzen .
Da das UK weder auf BEVs noch auf PHEVs zusätzliche Abgaben erhebt, ist es zum günstigsten großen Markt für chinesische Autos in Europa geworden . BYD, Geely, Chery und andere haben massiv in britische Händlernetze und Marketingkampagnen investiert .
Chinesische Hersteller reagieren auf die EU-Zollmauern mit dem Aufbau von Produktionsstätten außerhalb Chinas, die potenziell zollfreien oder zollreduzierten Zugang zu Europa ermöglichen .
Diese Strategie steckt noch in den Anfängen – die meisten Verkäufe im Jahr 2026 stammten noch aus China oder europäischen Werken –, aber sie ist ein mittelfristiger Weg, Zölle zu umgehen . Die Kooperationen in Südkorea dienen nicht nur dem europäischen Markt, sondern auch der Umgehung von US-Zöllen .
Die EU arbeitet daran, die PHEV-Lücke zu schließen und weitere Hürden zu errichten:
Ein Wettlauf ist entbrannt: Chinesische Hersteller expandieren schnell in dem Zeitfenster, bevor diese Maßnahmen vollständig greifen .
Neben den drei Ausweichrouten – PHEV-Klassifizierungslücke, zollfreiem UK-Markt und Auslandsproduktion – profitierten die chinesischen Hersteller von tieferliegenden strukturellen Vorteilen:
Wie ein Branchenanalyst es formulierte: „Die Zölle hatten keine große Auswirkung“ auf das Wachstum chinesischer Marken, da der Kostenvorteil und die Produktattraktivität so groß sind, dass selbst ein effektiver Zoll von 27 % auf BEVs den Vormarsch nicht stoppte .
Die EU-Zölle haben die Menge der direkt aus China verschifften BEVs zwar reduziert, das Wachstum chinesischer Marken insgesamt aber nicht gestoppt. Drei strukturelle Ausweichrouten machten dies möglich: die PHEV-Klassifizierungslücke, der zollfreie Markt in Großbritannien und die Verlagerung der Produktion ins Ausland (sowohl nach Europa als auch über Partnerschaften in Südkorea). Die EU schließt nun jede dieser Lücken – durch Ausweitung der Zölle auf PHEVs und Einführung lokaler Inhaltsregeln –, aber die chinesischen Hersteller haben in dem Zeitfenster, in dem die Regeln noch unvollständig waren, entscheidende Marktdynamik gewonnen.