Vorstandschef Oliver Blume hat das vorgeschlagen, was er „die umfassendste Neuausrichtung in der Geschichte des Unternehmens“ nannte. In einem internen Schreiben an die Belegschaft vom 13. Juli skizzierte Blume den Abbau von bis zu 50.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen – zusätzlich zu den rund 50.000 Stellen, die bereits durch ein Sparprogramm aus dem Jahr 2024 wegfallen sollen.
Zusammengenommen könnten so insgesamt bis zu 100.000 Stellen gestrichen werden, etwa 16 Prozent der weltweiten VW-Belegschaft.
Der Plan sah auch die Schließung von vier deutschen Werken vor: Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk in Neckarsulm. Allein diese vier Standorte beschäftigen über 45.000 Mitarbeiter. Zudem sollte die Modellpalette um bis zu die Hälfte gestrafft und die Produktionskapazität deutlich reduziert werden.
Blume bezifferte den Wettbewerbsnachteil bei den Kosten auf rund 20 Prozent – der Hauptgrund für die drastischen Maßnahmen.
Blumes Plan stieß auf sofortigen und heftigen Widerstand. Am 9. Juli 2026 stimmte der VW-Aufsichtsrat mit 12 zu 19 Stimmen gegen das Restrukturierungspaket, das die Werksschließungen und den Stellenabbau vorsah. Die Arbeitnehmervertreter kritisierten Blume scharf, nachdem Details aus dem Plan an die Öffentlichkeit gelangt waren. Die Belegschaft protestierte gegen das, was sie als „unfairen Wettbewerb“ und eine Bedrohung der deutschen Arbeitsplätze ansah.
Auch das Land Niedersachsen, das einen Sperrminorität von 20 Prozent der Stimmrechte hält, stemmte sich gegen die Werksschließungen.
Trotz der Ablehnung durch das Kontrollgremium hielt Blume an dem Ziel fest, 50.000 zusätzliche Stellen abzubauen, und bemühte sich in folgenden Gesprächen weiter um die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter.
Mitten im Krisengetöse wies Volkswagen in seinen Halbjahreszahlen 2026 auch auf einige positive Signale hin. Der europäische Auftragsbestand wuchs bis Ende Juni 2026 auf rund 1,1 Millionen Fahrzeuge an, was einer Reichweite von mehr als drei Monaten entspricht. Q Der Auftragseingang legte im ersten Halbjahr im Jahresvergleich um 4 Prozent auf 2,1 Millionen Fahrzeuge zu.
Q Besonders bemerkenswert: Die Bestellungen für vollelektrische Fahrzeuge (BEV) schnellten um 57 Prozent auf 330.000 Fahrzeuge in die Höhe. Damit machen BEVs nun 31 Prozent des europäischen Auftragsbuchs aus, nach 19 Prozent im Vorjahr.
Q Der gesamte Auftragsbestand in Europa lag damit rund 12 Prozent über dem Niveau zum Jahresende 2025.
Q Der Umsatz blieb relativ stabil, und VW bestätigte seine Jahresprognose für eine operative Marge von 4,0 bis 5,5 Prozent, wobei man in der zweiten Jahreshälfte mit einer Verbesserung rechnet.
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Während die Kostenstruktur, die Überkapazitäten und die Blockadehaltung im Aufsichtsrat VW in die Krise treiben, zeigt der Auftragseingang – vor allem bei den E-Autos – eine echte Stärkung der Nachfrage. Das verschafft dem Konzern ein wichtiges Standbein auf der Absatzseite, sofern die internen Machtkämpfe um den Sanierungskurs beigelegt werden können.