Damit gerät die Erklärung unter Druck, die US-Präsident Donald Trump für den Rauch über Teilen der Vereinigten Staaten verbreitet hatte. Trump machte vor allem ein angeblich unzureichendes kanadisches Forstmanagement verantwortlich und drohte mit zusätzlichen Zöllen . Die Studie setzt den Schwerpunkt dagegen auf Hitze, Trockenheit, geringe Luftfeuchtigkeit und Wind – Bedingungen, die durch die Erderwärmung wahrscheinlicher werden.
Die Forschenden analysierten den anhaltenden Daily Severity Rating (DSR). Dieser Wert bündelt mehrere Faktoren, die für die Ausbreitung von Bränden entscheidend sind, darunter Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Niederschlag .
Das Ergebnis: Das beobachtete extreme Brandwetter war im heutigen Klima zwar ungewöhnlich, aber durch den menschengemachten Klimawandel ungefähr doppelt so wahrscheinlich. In einer Welt ohne die zusätzliche Erwärmung durch menschliche Treibhausgasemissionen wären derartige Bedingungen deutlich seltener gewesen .
Insgesamt brannten 2026 mehr als 3,8 Millionen Hektar. Auf Ontario entfielen davon mehr als 730.000 Hektar .
„Immer wieder kommen wir zum gleichen Ergebnis: Der Klimawandel ist ein zentraler Faktor hinter unkontrollierbar großen und beispiellosen Bränden“, erklärte Friederike Otto, Klimawissenschaftlerin am Imperial College London und Mitautorin der Studie .
Trump hatte Kanada am 17. Juli 2026 in einem Beitrag auf Truth Social vorgeworfen, seine Wälder nicht ordnungsgemäß zu pflegen. Er sprach von „vorsätzlicher Fahrlässigkeit“ und kündigte an, die seiner Darstellung nach „unkalkulierbaren Kosten“ der Rauchbelastung auf bestehende Zölle gegen kanadische Waren aufzuschlagen .
Die WWA-Analyse widerspricht nicht der Tatsache, dass Forstmanagement das Brandverhalten lokal beeinflussen kann. Sie zeigt jedoch, dass die großflächigen und extremen Wetterbedingungen, unter denen sich die Feuer explosiv ausbreiten konnten, wesentlich mit der globalen Erwärmung zusammenhängen .
Auch Fachleute aus Kanada und den USA betonten, dass eine großflächige Bewirtschaftung des riesigen borealen Waldgürtels Kanadas kaum umsetzbar und wahrscheinlich keine ausreichende Lösung für das wachsende Problem wäre . Eine Analyse von FactCheck.org kam ebenfalls zu dem Schluss, dass der Klimawandel – und nicht ein Mangel an „Debris Removal“, also der Beseitigung von Totholz und Buschwerk – der wichtigste Faktor für die zunehmende Schwere kanadischer Waldbrände und die Rauchbelastung ist .
Wissenschaftler verwiesen zudem auf die historisch hohen Emissionen der Vereinigten Staaten aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas .
Die WWA-Studie untersucht vor allem den Einfluss des Klimawandels auf das Brandwetter. Daten, die im Zusammenhang mit der Analyse veröffentlicht wurden, machen jedoch eine zweite Dimension der Krise sichtbar: Die Folgen sind in Kanada sehr ungleich verteilt.
Die Zahlen veranschaulichen ein bekanntes Muster der Klimakrise: Menschen und Gemeinschaften, die vergleichsweise wenig zu den klimaschädlichen Emissionen beigetragen haben, sind häufig besonders stark von den Folgen betroffen .
Für abgelegene First-Nations-Gemeinschaften im Norden Ontarios und in den Nordwest-Territorien verschärfen begrenzte Evakuierungsmöglichkeiten und eine chronische Unterfinanzierung des Brandschutzes die Lage . Ende Juli bereitete das kanadische Militär deshalb die Evakuierung von Fort Hope im Nordwesten Ontarios vor. In der abgelegenen Gemeinschaft leben rund 600 Menschen; dort brannten einige der intensivsten Feuer .