Das Joint Venture wird auf dem bestehenden Sony-Gelände für Bildsensoren in Koshi City, Präfektur Kumamoto, angesiedelt sein. Es kombiniert Sonys Erfahrung im Sensordesign mit TSMCs Fertigungs-Know-how . Eine unverbindliche Absichtserklärung (Memorandum of Understanding) wurde bereits im Mai 2026 unterzeichnet , die endgültige Vereinbarung soll in den kommenden Monaten folgen . Die Gründung des Joint Ventures ist für das Ende von Sonys Geschäftsjahr 2026 (März 2027) geplant .
Erstes und wichtigstes Ziel ist die Belieferung von Apples iPhone mit hochmodernen Bildsensoren – Apple gilt als der primäre Premium-Kunde . Doch die langfristige Strategie reicht weiter: Die Sensoren sollen den wachsenden Markt der sogenannten ‚Physical AI‘ bedienen, also Hochleistungssensoren für autonome Fahrzeuge und Robotik. Sony und TSMC rechnen hier mit einem rasanten Wachstum .
Die japanische Regierung misst dem Projekt eine hohe strategische Bedeutung für die nationale Halbleitersicherheit bei. Am 17. April 2026 kündigte Japans Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI), Ryosei Akazawa, Subventionen von bis zu 60 Milliarden Yen (rund 377 Millionen US-Dollar) für Sonys neue Bildsensor-Fabrik in Kumamoto an . Sony und TSMC verhandeln zudem über weitere staatliche Zuschüsse – ein klares Zeichen, dass Tokio den Wiederaufbau der heimischen Chip-Industrie entschlossen vorantreibt .
Das Joint Venture kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für Sonys Bildsensor-Geschäft. Samsung, der zweitgrößte Bildsensor-Hersteller der Welt, investiert massiv in eigene Stapel-Technologien (Stacked-CIS), während OmniVision (unter chinesischer Kapitalbeteiligung) im mittleren Preissegment bei Smartphones Marktanteile gewinnt. Das Sony-TSMC-Joint Venture wird als direkte Antwort gesehen, um Sonys weltweiten Marktanteil von rund 45–50 % zu verteidigen .
Sony-CEO Hiroki Totoki hat die Partnerschaft öffentlich als den ersten großen Schritt in eine strukturelle Neuausrichtung beschrieben – hin zu einem ‚fab-lite‘-Modell. Das bedeutet: Sony reduziert seine eigenen hohen Investitionen in die Fertigung, indem es die Produktion an TSMC auslagert, während es das Sensordesign und die Systemkompetenz im Haus behält. Sonys eigene Unternehmensunterlagen bestätigen, dass das Joint Venture ein Kernstück dieser Strategie ist .
Am 28. Juli 2026 erschütterte ein schweres Erdbeben der Stärke 7,1 die Präfektur Kumamoto. Mindestens 34 Menschen kamen ums Leben, die Infrastruktur wurde vielerorts beschädigt . Das Beben legte sowohl Sonys Kumamoto Technology Centre als auch TSMCs japanische Halbleiterfabrik JASM (Japan Advanced Semiconductor Manufacturing) sofort lahm .
TSMC evakuierte die Mitarbeiter und führte strukturelle Prüfungen durch. Das Unternehmen bestätigte, dass alle Mitarbeiter in Sicherheit waren und weder die Gebäude noch die wichtigen Anlagen signifikante Schäden erlitten hatten . Noch am selben Abend begann TSMC, den Betrieb schrittweise wieder hochzufahren . Auch Sony Semiconductor Solutions und Tokyo Electron nahmen in den folgenden Tagen die Produktion wieder auf . Bereits Anfang August hatte TSMC seine Fabrik in Kumamoto wieder auf das Vorbeben-Niveau gebracht – der Wiederanlauf dauerte rund sechs Tage . Die vollständige Wiederherstellung der Produktion in allen betroffenen Werken wurde bis Ende August 2026 erwartet .
Die Erschütterungen waren insgesamt weniger schwerwiegend als bei den verheerenden Kumamoto-Erdbeben von 2016. Am Standort des geplanten Joint Ventures wurden keine strukturellen Schäden gemeldet. Dennoch zeigt das Ereignis das seismische Risiko, dem einer der strategisch wichtigsten Halbleiter-Produktionsstandorte der Welt ausgesetzt ist .