Im Rahmen der Bilanzpressekonferenz erläuterte das Management, dass der Lageraufbau notwendig sei, um Materialien, Komponenten und Vorleistungen für diese Auftragswand zu bevorraten . Vorstandschef Armin Papperger erklärte: „Wir brauchen diese Waren auf Lager, sonst ist Wachstum unmöglich“ . Kurz gesagt: Rheinmetall kauft heute ein, um seine Lieferketten zu sichern und die Aufträge von morgen termingerecht ausliefern zu können.
Der Lageraufbau war der größte Einzelfaktor für den tief negativen operativen Free Cashflow (OFCF): minus 1,331 Milliarden Euro im zweiten Quartal und minus 1,616 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2026 . Das Unternehmen nannte neben dem „Inventory Build‑Up“ auch verschobene Anzahlungen und weiterhin hohe Investitionen als die drei Hauptgründe für den Liquiditätsabfluss . Ohne die 6,2‑Milliarden-Vorräte wäre der OFCF weit weniger negativ ausgefallen.
Die Anleger reagierten verstimmt – die Aktie fiel am Tag der Veröffentlichung um 5,7 Prozent, da der Markt die starke operative Leistung gegen die schwache Cash‑Conversion abwog .
Das Betriebsergebnis übertraf die durchschnittliche Analystenschätzung von 469,9 Millionen Euro . Das Unternehmen wies darauf hin, dass die Stornierung der F126-Fregatte den Umsatz 2026 um bis zu 300 Millionen Euro schmälern wird; entsprechend senkte es seine Jahresprognose .
Rheinmetall führt eines der aggressivsten Investitionsprogramme der europäischen Rüstungsindustrie durch:
| Standort / Projekt | Ort | Investition | Zeitplan | Details |
|---|---|---|---|---|
| Munitionsfabrik Unterlüß | Niedersachsen, Deutschland | rund 500 Millionen Euro | Fertigstellung September 2025 (15 Monate Bauzeit) | Europas größtes Werk für 155‑mm‑Artilleriegranaten; Rekordbauzeit |
| Pulverfabrik Aschau | Bayern, Deutschland | rund 500 Millionen Euro | Grundsteinlegung Juli 2026; Produktion ab 2027 | Verdopplung der Treibladungskapazität an einem Standort, der bereits im 24/7‑Schichtbetrieb läuft |
| Munitionsfabrik Litauen | Baisogala, Litauen | bis zu 300 Millionen Euro | Spatenstich November 2025; Ziel: 155‑mm‑Granaten an der NATO‑Ostflanke | |
| Treibladungs-Joint Venture Rumänien | Victoria, Rumänien | über 500 Millionen Euro (51 % Rheinmetall / 49 % Pirochim Victoria) | Bekanntgabe Juli 2026 | rund 300.000 modulare Treibladungen pro Jahr plus Pulver für den lokalen Bedarf |
Rheinmetall hat die Produktionskapazität für Mittelkalibermunition von 800.000 auf über 4 Millionen Schuss pro Jahr, für Artilleriemunition von 70.000 auf 1,1 Millionen Schuss und für Militärfahrzeuge von 600 auf 4.500 Einheiten gesteigert .
Die Investitionsausgaben bleiben auf hohem Niveau. Die Stornierung der F126-Fregatte führte zu einer angepassten Prognose für 2026; das Unternehmen bezeichnete die finanziellen Auswirkungen jedoch als beherrschbar – maximal 300 Millionen Euro Umsatzausfall in diesem Jahr und weniger als 3 Prozent der mittelfristigen Prognose für 2030 . Der grundsätzliche Investitionspfad zeigt nach oben, angetrieben durch die hunderten Millionen Euro teuren Fabriken in Deutschland, Litauen und Rumänien.
Die Erfahrungen von Rheinmetall machen mehrere strukturelle Probleme der gesamten westlichen Rüstungsindustrie sichtbar:
Die Quartalszahlen von Rheinmetall für das zweite Quartal 2026 sind eine eindrückliche Momentaufnahme dieses Spannungsfelds: Rekordumsatz, Rekordgewinn, Rekordaufträge – aber ein tief negativer Free Cashflow, weil das Unternehmen heute massiv Geld ausgibt, um die Kapazitäten zu schaffen, die Europas Sicherheit morgen braucht.