„Heatflation“ treibt die Lebensmittelpreise in die Höhe – und El Niño könnte die Krise bis 2028 verschärfen
„Heatflation“ ist längst keine bloße Prognose: In Südkorea haben sich einzelne Gemüsepreise binnen weniger Wochen mehr als verdreifacht. Die Juni Hitzewelle in Europa vernichtete laut Coceral rund 10 Millionen Tonnen Getreide und verursachte Ernteverluste von etwa 2 Milliarden Euro.
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„Heatflation“ ist längst keine bloße Prognose: In Südkorea haben sich einzelne Gemüsepreise binnen weniger Wochen mehr als verdreifacht.
Die Juni Hitzewelle in Europa vernichtete laut Coceral rund 10 Millionen Tonnen Getreide und verursachte Ernteverluste von etwa 2 Milliarden Euro.
Ökonomen und UN Organisationen warnen, dass ein sehr starker El Niño zusammen mit höheren Energie und Düngemittelkosten die globale Lebensmittelinflation bis 2028 verschärfen könnte.
How is "heatflation" — the fusion of extreme heat and inflation — driving food prices sharply higher across South Korea and Europe through sHeatflation in action: extreme heat withering agricultural landscapes, driving food prices sharply higher.
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Ein Bund Gurken für 900 Won in Seoul, deutlich teureres Olivenöl in Madrid oder steigende Preise für Getreideprodukte: Extreme Hitze kommt zunehmend direkt im Einkaufskorb der Verbraucher an. Für dieses Zusammenspiel aus „heat“ und „inflation“ hat sich der Begriff „Heatflation“ etabliert.
In Südkorea sind die Folgen bereits deutlich sichtbar. Auch Europas Landwirtschaft hat durch die Hitzewelle im Juni erhebliche Ernteverluste erlitten. Nun richten sich die Blicke zusätzlich auf El Niño: Sollte sich das Wetterphänomen zu einem besonders starken oder sogenannten Super-El-Niño entwickeln, könnte der Druck auf Lebensmittelpreise über mehrere Jahre anhalten.
Wie Hitze Lebensmittelpreise nach oben treibt
Der Mechanismus ist zunächst einfach: Steigen die Temperaturen zu stark, wachsen Pflanzen schlechter, Nutztiere geraten unter Hitzestress und Fischbestände werden durch aufgeheizte Gewässer geschädigt.
Laut einem gemeinsamen Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) bedrohen zunehmende, intensivere und länger anhaltende Hitzeperioden inzwischen die Lebensgrundlagen von mehr als einer Milliarde Menschen . Bei vielen wichtigen Nutzpflanzen beginnen die Erträge ab Temperaturen von über 30 °C zu sinken. Schweine und Geflügel leiden teilweise schon bei niedrigeren Temperaturen: Ihr Wachstum nimmt ab, die Milchleistung sinkt und in schweren Fällen können Organe versagen .
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„Heatflation“ ist längst keine bloße Prognose: In Südkorea haben sich einzelne Gemüsepreise binnen weniger Wochen mehr als verdreifacht.
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„Heatflation“ ist längst keine bloße Prognose: In Südkorea haben sich einzelne Gemüsepreise binnen weniger Wochen mehr als verdreifacht. Die Juni Hitzewelle in Europa vernichtete laut Coceral rund 10 Millionen Tonnen Getreide und verursachte Ernteverluste von etwa 2 Milliarden Euro.
Was soll ich als nächstes in der Praxis tun?
Ökonomen und UN Organisationen warnen, dass ein sehr starker El Niño zusammen mit höheren Energie und Düngemittelkosten die globale Lebensmittelinflation bis 2028 verschärfen könnte.
Auch die Meere sind betroffen. Marine Hitzewellen verringern den Sauerstoffgehalt des Wassers. Fische müssen dann schneller atmen und können im Extremfall an Herzversagen sterben .
Das führt zu einem doppelten Preisdruck: Das Angebot schrumpft, während die Kosten für Bewässerung, Kühlung, Tierhaltung, Transport und Ersatzlieferungen steigen.
Südkorea: Gemüsepreise steigen um bis zu 218 Prozent
Südkorea erlebt derzeit eine Rekord-Hitzewelle. Die gefühlten Temperaturen nähern sich in Teilen des Landes 40 °C . Die Auswirkungen sind im Supermarkt unmittelbar zu spüren:
Gurken, die Ende Juni noch weniger als 300 Won pro Stück kosteten, werden inzwischen für 900 Won verkauft – eine Verdreifachung innerhalb von rund sechs Wochen .
Die Preise für Auberginen stiegen binnen eines Monats um 218 Prozent, Zucchini verteuerten sich um 112 Prozent .
Auch Spinat, Rettich, Kohl und Karotten wurden deutlich teurer, weil die Pflanzen unter der anhaltenden Hitze schlechter wuchsen .
Die stark gestiegenen Meerestemperaturen lösten in Aquakulturen ein massenhaftes Sterben von Plattfischen aus. Dadurch ist auch die Versorgung mit frischem Fisch für Sashimi-Gerichte gefährdet .
Zusätzlich verendeten Hunderttausende Nutztiere und Fische infolge des Hitzestresses .
Der Ausdruck „Heatflation“ ist deshalb inzwischen regelmäßig in südkoreanischen Medien und Regierungserklärungen zu finden . Zwar versuchen die Behörden, den Preisanstieg mit Rabattaktionen und zusätzlichen Lieferungen landwirtschaftlicher Produkte abzufedern. Die grundlegende Ursache – beschädigte Ernten und eine geschwächte Produktion – bleibt jedoch bestehen.
Europa: Milliardenverluste bei Getreide und anhaltender Preisdruck
Auch Europa wurde im Juni 2026 von einer schweren Hitzewelle getroffen. Nach einer Analyse des Verbands Coceral, der den Handel mit Getreide und Ölsaaten vertritt, wurden rund 10 Millionen Tonnen Getreide vernichtet. Den Landwirten entgingen dadurch schätzungsweise 2 Milliarden Euro an Einnahmen .
Die Ernte in den 27 EU-Mitgliedstaaten und im Vereinigten Königreich dürfte nun 9 Millionen Tonnen kleiner ausfallen als vor der Hitzewelle erwartet. Damit droht die kleinste Ernte seit 2018. Betroffen sind unter anderem Weizen, Gerste, Mais und Hafer .
Untersuchungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigen, wie stark sich solche Wetterextreme auf Verbraucherpreise übertragen können. Die extreme Sommerhitze des Jahres 2022 erhöhte die Lebensmittelinflation in Europa demnach allein um 0,67 Prozentpunkte. Bis 2035 könnte eine vergleichbare Hitzewelle unter den erwarteten wärmeren Bedingungen einen um 50 Prozent stärkeren Effekt haben .
Im Euroraum lag die Lebensmittelinflation 2025 im Durchschnitt bei 2,9 Prozent und damit weiterhin über dem langfristigen Vor-Pandemie-Mittel von 2,2 Prozent . Zwar sank die Rate im Juni 2026 laut einer vorläufigen Eurostat-Schätzung auf 1,6 Prozent. Ökonomen warnen jedoch, dass sich die Folgen der diesjährigen Hitzewellen erst mit Verzögerung in den Preisen zeigen können .
Oxford Economics erwartet im Basisszenario, dass die Lebensmittelinflation im Euroraum von rund 1,5 Prozent im Juni 2026 auf etwa 3 Prozent im Jahr 2027 steigt . Nach Einschätzung der Ökonomen könnten die Hitzewellen dabei ein stärkerer Preistreiber sein als der Krieg, auf den sich die Analyse bezieht .
Super-El-Niño: Warum die nächste Wetterschockwelle entscheidend sein könnte
Zur bereits angespannten Lage kommt ein sich verstärkendes El-Niño-Ereignis hinzu. Es entstand nach den vorliegenden Einschätzungen im Mai oder Juni 2026 und könnte im Winter auf der Nordhalbkugel seinen Höhepunkt erreichen. Das US-amerikanische Climate Prediction Center beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Ereignis bis zum Jahresende zu einem sehr starken oder „Super“-El-Niño entwickelt, auf 81 Prozent . Voraussichtlich könnten die Bedingungen bis weit in das Jahr 2027 anhalten .
El Niño verändert die Muster von Niederschlag, Hitze und Dürre weltweit. Besonders gefährlich wird das Phänomen, wenn es gleichzeitig mit bereits hohen Energie-, Transport- und Düngemittelpreisen auftritt.
Wichtige Warnungen von Finanzinstituten und UN-Organisationen:
JPMorgan erwartet, dass die Kombination aus El Niño und höheren Ölpreisen die globale Inflation 2027 um 0,3 Prozentpunkte erhöhen könnte. Schwellenländer wären besonders stark betroffen .
Allianz verweist auf Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), wonach ein typisches El-Niño-Ereignis die globalen Preise für Agrarrohstoffe innerhalb eines Jahres um rund 5 Prozent anheben kann .
Die EZB hatte zuvor berechnet, dass ein starker El Niño die Preise für Agrarrohstoffe um bis zu 9 Prozent erhöhen könnte. Sojabohnen zählen dabei zu den besonders gefährdeten Produkten .
Das Welternährungsprogramm (WFP) rechnet damit, dass ein kräftiger El Niño bis Ende 2027 fast 49 Millionen weitere Menschen in akute Ernährungsunsicherheit treiben könnte. Besonders gefährdet sind Mittelamerika und das südliche Afrika .
Die FAO warnte am 5. August 2026 vor einer neuen Welle der Lebensmittelinflation. Die Kriege im Iran und in der Ukraine könnten zusammen mit El Niño einen „perfekten Sturm“ aus höheren Kosten und geringeren Ernten erzeugen .
Die Weltbank prognostiziert für 2026 zunächst einen Anstieg ihres globalen Lebensmittelrohstoffpreisindex um 2,5 Prozent. Sie betont jedoch, dass die Risiken klar nach oben gerichtet sind: El Niño, teurere Energie und Düngemittel sowie mögliche Handelsbeschränkungen könnten die Preise stärker steigen lassen .
Schroders-Chefökonom David Rees warnt, ein sehr starker El Niño könnte – sofern frühere Zusammenhänge erneut gelten – eine Verdoppelung der globalen Lebensmittelinflationsraten bedeuten .
Ökonomen, die im Guardian zitiert werden, halten einen schweren globalen Preisschock bis ins Jahr 2028 für möglich, weil das Wetterereignis mit den Folgen des Iran- und des Ukrainekriegs zusammentrifft .
Warum sich die Risiken diesmal aufstauen
Der entscheidende Unterschied zur isolierten Hitzewelle liegt in der Kombination mehrerer Belastungen. Höhere Ölpreise verteuern Transport und Verarbeitung. Teurer oder knapper Dünger belastet die nächste Aussaat. Gleichzeitig können Konflikte Lieferketten stören und Staaten zu Exportbeschränkungen bewegen.
Die Bloomberg-Analyse erwartet, dass Schwellenländer in Lateinamerika, Afrika und Asien besonders unter diesen kumulierten Belastungen leiden. Höhere Kosten für Ölimporte, angespannte Lieferketten und unregelmäßige Niederschläge könnten dort gleichzeitig auf die Haushalte einwirken .
Auch die Weltbank nennt mehrere Faktoren, die Lebensmittelpreise über die aktuelle Prognose hinaus treiben könnten: El Niño, höhere Energie- und Düngemittelkosten, eine steigende Nachfrage nach Biokraftstoffen und mögliche Handelsbeschränkungen . In den USA waren Ende Mai 2026 nach Angaben eines Schroders-Berichts mehr als 50 Prozent der Fläche von Dürre betroffen; rund 250 Millionen Acres Ackerland standen unter Druck .
Besonders kritisch ist die Entwicklung bei Reis. Sollte El Niño andauern, könnte die Reisproduktion in betroffenen Regionen um 20 bis 50 Prozent zurückgehen. Als besonders exponiert gelten Südasien, das südliche Afrika und Teile Ostasiens .
Fazit: Der Preisschock kommt nicht nur vom Wetter
„Heatflation“ ist kein abstrakter Klimabegriff. In Südkorea zeigt sie sich bereits in dreistelligen Preissteigerungen bei Gemüse, in Fischsterben und in höheren Kosten für Haushalte. In Europa schlagen sich Ernteausfälle zunächst bei Getreide und später möglicherweise bei zahlreichen verarbeiteten Lebensmitteln nieder.
Ein starker El Niño muss nicht automatisch überall dieselben Preissteigerungen auslösen. Doch zusammen mit Kriegen, teurer Energie, Düngemittelengpässen und unterbrochenen Lieferketten erhöht er das Risiko eines länger anhaltenden globalen Lebensmittelschocks. Die derzeitigen Warnungen reichen deshalb bis ins Jahr 2028 – und treffen jene Menschen am härtesten, die ohnehin den größten Teil ihres Einkommens für Nahrung ausgeben.
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'Heatflation' Grips South Korea, Global Markets as Prices Soar