Die Saison verlief nicht ganz ohne Rückschläge: In Barcelona (Runde 7) schied er aus, und beim Großen Preis von Großbritannien sorgte ein technisches Problem für einen herben Punktverlust. Doch Antonelli schlug zurück – mit einer dominanten Fahrt von der Pole zum Sieg in Spa . Sollte er den Vorsprung über die restlichen zwölf Rennen retten, wäre er der erste italienische Formel-1-Weltmeister seit Alberto Ascari im Jahr 1953 .
Mercedes-Teamchef Toto Wolff zeigt sich tief beeindruckt. Was ihn am meisten überrascht habe, sei nicht die bloße Geschwindigkeit, sondern „die Gelassenheit und Struktur, die er ins Spiel gebracht hat“ . In einem Interview mit RacingNews365 erklärte Wolff: „Jeder liebt einen schnellen Fahrer. Aber wenn der schnelle Fahrer auch ein netter Mensch ist, der das Team unterstützt und nie ein böses Wort verliert, dann ist das natürlich der Jackpot“ .
Wolff ging noch weiter: „In der Vergangenheit hieß es in der Formel 1, man müsse ein rücksichtsloser, opportunistischer Arsch sein, um zu gewinnen. Ich glaube nicht, dass Kimi so ist. Er ist der lebende Beweis, dass ein Fahrer kein Arschloch sein muss, um erfolgreich zu sein“ . Antonelli zeige alle „Anlagen“ für eine Karriere als einer der größten Fahrer aller Zeiten .
Antonelli selbst beschreibt einen entscheidenden psychologischen Kniff, den er bewusst einsetzt. In einem Video mit Sponsor SAP sagte er: „Wenn ich im Auto sitze, werde ich zu einem anderen Menschen. Wenn du das Visier schließt, ja“ . Das Schließen des Helms löse eine kompromisslosere Einstellung aus – der Fahrer, der ins Auto steige, sei eine andere Version seiner selbst .
Den Höhepunkt seiner schwierigen Rookie-Saison 2025 beschrieb er als „Tiefpunkt“. Nach seinem Sieg in Belgien sagte er: „Letztes Jahr habe ich hier wahrscheinlich den Tiefpunkt erreicht. Es war ein sehr schwieriges Wochenende für mich mental. Aber dieses Jahr war es definitiv viel besser“ . Gleichzeitig gibt er sich bescheiden: „Ich habe noch einen langen Weg vor mir, um das Niveau von Max Verstappen und Lando Norris zu erreichen.“ Sein Ansatz bleibe: ein Wochenende nach dem anderen .
Valentino Rossi – volle Rückendeckung: Die MotoGP-Ikone und neunmalige Motorrad-Weltmeister stellte sich öffentlich hinter Antonelli – und das gegen die eigene italienische Tradition. „Ich bin jetzt bei Kimi“, sagte Rossi gegenüber Sky Sports F1 . Seine Begründung: „Man kann sich in Italien mit Ferrari vorstellen, das ist wie eine Religion. Aber ich bin mehr ein Fan der Fahrer. Also bin ich jetzt bei Kimi“ . Rossi bezeichnete Antonelli als „ein Jahrhunderttalent“ und „wirklich etwas Besonderes“ und betonte, wie „sehr besonders“ dieser Titelkampf für Italien sei .
Stefan Johansson – keine öffentlichen Aussagen für 2026: Anders als vielleicht erwartet, gibt es im öffentlichen Raum keine aktuellen Aussagen des ehemaligen Formel-1-Fahrers Stefan Johansson zu Antonellis Titelchancen. Diese Klarstellung dient der Transparenz, da eine vermeintlich gegensätzliche Perspektive in den vorliegenden Quellen schlicht nicht existiert.
Mit einem komfortablen Polster von 50 Punkten geht Antonelli in die zweite Saisonhälfte. Die Formel-1-Welt blickt gebannt auf den 19-Jährigen, der nicht nur schnell, sondern auch auffällig geerdet ist. Sollte er den Vorsprung verwalten, schreibt er nicht nur Sportgeschichte – er beendet eine 73-jährige Durststrecke für Italien. Und er tut es auf eine Art, die selbst einen gestandenen Teamchef wie Toto Wolff ins Schwärmen bringt.