Auf die Frage von Analysten nach kostenlosen, werbefinanzierten Kanälen antwortete D’Amaro direkt: „Wir prüfen ein kostenloses Produkt für Verbraucher, das uns erlaubt, mehrere Ziele zu erreichen – und das hoffentlich effizient“ . Er stellte die Prüfung als Erweiterung der strategischen Priorität dar, „unsere Reichweite auszubauen“ .
Wichtig: D’Amaro betonte, dass die Idee noch in der Erkundungsphase steckt. Er sagte: „Heute gibt es nichts Konkretes anzukündigen, aber es ist definitiv etwas, das wir in Betracht ziehen“ . Es gibt keinen Startplan, keinen Zeitplan und keine Entscheidung, welche Märkte zuerst bedient würden . Die Bestätigung war dennoch bemerkenswert, weil sie die Diskussion von internen Spekulationen – die Business Insider erstmals im Juli 2026 berichtet hatte – zu einer offiziellen Anerkennung durch den CEO erhob .
D’Amaro nannte drei klare Ziele, die ein kostenloses, werbefinanziertes Angebot erfüllen soll :
Reichweite bei preissensiblen Kunden ausbauen. Disney möchte das Segment der Zuschauer erreichen, die nicht bereit oder in der Lage sind, für ein Abonnement zu zahlen – darunter Cord-Cutter und jüngere Zielgruppen, die kostenlose Plattformen wie YouTube, Tubi oder The Roku Channel gewohnt sind .
Werbeeinnahmen steigern. D’Amaro merkte an, dass Disney im Gegensatz zu vielen AVOD-Konkurrenten mit seinen Werbeplätzen „recht gut ausgelastet“ sei. Mehr Inventar würde „uns tatsächlich helfen, unser Werbewachstum zu beschleunigen“ . Ein kostenloses Angebot mit Werbung würde Disney mehr Slots zum Verkauf geben und das Werbegeschäft direkt ankurbeln .
Engagement und Kundenbindung fördern. Ein kostenloses Angebot würde als „Top-of-Funnel“ für Disney+ dienen, neue Nutzer ins Ökosystem holen und sie im Laufe der Zeit zu kostenpflichtigen Tarifen führen . D’Amaro beschrieb es als Weg, um „das Abonnentenwachstum an der Spitze des Trichters zu fördern“ .
Disneys Prüfung folgt den Schritten seiner größten Konkurrenten. Paramount+ betreibt bereits einen FAST-Kanal namens „Paramount+ FAST“ und setzt auf kostenlose, werbefinanzierte Angebote, um Cord-Cutter zu gewinnen . Netflix führte Ende 2022 einen werbefinanzierten Tarif ein und hat ihn seitdem deutlich ausgebaut, allerdings ohne einen vollständig kostenlosen Tarif zu starten . Disney erwägt nun FAST-Kanäle, wie es Paramount getan hat, und will laut Variety am „Boom der kostenlosen Streaming-Kanäle“ teilhaben .
Der größere Kontext ist eine Streaming-Landschaft, in der Abo-Müdigkeit real ist. Dienste wie Tubi, Pluto TV und The Roku Channel haben bewiesen, dass große Zielgruppen werbefinanzierte Inhalte konsumieren, solange der Preis null ist. Disneys Schritt würde seine umfangreiche Bibliothek mit Marvel-, Pixar-, Star-Wars- und Disney-Markeninhalten direkt in diese Arena bringen.
Die Prüfung des kostenlosen Angebots wurde zusammen mit dem besten Streaming-Quartal der Firmengeschichte bekannt gegeben, was dem Unternehmen vermutlich das Selbstvertrauen für eine aggressivere Reichweitenstrategie gab. Die wichtigsten Zahlen aus dem Q3 FY2026-Bericht :
Das gesamte operative Ergebnis stieg um 21 Prozent auf 5,6 Milliarden US-Dollar und übertraf die Erwartungen von 5,2 Milliarden US-Dollar . Die starken Ergebnisse deuten darauf hin, dass Disney die finanzielle Flexibilität hat, mit einem kostenlosen Angebot zu experimentieren, ohne sein Kerngeschäft mit Abonnements zu gefährden.
D’Amaro beließ es nicht beim kostenlosen Angebot. Er skizzierte eine umfassende Vision, Disney+ von einem Streaming-Dienst in ein „umfassendes Mitgliedschafts-Ökosystem“ und „digitales Zentrum“ für Fans zu verwandeln – beginnend im Frühjahr 2027 .
Die wichtigsten Elemente der Transformation:
In einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter schrieb D’Amaro: „Über unsere Filme und Serien hinaus wird sich Disney+ weiterentwickeln, Games, Merchandise und andere Erlebnisse zusammenbringen und gleichzeitig mehr Personalisierung bieten“ .
Die Bestätigung eines kostenlosen, werbefinanzierten Angebots ist ein bedeutendes strategisches Signal des neuen Disney-CEOs. Es zeigt die Bereitschaft, Reichweite über direkte Abonnement-Einnahmen zu stellen – eine Wette darauf, dass der Werbe-Upside und die langfristige Kundenakquise die Kannibalisierung bestehender kostenpflichtiger Tarife überwiegen werden. Zusammen mit der Super-App-Transformation und dem TikTok-Deal wird Disney+ eindeutig als breites digitales Ökosystem neu positioniert, nicht mehr als reiner Streaming-Abonnementdienst. Ob das kostenlose Angebot tatsächlich startet und wie es strukturiert sein wird, hängt von internen Tests und den Marktbedingungen ab. Für den Moment hat D’Amaro eines klargestellt: Disney denkt ernsthaft darüber nach, Micky Maus kostenlos zu streamen.