Acht Jahre später wird diese Klausel relevant. UMG verkaufte im ersten Halbjahr 2026 einen Teil seiner Spotify-Aktien und erzielte dabei einen Bruttoerlös von 403 Millionen Euro, umgerechnet rund 467 Millionen US-Dollar. Nach Schätzungen könnten Künstler aus dieser ersten Tranche etwa 28 Prozent beziehungsweise rund 130 bis 131 Millionen US-Dollar erhalten.
Die Zahlungen sollen voraussichtlich über die Abrechnungen der Künstler im mittleren bis späten Verlauf des Jahres 2026 laufen.
Swift erklärte damals, sie habe in ihren neuen Vertrag mit UMG aufgenommen, dass jeder Verkauf von Spotify-Aktien zu einer Ausschüttung an die Künstler führen müsse. Die Zahlungen sollten ausdrücklich „non-recoupable“ sein – also nicht als Vorschuss gelten, den das Label später mit weiteren Tantiemen verrechnet.
Für Künstler ist dieser Unterschied entscheidend. Bei einem verrechenbaren Betrag kann eine Gutschrift zunächst lediglich den offenen Saldo gegenüber dem Label verringern. Eine nicht verrechenbare Ausschüttung ist dagegen tatsächliches Geld, unabhängig davon, ob ein Act seine bisherigen Vorschüsse bereits wieder eingespielt hat.
Swift bezeichnete die Forderung als „die eine Bedingung, die mir mehr bedeutete als jeder andere Punkt des Vertrags“. Sie hatte Big Machine Records im November 2018 verlassen und bei UMGs Republic Records unterschrieben. Ihre Verhandlungsposition nutzte sie dabei nicht nur für sich selbst, sondern für das gesamte UMG-Künstlerportfolio.
UMG-Finanzvorstand Matt Ellis sagte in der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals am 30. Juli 2026, das Unternehmen habe im ersten Halbjahr „knapp ein Drittel“ des geplanten Verkaufs umgesetzt.
Der im April angekündigte Gesamtplan sieht vor, die Hälfte von UMGs ungefähr 2,7 Milliarden Euro wertem Spotify-Aktienpaket zu veräußern. Daraus könnten insgesamt rund 1,4 Milliarden US-Dollar erlöst werden. Nach Angaben aus UMGs Geschäftsbericht für 2025 hielt das Unternehmen rund 6,487 Millionen Spotify-Aktien – entsprechend etwa 3,1 Prozent an Spotify.
Wie viel am Ende tatsächlich an Künstler ausgezahlt wird, hängt vom endgültigen Verkaufserlös und der Berechnung der jeweiligen Beteiligungen ab. Die bisher genannten 130 bis 131 Millionen US-Dollar sind daher eine Schätzung für die bereits verkaufte Tranche, nicht eine garantierte Endsumme für den gesamten Vorgang.
Die Idee, Künstler an Erlösen aus Beteiligungen an Streamingdiensten zu beteiligen, stammt nicht ursprünglich von Swift. Warner Music Group (WMG) hatte bereits im Februar 2016 angekündigt, Künstler am Verkauf seiner Spotify-Beteiligung zu beteiligen.
Als Warner 2018 sein gesamtes Spotify-Paket für 504 Millionen US-Dollar verkaufte, wurden rund 126 Millionen US-Dollar, also 25 Prozent, Künstlerkonten gutgeschrieben. Allerdings konnten diese Beträge bei Warner mit noch nicht verrechneten Vorschüssen gegengerechnet werden. Dadurch kam die Ausschüttung nicht zwangsläufig als zusätzliches Bargeld bei allen Künstlern an.
Sony Music verkaufte etwa zur selben Zeit die Hälfte seiner Spotify-Aktien für 768 Millionen US-Dollar und verteilte Berichten zufolge rund 250 Millionen US-Dollar – etwa 32,5 Prozent – an Künstler, unabhängig von deren Verrechnungsstatus.
Swift verlangte von UMG, dieses Modell schriftlich festzuhalten und den entscheidenden Zusatz aufzunehmen: Die Zahlungen sollten nicht verrechenbar sein.
Der Spotify-Verkauf ist Teil einer größeren Kapitalstrategie. Im März 2026 kündigte UMG sein erstes Aktienrückkaufprogramm seit dem Börsengang an. Das Volumen betrug 500 Millionen Euro, nachdem der Aktienkurs nach dem Börsengang unter Druck geraten war.
Bis zum 24. Juli kaufte UMG rund 26,7 Millionen eigene Aktien für insgesamt knapp 499,2 Millionen Euro zurück. Am 29. April verdoppelte der Verwaltungsrat die Genehmigung für Aktienrückkäufe auf insgesamt 1 Milliarde Euro. Der Verkauf eines Teils der Spotify-Beteiligung soll dieses Programm maßgeblich finanzieren.
| Bestandteil des Rückkaufprogramms | Betrag | Status |
|---|---|---|
| Erstes Programm, März 2026 | 500 Mio. € | Am 24. Juli 2026 abgeschlossen |
| Rückkauf von Pershing-Square-Aktien, Juni 2026 | 250 Mio. € | Abgeschlossen |
| Erweiterte Genehmigung, April 2026 | Insgesamt 1 Mrd. € | Laufend, unter anderem durch den Spotify-Verkauf finanziert |
| Zusätzliches Programm, August 2026 | 250 Mio. € | Am 6. August gestartet |
Die Maßnahmen stehen auch im Zusammenhang mit dem aktivistischen Investor Bill Ackman und dessen Investmentgesellschaft Pershing Square. Ackman hatte eine Übernahme von UMG im Volumen von etwa 65 Milliarden US-Dollar vorgeschlagen; zu seinem Konzept gehörte unter anderem, die Spotify-Beteiligung zu verkaufen. UMGs Verwaltungsrat entschied sich stattdessen, Verkauf und Rückkäufe eigenständig zu organisieren.
Im zweiten Quartal 2026 meldete UMG ein Umsatzplus von 5,3 Prozent, vor allem dank der Zuwächse bei kostenpflichtigen Streaming-Abos. Der Nettogewinn wurde jedoch durch Rechtskosten und Aufwendungen im Zusammenhang mit den Aktienrückkäufen belastet. Dazu gehörten auch KI-bezogene Rechtsstreitigkeiten, unter anderem im Umfeld von Drake. Nach der Veröffentlichung der Ergebnisse fiel die UMG-Aktie Berichten zufolge um etwa 25 Prozent.
Die konkreten Bedingungen einer jüngeren Vereinbarung zwischen UMG und Spotify zu KI-generierter Musik werden in den vorliegenden Quellen nicht detailliert beschrieben. Fest steht laut der verfügbaren Berichterstattung jedoch, dass die großen Musikunternehmen parallel gegen bestimmte KI-Nutzungen vorgehen und nach Lizenz- und Vergütungsmodellen für den Umgang mit KI-generierten Inhalten suchen.
Der Spotify-Verkauf verschafft UMG in dieser Übergangsphase zusätzliches Kapital: für Aktienrückkäufe, für die eigene Finanzstrategie – und, dank einer Forderung Taylor Swifts aus dem Jahr 2018, für nicht verrechenbare Ausschüttungen an Tausende Künstler.