TA Associates, eine globale Private-Equity-Gesellschaft, hatte Gong cha 2019 von koreanischen Eigentümern übernommen. Nun verkauft das Unternehmen seine Beteiligung gemeinsam mit weiteren Minderheitsgesellschaftern an Bain Capital Private Equity.
Im Bieterverfahren galten auch General Atlantic und MBK Partners als interessierte Käufer. Die Beteiligung von MBK wurde nach Angaben eines mit der Angelegenheit vertrauten Informanten durch regulatorischen Druck in Südkorea erschwert. Das verschaffte Bain Capital offenbar einen Vorteil.
Auf Verkäuferseite berieten J.P. Morgan und NorthPoint, Bain Capital wurde von Nomura Securities beraten.
Die Geschichte von Gong cha beginnt 1996 in Taiwan. Gründer Zhen-Hua „Super“ Wu eröffnete damals einen Premium-Teeladen und entwickelte eigene Teemischungen sowie die charakteristische Milk-Foam-Rezeptur. Die Marke Gong cha wurde 2006 gemeinsam von Super Wu und Ming-Hsi „Frank“ Huang in Kaohsiung offiziell gegründet.
Der Markenname bezieht sich auf die Tradition, besonders hochwertigen Tee als „Tributtee für den Kaiser“ anzubieten.
Wichtige Stationen der internationalen Entwicklung:
Zum Zeitpunkt der Übernahmeankündigung betreibt Gong cha etwa 2.200 Standorte in 33 internationalen Märkten und verkauft jährlich mehr als 150 Millionen Getränke.
Das Unternehmen arbeitet überwiegend mit einem Franchise-Modell. In vielen Ländern – darunter auch die USA – kommen sogenannte Master-Franchise-Verträge zum Einsatz. Dabei erhält ein regionaler Partner weitreichende Rechte, um die Marke in einem bestimmten Markt aufzubauen und weitere Franchise-Nehmer zu gewinnen.
Für die USA meldet Gong cha etwa 289 Standorte in 21 Bundesstaaten. Die Kette hat zudem kürzlich 170 Filialen von ihrem US-Master-Franchise-Nehmer übernommen, um die eigene Präsenz auf dem amerikanischen Markt zu stärken.
In Nord- und Südamerika zusammen kommt Gong cha auf rund 350 Standorte, einschließlich der USA, Kanadas und Mexikos. Der weltweite Umsatz überschritt 2025 die Marke von 600 Millionen US-Dollar.
Seit März 2024 bietet Gong cha in den USA zusätzlich ein direktes Franchiseprogramm an. Damit will die Marke unter anderem in Bundesstaaten wie Hawaii, Arizona, Nevada, Illinois und Tennessee expandieren. In der Tea-Kategorie wurde Gong cha von der Franchise-500-Liste des US-Magazins Entrepreneur auf Platz eins geführt.
Bain Capital will eng mit dem erfahrenen Management von Gong cha zusammenarbeiten, um die nächste Wachstumsphase einzuleiten. Der Investor verweist dabei auf seine Erfahrung im Konsumgüter- sowie im Food-and-Beverage-Sektor. Zum bestehenden Portfolio gehören unter anderem Domino’s Pizza Japan und Fogo de Chão.
Im Mittelpunkt stehen nach den bisherigen Aussagen drei Ziele:
Für Kunden dürfte sich kurzfristig wenig ändern. Bain betont, dass operative Qualität und das Kundenerlebnis – zwei Faktoren, die zum bisherigen Erfolg der Marke beigetragen hätten – erhalten bleiben sollen. Der eigentliche Test wird daher sein, ob der neue Eigentümer weiteres Filialwachstum ermöglicht, ohne die Einheitlichkeit und Produktqualität eines stark franchisegeprägten Geschäftsmodells zu gefährden.
Bubble Tea ist längst mehr als ein kurzlebiger Getränketrend. Marktforschungsunternehmen schätzten den weltweiten Markt 2025 auf etwa 3,35 Milliarden US-Dollar und erwarten für 2026 ein Volumen von rund 3,62 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem jährlichen Wachstum von 8,4 Prozent. Eine andere Marktanalyse kommt für 2025 auf 2,72 Milliarden US-Dollar und prognostiziert bis 2031 ein Wachstum auf 4,72 Milliarden US-Dollar.
Die unterschiedlichen Schätzungen zeigen, dass die Marktgröße je nach Definition und Datengrundlage variiert. Der gemeinsame Befund ist jedoch ein wachsender Markt, in dem Franchise-Ketten vergleichsweise schnell neue Standorte eröffnen können.
Für Private-Equity-Investoren ist Gong cha deshalb aus mehreren Gründen attraktiv: Die Marke ist international bekannt, das Geschäftsmodell lässt sich über Franchise-Partner skalieren, und die Kette verfügt bereits über eine große globale Infrastruktur. TA Associates’ Verkauf nach rund sieben Jahren passt zum typischen Muster eines Private-Equity-Investments: Wachstum finanzieren, international expandieren und die Beteiligung anschließend veräußern.
Besonders auffällig ist die Differenz zwischen den Erwartungen des Verkäufers und dem letztlich gemeldeten Kaufpreis. Eine Bewertung von 2 Milliarden US-Dollar hätte laut Reuters einem Vielfachen von nahezu dem 30-Fachen des operativen Kernergebnisses entsprochen. Die nun berichteten rund 635 Millionen US-Dollar deuten auf eine deutlich vorsichtigere Zahlungsbereitschaft der Käufer im aktuellen Konsumgüter- und M&A-Umfeld hin.
Mit Bain Capital beginnt für Gong cha damit die nächste Phase einer ungewöhnlichen Eigentümergeschichte: Aus einer taiwanischen Teemarke wurde durch koreanische Betreiber und westliche Finanzinvestoren eine globale Franchise-Plattform. Nun muss Bain zeigen, ob sich dieses Modell weiter beschleunigen lässt – und ob Bubble Tea auch als Anlage langfristig so attraktiv bleibt wie im Verkaufsprozess behauptet.