Yardeni Research bezeichnet die Intervention als „von vornherein zum Scheitern verurteilt“ – und nennt drei Gründe:
Die Wirtschaftsagenda von Premierministerin Sanae Takaichi profitiert von einem schwachen Yen. Ihre wachstums- und inflationsorientierte Politik toleriert – und will sogar – einen billigeren Yen, was dem Ziel der Intervention direkt widerspricht .
Die Zinsdifferenz ist überwältigend. Japans 10-Jahres-Rendite liegt bei rund 2,8 %, während vergleichbare US-Staatsanleihen etwa 4,7 % abwerfen. Das befeuert massive Carry Trades, die ständigen Verkaufsdruck auf den Yen ausüben . Lazard Asset Management weist darauf hin, dass die japanische Intervention von April/Mai 2026 im Volumen von 11,73 Billionen Yen (73,35 Milliarden Dollar) – fast doppelt so groß wie jeder frühere Versuch – den USD/JPY-Kurs innerhalb von sechs Wochen wieder über das Interventionsniveau steigen sah .
Die Konstruktion der Intervention untergräbt sich selbst. Die USA verkauften Euro (nicht Dollar) über den Exchange Stabilization Fund. Das signalisiert, dass Washington den Dollar nicht direkt schwächen will, was jede nachhaltige Wirkung auf USD/JPY begrenzt .
Statt Dollar zu verkaufen, finanzierte das US-Finanzministerium seine Yen-Käufe durch den Verkauf von Euro – eine ungewöhnliche Methode, die Fortune als „seltsam“ und „unweise“ bezeichnete . Diese Taktik macht nur dann Sinn, wenn Finanzminister Scott Bessents Hauptsorge dem Schutz des US-Anleihemarktes galt .
Mark Sobel, ein ehemaliger Top-Beamter des US-Finanzministeriums, argumentiert, dass sich die japanischen Fundamentaldaten nicht ändern. Bessents wahres Motiv sei es gewesen, zu verhindern, dass Japan gezwungen ist, seine US-Staatsanleihen im Wert von 1,2 Billionen Dollar zu verkaufen, um seine eigenen Interventionen zu finanzieren . Hätte Japan seine Yen-Käufe selbst finanzieren müssen, indem es US-Staatsanleihen liquidiert, wären die US-Renditen gestiegen – genau das vermeidet Bessents Ansatz. Untermauert wird dies durch Bessents Forderung an die Fed, ihre Kreditfazilität für ausländische Zentralbanken (das FIMA Repo Facility) auszuweiten, damit Japan Dollar leihen kann, ohne seine Treasury-Bestände verkaufen zu müssen .
Das US-Finanzministerium informierte mehrere Banken über eine mögliche Intervention, und Bessent zeigte bei einer Kabinettssitzung in Camp David sogar einen Notizzettel mit der Aufschrift „To Do: Buy Japanese Yen $5-10 bil“ .
Bloomberg Opinion charakterisierte die Intervention als „Bessents neuestes Pflaster für Anleihen“ . Die Politik bekämpfe nicht die zugrundeliegenden Probleme und riskiere, die Grenzen zwischen Geld- und Fiskalpolitik zu verwischen, insbesondere angesichts der Fragen um die Unabhängigkeit der Fed unter Vorsitzendem Kevin Warsh . Indem die Fed durch erweiterte Kreditfazilitäten für ausländische Zentralbanken in Yen-Stützungsoperationen eingebunden werde, entstehe ein moralisches Risiko: Märkte könnten die Entschlossenheit Washingtons testen, da sie den Rettungsschirm kennen .
Reuters Breakingviews argumentiert, die Intervention könne „Takaichis Scherbenhaufen nicht aufräumen“ . Die zugrundeliegenden Treiber der Yen-Schwäche – der lockere fiskalpolitische Kurs Japans, die große Zinsdifferenz und die Unfähigkeit der BOJ, die Zinsen aggressiv zu erhöhen – blieben völlig unangetastet . Die koordinierte Aktion verschärfe sogar das Dilemma der BOJ, denn ein durch Intervention erzielter stärkerer Yen verringere den Inflationsdruck und gebe der BOJ noch weniger Grund, die Zinsen zu erhöhen . Ohne Zinserhöhungen der Bank of Japan oder Zinssenkungen der Federal Reserve könne eine Intervention allein die Richtung des Yen nicht ändern .
Der Konsens der Strategen ist klar: Nur eine grundlegende Verringerung der Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan wird den Yen nachhaltig stärken. Dafür müsste entweder die Bank of Japan ihren Leitzins deutlich anheben – was angesichts der inflationsfreundlichen Agenda von Premierministerin Takaichi politisch schwierig ist – oder die Federal Reserve die Zinsen senken, wofür es derzeit keine Anzeichen gibt.
Da die BOJ ihren Leitzins auf ihrer Sitzung am 31. Juli bei 1,0 % beließ und die Fed ihren Zielkorridor unverändert hält, bleiben die strukturellen Kräfte, die den Yen nach unten drücken – die Zinsdifferenz von rund 190 Basispunkten, Carry-Trade-Ströme, Japans lockere Fiskalpolitik und die Weigerung Washingtons, Dollar zu verkaufen – weiterhin bestehen.
Fazit: Die Intervention vom 31. Juli war ein ausgeklügeltes Signal, keine Lösung. Bessent scheint mehr daran interessiert, den US-Anleihemarkt vor japanischen Reserveverkäufen zu schützen, als den Yen dauerhaft zu stärken. Und bis Japan die Zinsen erhöht oder die Fed sie senkt, wird jede strukturelle Kraft den Yen weiter nach unten treiben.