Der mit Abstand größte Einzeldeal kam von SK Hynix. Der südkoreanische Speicherchiphersteller nahm mit einem Nasdaq-Angebot von American Depositary Receipts (ADRs) rund 26,5 Milliarden US-Dollar ein – das größte erstmalige Aktienangebot eines ausländischen Unternehmens an US-Börsen. Die Emission war mehr als siebenfach überzeichnet, und die ADRs legten am ersten Handelstag um 13 Prozent zu.
Der Ausbau von Rechenzentren und KI-Systemen verlangt große Mengen an Hochleistungsspeichern, Prozessoren und Fertigungskapazitäten. Unternehmen aus der Halbleiter- und KI-Wertschöpfungskette nutzen deshalb die hohe Zahlungsbereitschaft der Investoren, um neue Werke zu bauen und Ausrüstung zu kaufen.
SK Hynix, ein wichtiger Lieferant von High-Bandwidth-Memory-Chips für Nvidia, will die Erlöse unter anderem in Chip-Equipment und neue Fabriken investieren. Die starke Nachfrage nach KI-Aktien half dabei, auch ein außergewöhnlich großes Angebot am Markt unterzubringen. Für das US-Angebot signalisierten Baillie Gifford, Coatue Management und Situational Awareness Partners jeweils Interesse an ADRs im Umfang von bis zu 7 Milliarden US-Dollar.
Auch der chinesische Speicherchipproduzent CXMT – ChangXin Memory Technologies – und weitere asiatische Technologieunternehmen nutzten den Markt für Börsengänge, Platzierungen und Block Trades. Dadurch überschritt die Finanzierung asiatischer Tech-Unternehmen seit Jahresbeginn bereits Mitte Juli die Marke von 84 Milliarden US-Dollar – mehr als das Dreifache des Vorjahreszeitraums.
Hongkong entwickelte sich ebenfalls zu einem wichtigen Schauplatz. Dort wurden im ersten Halbjahr 2026 durch Börsengänge, Platzierungen und Block Trades knapp 44 Milliarden US-Dollar aufgenommen – ein Fünfjahreshoch. Zu den Unternehmen mit milliardenschweren Transaktionen gehörten unter anderem Contemporary Amperex Technology (CATL) und Victory Giant Technology.
Bemerkenswert ist, dass der Boom bei neuen Aktien in eine Phase schwacher und nervöser Sekundärmärkte fiel. Im ersten Halbjahr zogen ausländische Anleger netto 137 Milliarden US-Dollar aus asiatischen Aktien ab – so schnell wie seit mindestens 16 Jahren nicht mehr. Besonders Südkorea und Taiwan waren betroffen, obwohl ihre Börsen zuvor vom KI-Boom profitiert hatten. Viele KI-Gewinner galten inzwischen als überfüllte, sogenannte „crowded trades“.
Die Volatilität stoppte die Neuemissionen jedoch nicht. Institutionelle Anleger betrachteten neue Aktien von Chipherstellern offenbar als strategischen Zugang zu einem langfristigen Wachstumsthema – selbst dann, wenn die Kurse bereits gehandelter Aktien nachgaben. Für Unternehmen war das Umfeld damit ungewöhnlich günstig: Die Nachfrage nach frischem Kapital blieb robuster als die Stimmung an den Gesamtmärkten.
Ende Juli erhielten die Börsen zusätzlichen Rückenwind durch starke Ergebnisse von Samsung Electronics und SK Hynix. Der Kospi stieg zeitweise um bis zu 17 Prozent und verzeichnete damit den kräftigsten Tagesgewinn an asiatischen Aktienmärkten seit vier Monaten. Zuvor hatte der Markt allerdings empfindlich reagiert: SK Hynix meldete zwar einen Rekordquartalsgewinn, verfehlte aber die Erwartungen. Die Aktie fiel am 28. Juli zunächst um 10 Prozent, bevor sie sich wieder erholte.
Die Pipeline für weitere Börsengänge und Folgeemissionen asiatischer Technologieunternehmen bleibt umfangreich. Nach dem Vorbild von SK Hynix könnten weitere Firmen internationale Anleger über ADRs oder Global Depositary Receipts (GDRs) ansprechen. Das Volumen solcher Hinterlegungsscheine lag bis zum 10. Juli bereits bei einem Rekordwert von 29 Milliarden US-Dollar.
Allerdings dürften Investoren bei der Preisfindung selektiver werden. Je mehr große Deals der Markt absorbieren muss, desto stärker rückt die Bewertung einzelner Unternehmen in den Mittelpunkt. Analysten warnen deshalb vor einer möglichen Überhitzung der KI-Bewertungen. Sollte der KI-Ausbau hinter den Erwartungen zurückbleiben oder sollten die Sekundärmärkte erneut deutlich nachgeben, könnte sich das Tempo der Mega-Deals verlangsamen.
Hongkong dürfte als Börsenplatz für chinesische KI-Unternehmen aktiv bleiben. Mehr als 85 Prozent der chinesischen KI-bezogenen Unternehmen, die 2026 an die Börse gingen, entschieden sich für Hongkong; neue Börsennotierungen dort erzielten im Durchschnitt Kursgewinne von mehr als 60 Prozent am ersten Handelstag. Zugleich hat der SK-Hynix-Deal gezeigt, dass auch US-Börsen für große asiatische Technologieunternehmen als Kapitalquelle attraktiver werden können.
Fazit: Der Rekord von mehr als 83 Milliarden US-Dollar im Juli war vor allem ein KI-getriebenes Ausnahmeereignis. Ein einzelner Deal von SK Hynix über 26,5 Milliarden US-Dollar, ergänzt durch eine breite Pipeline aus Halbleiter- und Technologieemissionen, überwand fallende Kurse und hohe Mittelabflüsse. Der Ausblick bleibt positiv – doch hohe Bewertungen, schwankende Märkte und die Gefahr eines überfüllten KI-Trades setzen dem Boom Grenzen.