Statt als ganze Zellen in das verletzte Gebiet zu wandern, teilen sich diese Astrozyten und befördern dann ausschließlich die neu gebildeten Kerne ihrer Tochterzellen über lange Distanzen durch ihre sternförmigen Zellfortsätze in die geschädigte Region hinein . Dort angekommen, bauen diese Zellkerne nach und nach das verlorene Astrozyten-Netzwerk wieder auf. Die Forschenden verfolgten diesen als „Kerntranslokation“ bezeichneten Vorgang mithilfe der Zwei-Photonen-Mikroskopie an lebenden Mäusen über mehrere Wochen hinweg und kartierten gleichzeitig die Genexpressionsmuster .
Molekulare Angriffspunkte für neue Therapien
Das Team konnte zahlreiche Gene und Signalwege identifizieren, die während dieses Reparaturprozesses vorübergehend aktiviert werden . Diese könnten als Ansatzpunkte für Medikamente dienen, die die Regeneration nach einer Verletzung gezielt anregen oder verstärken sollen.
Therapeutische Bedeutung für Erkrankungen mit Astrozyten-Verlust
Die Entdeckung ist besonders relevant für Erkrankungen, bei denen Astrozyten gezielt zerstört werden. Dazu gehört die Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankung (NMOSD), eine Autoimmunerkrankung, bei der Antikörper fälschlicherweise Astrozyten angreifen, sowie Schädel-Hirn-Traumata . Gelingt es, den neu entdeckten Mechanismus pharmakologisch zu aktivieren oder zu verstärken, könnte dies die Genesung deutlich verbessern, indem die verlorenen Astrozyten-Netzwerke wiederhergestellt werden .
Zusammenspiel weiterer Reparaturstrategien
Eine separate, ebenfalls 2025/2026 in Nature veröffentlichte Studie anderer Forschungsgruppen fand zudem heraus, dass sogenannte „Läsion-remote Astrozyten“ (LRAs) – Zellen, die weit entfernt von der eigentlichen Verletzung sitzen – das Protein CCN1 ausschütten. Dieses wiederum programmiert Mikrogliazellen um, damit sie Myelin-Trümmer beseitigen und so die neurologische Erholung nach Rückenmarksverletzungen unterstützen . Zusammengenommen zeigen diese Ergebnisse, dass Astrozyten über mehrere, bisher nicht erkannte Strategien zur Reparatur des Zentralnervensystems verfügen – sowohl über Signale aus der Ferne als auch über lokale Zellkern-Wanderungen .