Liberty Media und das Formel-1-Management reagieren mit einem ungewöhnlichen Kalender- und Logistikplan: Der ausgefallene Bahrain-Grand-Prix wird nach Malaysia verlegt. Für den Fall, dass auch die Saisonrennen in Katar und Abu Dhabi wegen des Konflikts nicht stattfinden können, steht zudem ein europäisches Saisonfinale bereit .
Die Quartalsbilanz von Liberty Media wirkt auf den ersten Blick alarmierend:
Der entscheidende Unterschied zum Vorjahr: Zwischen April und Juni fanden 2026 nur fünf Rennen statt, im gleichen Zeitraum 2025 waren es neun. Das entspricht einem Rückgang der Veranstaltungen um 44 Prozent .
Auch die Halbjahreszahlen stehen unter diesem Einfluss. In den ersten sechs Monaten 2026 erzielte die Formel 1 einen Umsatz von 1,381 Milliarden US-Dollar – 15 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Statt elf Rennen wie im ersten Halbjahr 2025 wurden nur acht ausgetragen . Den Formel-1-Teams fehlten dadurch zusammengenommen rund 127 Millionen US-Dollar im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025 .
Analysten und das Formel-1-Management sprechen deshalb von einer „Kalender-Anomalie“ oder einem „calendar quirk“ – einem ungewöhnlichen Verlauf des Rennkalenders – und nicht von einem strukturellen Problem .
Die Formel 1 verbucht bestimmte Einnahmen und Kosten anteilig über die gesamte Saison. Im zweiten Quartal 2026 wurde der Finanzbericht damit auf Grundlage von fünf von insgesamt 22 vorgesehenen Rennen erstellt. Im Vorjahresquartal waren es neun von 24 Rennen .
Die ausgefallenen Veranstaltungen verschwinden daher nicht automatisch aus der Jahresbetrachtung. Ein Teil der erwarteten Erlöse und Kosten verschiebt sich vielmehr in die zweite Jahreshälfte. Liberty Media rechnet deshalb mit einem deutlich stärkeren zweiten Halbjahr .
Der Bahrain-Grand-Prix war für den 12. April angesetzt, der Grand Prix von Saudi-Arabien für den 19. April. Beide Rennen wurden im März 2026 wegen des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten abgesagt .
Die Entscheidung wurde während des Wochenendes des Großen Preises von China bekannt gegeben. Für den Formel-1-Tross entstand dadurch eine 35-tägige Frühjahrspause zwischen dem Rennen in Japan am 29. März und dem Grand Prix von Miami am 3. Mai. Besonders problematisch: Seefracht mit Ausrüstung war zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs .
Neben den Formel-1-Rennen waren auch die begleitenden Läufe der Formel 2, Formel 3 und F1 Academy an beiden Wochenenden betroffen .
Der ausgefallene Bahrain-Grand-Prix soll am 4. Oktober auf dem Sepang International Circuit in Malaysia nachgeholt werden. Damit kehrt die Formel 1 erstmals seit 2017 nach Malaysia zurück .
Trotz des Austragungsorts soll das Rennen weiterhin als „Bahrain Grand Prix“ firmieren. Bahrain finanziert die Veranstaltung weiterhin, und der Rennveranstalter des Golfstaats übernimmt den Großteil der Kosten. Das machte eine Verlegung praktikabler als eine vollständige Absage .
Für den Lauf auf dem Jeddah Corniche Circuit wurde kein Ersatz gefunden. Der Grand Prix von Saudi-Arabien wird 2026 daher nicht mehr stattfinden .
Besonders wichtig ist nun das Saisonfinale. Der Große Preis von Katar ist für den 29. November, das Rennen in Abu Dhabi für den 6. Dezember vorgesehen. Sollte der Konflikt eine Austragung weiterhin unmöglich machen, soll die Saison stattdessen in Europa enden .
Nach Angaben von Formel-1-Chef Stefano Domenicali soll bis Mitte September 2026 entschieden werden, ob der Kalender angepasst werden muss. Als mögliche Lösung stehen zwei zusätzliche europäische Rennen im Raum .
Bahrain und Saudi-Arabien sind nicht nur zwei Rennwochenenden im Kalender. Die Veranstaltungen bringen Einnahmen aus den Gebühren der Austragungsorte, dem Hospitality-Geschäft und der internationalen TV-Vermarktung. Zudem lagen die beiden Rennen ursprünglich direkt hintereinander im April – ein logistischer Ablauf, der für den Formel-1-Tross bereits organisiert war.
Die Absagen verursachten deshalb neben den entgangenen Einnahmen auch erhebliche logistische Probleme. Ausrüstung war bereits auf dem Seeweg, als die Entscheidung fiel .
Der nächste entscheidende Termin ist die Frist Mitte September. Bleibt die Sicherheitslage angespannt, dürfte die Formel 1 auf ihren europäischen Notfallplan zurückgreifen und die Saison auf bereits bekannte Strecken verlagern, statt kurzfristig neue Austragungsorte zu suchen .
Der Kalender könnte dadurch weiter schrumpfen – möglicherweise auf 20 oder 21 Rennen. Bestätigt ist dieses Szenario bislang allerdings nicht. Sicher ist nur: Die dramatischen Quartalszahlen spiegeln zu einem großen Teil wider, wann die Rennen stattfinden konnten, und nicht allein, wie sich das Formel-1-Geschäft entwickelt.