Der stärkste Wachstumstreiber war erneut Azure. Der Cloud-Dienst beschleunigte sein Wachstum im Quartalsvergleich und überschritt eine wichtige Umsatzschwelle :
Für Microsoft ist dabei nicht die Nachfrage das Problem, sondern die verfügbare Infrastruktur: Das Unternehmen erklärte, die Nachfrage nach Azure-KI-Rechenleistung liege weiterhin über der vorhandenen Kapazität . Anders gesagt: Microsoft könnte offenbar mehr KI-Leistung verkaufen, wenn es die dafür nötigen Rechenzentren und Chips schneller bereitstellen könnte.
Für das neue Geschäftsjahr stellte das Management weiteres zweistelliges Wachstum bei Umsatz und operativem Ergebnis in Aussicht :
Das größte Fragezeichen betrifft die Abhängigkeit von OpenAI. Nach neuen Angaben stammen rund 70 Prozent von Microsofts KI-Umsatz von etwa 24,1 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2026 aus der Partnerschaft mit OpenAI .
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass OpenAI rund 45 Prozent von Microsofts kommerziellen „Remaining Performance Obligations“ (RPO) ausmacht. Dabei handelt es sich um bereits vertraglich gebundene, aber noch nicht vereinnahmte Umsätze. Der gesamte RPO-Bestand lag bei 625 Milliarden Dollar .
Für Anleger bedeutet das: Microsoft profitiert stark von der Zusammenarbeit, ist aber zugleich erheblich davon abhängig, dass OpenAI weiter wächst, seine langfristigen Verpflichtungen erfüllt und technologisch wettbewerbsfähig bleibt. Eine Verschlechterung oder Umstrukturierung der Partnerschaft könnte daher die gesamte KI-Wachstumsgeschichte von Microsoft belasten .
Das Risiko ist besonders sichtbar, weil OpenAI selbst in einem Dokument im Stil eines möglichen Börsenprospekts auf seine Abhängigkeit von Microsoft bei Finanzierung und Rechenkapazitäten hingewiesen hat . Die gegenseitige Abhängigkeit wird damit zu einem zentralen Thema für Investoren und Aufsichtsbehörden.
Microsoft baut seine KI-Infrastruktur mit großem Tempo aus. In einem früheren Quartal stiegen die Kapitalausgaben um 66 Prozent auf 37,5 Milliarden Dollar. Die FY2027-Prognose von 255 bis 260 Milliarden Dollar verstärkt bei Analysten den Eindruck, dass es derzeit kaum eine feste Obergrenze für die Ausgaben gibt .
Die zentrale Sorge lautet: Könnten die Investitionen schneller wachsen als die daraus entstehenden KI-Umsätze? In diesem Fall würden der freie Cashflow und die Rendite auf das eingesetzte Kapital unter Druck geraten.
Microsoft erwirtschaftete im vierten Quartal zwar einen freien Cashflow von 19,6 Milliarden Dollar und lag damit über den erwarteten 13,44 Milliarden Dollar. Im Jahresvergleich war das jedoch ein Rückgang von 23 Prozent . Der wachsende Abstand zwischen Investitionsvolumen und Cashflow ist deshalb ein wichtiger Streitpunkt in der Analystendebatte.
Dass die Nachfrage nach Azure-KI-Kapazitäten das Angebot übersteigt, ist zunächst eine positive Nachricht. Gleichzeitig bedeutet der Kapazitätsengpass, dass ein erheblicher Teil der Investitionen vorfinanziert werden muss, bevor daraus entsprechende Umsätze entstehen.
Analysten fragen deshalb, ob Microsofts KI-Umsatz dauerhaft schnell genug wachsen kann, um den massiven Ausbau der Infrastruktur zu rechtfertigen . Ein starkes Azure-Wachstum allein beantwortet diese Frage noch nicht: Entscheidend ist, wie profitabel die zusätzlich bereitgestellte Rechenleistung letztlich wird.
Auch Google Cloud und Amazon Web Services investieren aggressiv in KI. Microsoft muss seine Führungsposition im Cloudgeschäft daher gegen zwei finanzstarke Wettbewerber verteidigen.
Zusätzlich beobachten britische und europäische Behörden die enge Verbindung zwischen Microsoft und OpenAI . Sollten regulatorische Vorgaben zu strukturellen Änderungen an der Partnerschaft führen, könnte daraus eine spürbare Lücke bei den erwarteten Umsätzen entstehen.
Der Ausbau von KI-Infrastruktur verändert den Umsatzmix. Rechenleistung und entsprechende Infrastruktur weisen zu Beginn in der Regel niedrigere Margen auf als klassische Softwareprodukte. Zusammen mit einer Änderung der erwarteten Nutzungsdauer von Büro- und Rechenzentrumsausstattung dürfte das die Bruttomarge im Geschäftsjahr 2027 belasten .
Microsoft liefert mit 90 Milliarden Dollar Quartalsumsatz, 43 Prozent Azure-Wachstum und einer KI-Umsatzrate von rund 37 Milliarden Dollar beeindruckende Zahlen. Der Markt sieht jedoch nicht nur das Tempo des Wachstums, sondern auch dessen Qualität und Nachhaltigkeit.
Die entscheidende Frage für das Geschäftsjahr 2027 lautet daher nicht allein, ob Microsoft genügend Nachfrage nach KI findet. Es geht darum, ob Azure und die eigenen KI-Produkte schnell genug zu profitablen, diversifizierten Einnahmequellen werden – bevor die hohen Investitionen und die Konzentration auf OpenAI zu einem strukturellen Problem werden.