Diese Aussage unterstreicht die fundamentale strategische Kluft zwischen den beiden Kriegsparteien: Moskau verlangt vor einem Waffenstillstand die militärische Kapitulation und die Anerkennung seiner territorialen Eroberungen, während Kiew auf einen sofortigen Waffenstillstand drängt, dem politische Verhandlungen folgen sollen.
Die russische Position ist seit der Grundsatzrede Putins im Juni 2024 unverändert und wurde vom Kreml zuletzt am 29. Juni 2026 bekräftigt . Es handelt sich um einen Maximalforderungskatalog, der im Kern eine ukrainische Kapitulation bedeutet. Dazu gehören:
Galuzins Äußerungen, die unter anderem von der Kyiv Post und dem Kyiv Independent aufgegriffen wurden, machen deutlich: „Moskau ist nicht bereit, einer einfachen Kampfpause zuzustimmen, ohne seine weiterreichenden politischen und territorialen Forderungen durchgesetzt zu haben“ . Im russischen Außenministerium gelten diese Bedingungen als nicht verhandelbare Vorbedingung für jede Einstellung der Kampfhandlungen.
Präsident Wolodymyr Selenskyj schlägt einen grundlegend anderen Weg vor. Anstatt einer sofortigen territorialen Kapitulation plädiert Kiew für einen schrittweisen, partiellen Waffenstillstand ohne Vorbedingungen zur Anerkennung der russischen Souveränität. Stand Anfang August 2026 hat die Ukraine drei parallele Waffenstillstandsoptionen vorgeschlagen :
Selenskyj veröffentlichte am 4. Juni 2026 zudem einen offenen Brief an Putin, in dem er direkte Verhandlungen und eine vollständige Waffenruhe für die Dauer der Gespräche vorschlug, mit einer Überwachung der Frontlinie durch die USA . Bereits im Dezember 2025 hatte er angeboten, in Teilen des von der Ukraine kontrollierten Donez Gebiets eine entmilitarisierte Zone einzurichten – unter der Bedingung eines gleichwertigen russischen Rückzugs .
Der entscheidende Unterschied liegt in der Reihenfolge: Russland verlangt territoriale und politische Kapitulation vor einem Waffenstillstand; die Ukraine schlägt einen Waffenstillstand zuerst vor, gefolgt von Verhandlungen über alle strittigen Punkte.
Mehrere Faktoren haben die Pattsituation Mitte 2026 weiter verhärtet.
Schwindende Luftabwehr. Die Verbündeten der Ukraine haben im Jahr 2026 nur ein Drittel der Abfangraketen für die Luftabwehr geliefert, verglichen mit 2025, wie Präsident Selenskyj am 5. August 2026 mitteilte . Dies schwächt die Fähigkeit der Ukraine, Städte und Infrastruktur vor eskalierenden russischen Angriffen zu schützen, darunter Bombardierungen auf Kiew und südliche Hafenstädte .
Veränderte US-Waffendiplomatie. Selenskyj traf Präsident Donald Trump am 28. Juli 2026 im Weißen Haus, um für Lizenzen zur Produktion von Patriot-Abfangraketen zu werben. Eine Einigung über monatliche Lieferungen wurde erzielt, doch Selenskyj betonte, die Menge bleibe unzureichend . Trump hatte nach seiner Rückkehr ins Amt die direkten US-Waffenlieferungen an Kiew gestoppt und stattdessen auf ein Modell umgestellt, bei dem europäische Länder US-Waffen für die Ukraine kaufen .
Diplomatische Kontakte zwischen USA und Russland. Die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner sprachen am 22. Juli 2026 mit Selenskyj über die Wiederbelebung von Gesprächen . Tags darauf erklärte der russische Außenminister Sergej Lawrow seinem US-Kollegen Marco Rubio in Manila, dass die fortgesetzten US-Waffenlieferungen an die Ukraine „inakzeptabel“ seien . Lawrow bekräftigte zwar „Russlands Bereitschaft zu einer politischen und diplomatischen Lösung“, jedoch nur auf der Grundlage der Alaska-Vorschläge von Putin und Trump vom August 2025 .
Europäischer Vermittlungsversuch. Die Regierungschefs von Großbritannien, Deutschland und Frankreich veröffentlichten am 7. Juni 2026 eine gemeinsame Erklärung, in der sie einen Gipfel zwischen Selenskyj und Putin zur Sicherung eines Waffenstillstands unterstützten, mit Europa in einer Vermittlerrolle . Der Kreml reagierte verhalten und bekräftigte, dass seine Bedingungen von 2024 unverändert gelten .
Keine Seite zeigt Bewegung. Der Kreml bekräftigte am 29. Juni 2026, dass seine Bedingungen nicht verhandelbar seien . Selenskyj erklärte, die Ukraine werde ohne einen substanziellen Waffenstillstand weiterkämpfen . Galuzins Ablehnung eines Einfrierens der Frontlinie vom 10. August 2026 war die bislang deutlichste Zurückweisung jedes Kompromisses, der nicht den vollständigen russischen Forderungen entspricht . Wie das Institute for the Study of War anmerkt, sind Russlands Bedingungen ein „Kampfziel, das die russischen Streitkräfte bislang nicht erreicht haben“ .