Zum Zeitpunkt des Angriffs befand sich die Emil rund 21 Seemeilen – etwa 39 Kilometer – vor Odessa . Mehrere Drohnen schlugen in das Schiff ein. An Bord brach ein Feuer aus, außerdem fielen wichtige technische Systeme aus. Die Emil verlor dadurch Antrieb und Steuerung und war manövrierunfähig .
Die elf Besatzungsmitglieder, von denen keiner die deutsche Staatsangehörigkeit besaß, konnten sicher evakuiert werden. Nach den vorliegenden Berichten wurde niemand verletzt . Medienberichten zufolge wurde das Schiff sogar erneut getroffen, während die Crew bereits von Bord gebracht wurde . Anschließend trieb der Frachter ohne eigene Manövrierfähigkeit im Schwarzen Meer.
Bei dem zweiten getroffenen Schiff handelt es sich um die Mera Queen, die unter der Flagge von Guinea-Bissau fuhr . Nach Angaben ukrainischer Behörden wurde ein Seemann getötet, drei weitere wurden verletzt . Das Schiff war mit Weizen beladen, wie der Gouverneur der Region Odessa mitteilte .
Damit hatten die beiden Angriffe sehr unterschiedliche unmittelbare Folgen: Während die Emil schwer beschädigt, aber ohne Verletzte evakuiert wurde, gab es auf der Mera Queen ein Todesopfer und mehrere Verletzte.
Das russische Verteidigungsministerium bestätigte die Angriffe am 6. August über seinen Telegram-Kanal. Demnach hätten russische Drohnen zwei Frachtschiffe südlich und östlich von Odessa getroffen .
Moskau behauptete, die Schiffe hätten militärische Güter für die Ukraine transportiert. Die Angriffe seien Teil einer größeren Operation gegen Logistikstrukturen gewesen, in denen Drohnenkomponenten und sogenannte Dual-Use-Güter – also sowohl militärisch als auch zivil nutzbare Waren – gelagert oder verteilt würden . Russland erklärte am selben Tag außerdem, sieben Logistikzentren in und um Kiew aus demselben Grund angegriffen zu haben .
Für die Behauptung, dass die beiden Frachtschiffe tatsächlich militärische Lieferungen an Bord hatten, legte Russland keine öffentlich überprüfbaren Belege vor .
Ukraine: Ukrainische Behörden verurteilten die Angriffe als weitere Eskalation gegen die zivile Handelsschifffahrt. Der Gouverneur der Region Odessa, Oleh Kiper, bestätigte den Toten und die drei Verletzten auf der Mera Queen .
Kiew führt allerdings selbst eine umfangreiche Kampagne gegen russische Schiffe und maritime Infrastruktur. Ukrainische Drohneneinheiten griffen im Juli 2026 nach Reuters-Angaben mehr als 180 maritime Ziele an, darunter russische Schiffe im Schwarzen Meer und im Asowschen Meer .
Deutschland: Über den Angriff auf die Emil berichtete zunächst die deutsche Boulevardzeitung Bild; später bestätigte die Deutsche Welle wesentliche Einzelheiten . Eine formelle militärische Reaktion der Bundesregierung war in den vorliegenden Berichten zunächst nicht bekannt. Der Angriff erhöht jedoch den Druck auf Berlin, über einen besseren Schutz der Handelsschifffahrt im Schwarzen Meer nachzudenken .
Die Attacken auf die Emil und die Mera Queen stehen im Zusammenhang mit einer breiteren Eskalation. Noch bis Mitte Juli 2026 hatten Russland und die Ukraine zivile Frachtschiffe unter neutraler Flagge offenbar weitgehend nicht systematisch mit Schiffsabwehrwaffen angegriffen. Diese faktische Zurückhaltung brach Ende Juli zusammen .
Seitdem häufen sich Angriffe auf Handelsschiffe:
Das Schwarze Meer wird damit zunehmend zu einem Raum, in dem beide Kriegsparteien Handelsschiffe angreifen, wenn sie diese als Unterstützung für den Gegner betrachten. Die Folgen tragen jedoch nicht nur Staaten und Unternehmen, sondern vor allem zivile Besatzungen. Der Angriff auf die Emil zeigt, wie schnell ein Frachter auf einer internationalen Handelsroute zum Ziel und eine Evakuierung selbst zur lebensgefährlichen Situation werden kann.