Der explosionsartige Ausbau der KI-Infrastruktur durch Unternehmen wie Meta, Google und Microsoft ist der Haupttreiber. Diese Rechenzentren verbrauchen 2026 rund 70 % aller produzierten Speicherchips – vor allem High-Bandwidth Memory (HBM) und Server-DRAM . Für Smartphones, PCs und andere Unterhaltungselektronik bleibt entsprechend weniger übrig.
Chip-Hersteller haben Produktionslinien auf die margenstärkeren KI-Speicher umgestellt, was die Knappheit bei Verbraucherchips noch verschärft . Die Folge sind Preissprünge, die Analysten als beispiellos in der modernen Halbleitergeschichte bezeichnen :
Bloomberg und Deloitte bezeichnen den Preisanstieg gleichermaßen als beispiellos in der modernen Halbleitergeschichte . Der IDC-Forschungsdirektor spricht von einer „Krise wie nie zuvor“ .
Die explodierenden Speicherkosten treiben die durchschnittlichen Smartphone-Verkaufspreise in die Höhe . IDC erwartet, dass der Durchschnittspreis 2026 um 14 % auf einen Rekordwert von 523 US-Dollar steigt . Flaggschiff-Modelle von Apple und Samsung kosten regelmäßig 1.500 US-Dollar und mehr .
Diese Preiserhöhungen – so IDC – schließen vor allem in Schwellenländern einen großen Teil der Käufer aus und drücken die Geräte-Auslieferungen zusätzlich . Kleinere Hersteller kämpfen darum, zu tragbaren Preisen ausreichend Speicher zu bekommen, was die Marktkonsolidierung beschleunigt .
Ein besonders auffälliger Effekt der Speicherkrise ist, wie ungleich sie die großen Hersteller trifft. Im ersten Halbjahr 2026 hat sich der Markt klar in zwei Lager gespalten .
Die Gewinner: Apple und Samsung
Apple und Samsung sind die einzigen beiden Anbieter unter den Top 5, die 2026 wachsen. Im zweiten Quartal 2026:
Beide Unternehmen verfügen über langfristige Speicher-Einkaufsverträge, starke Verhandlungsmacht und ausreichende Größe, um Kostensteigerungen abzufedern .
Die Verlierer: Xiaomi, OPPO und vivo
Die großen chinesischen Marken schrumpfen deutlich:
In China führte Huawei den Markt an, Apple war Zweiter, während OPPO, vivo und Xiaomi alle Rückgänge verzeichneten . Der Unterschied spiegelt die Machtverhältnisse in der Lieferkette wider: Chinesische Marken haben schmalere Margen und bekommen weniger Speicher zugeteilt .
Märkte mit einem hohen Anteil günstiger Smartphones werden voraussichtlich am stärksten einbrechen. IDC prognostiziert:
Angesichts von Flaggschiffen für 1.500 Euro und nur noch geringfügigen Hardware-Verbesserungen ändern Verbraucher ihr Verhalten auf drei Arten:
1. Der Gebraucht- und Refurbished-Markt boomt.
Der globale Markt für gebrauchte und wiederaufbereitete Smartphones wird 2026 auf 76,6 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2034 mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 6,4 % wachsen . Die Verkaufszahlen wiederaufbereiteter Geräte stiegen im ersten Quartal 2026 um 4 % gegenüber dem Vorjahr, und IDC erwartet für das Gesamtjahr ein Plus von 15,4 % . In Europa ist inzwischen jedes fünfte genutzte Smartphone ein Gebrauchtgerät .
2. Inzahlungnahme erreicht Rekordniveau.
Inzahlungnahme- und Upgrade-Programme spülten den Verbrauchern im ersten Quartal 2026 1,63 Milliarden US-Dollar zu – ein Plus von 31 % gegenüber dem Vorjahr . Die Besitzer erlösen mehr aus älteren Geräten, aber die Geräte werden auch immer älter – die meisten abgegebenen Telefone sind inzwischen drei oder mehr Generationen alt .
3. Anbieter bieten längere Finanzierungen und Abos.
Längere Finanzierungslaufzeiten von 36 bis 48 Monaten bei Mobilfunkanbietern werden zum Standard und senken die Frequenz von Neukäufen . TechCrunch berichtet, dass Anbieter zunehmend Abo-Modelle für Telefone anbieten, da die Nutzer ihre Geräte aufgrund hoher Preise und nur kleiner Hardware-Sprünge länger behalten . Counterpoint Research rechnet damit, dass sich der durchschnittliche Austauschzyklus 2026 auf vier Jahre verlängert, gegenüber 3,5 Jahren im Jahr 2025 .
IDC erwartet für 2027 eine moderate Erholung um 2 %, wenn die Speicherkrise abklingt, gefolgt von 5,4 % Wachstum im Jahr 2028 bei normalisierter Versorgung . Allerdings wird auch 2027 ein zweiter Rückgang um 1,1 % erwartet, bevor die Wende kommt . Deloitte weist darauf hin, dass neue Chip-Kapazitäten frühestens 2029 oder 2030 verfügbar sein werden .
Bis dahin wird sich der Markt aller Voraussicht nach weiter um die Lieferketten-Giganten Apple und Samsung konsolidieren, während sich die Verbraucher auf eine neue Normalität aus teureren Telefonen, längerer Nutzungsdauer und einem blühenden Zweitmarkt einstellen.