Das Treffen war Teil einer umfassenderen informellen Initiative der drei großen europäischen Nationen (E3: Großbritannien, Frankreich, Deutschland), die von der Schweiz als Gastgeberland unterstützt wurde. Die Schweiz stellte den Veranstaltungsort und ihre «guten Dienste» zur Verfügung . Es handelte sich um eine sogenannte «Track-Two»-Diplomatie – ein informeller, vorbereitender Austausch, nicht etwa die Aushandlung eines finalen Abkommens
. Ederer und Vimont gehören beide zum Vorstand der in Genf ansässigen Stiftung Centre for Humanitarian Dialogue, einer Organisation für Konfliktlösung
.
Die Gruppe diskutierte mögliche Modelle und Vorbedingungen, die eines Tages zu formellen Friedensverhandlungen führen könnten – darunter auch territoriale und sicherheitspolitische Arrangements .
Ein separates Geheimtreffen fand vom 12. bis 14. Juli 2026 in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, mit ehemaligen deutschen und russischen Spitzenbeamten statt .
Deutsche Seite:
Russische Seite:
Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev bestätigte das Treffen öffentlich während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz am 21. Juli 2026 in Berlin . Aliyev sagte, Aserbaidschan habe erst aus Medienberichten von dem Treppen erfahren und sei nicht im Voraus informiert worden: «Unser Territorium wurde ohne unser Wissen für ein solches Treffen genutzt»
. Er verwies auf Flugdaten, die belegten, dass das Treffen stattgefunden habe
.
Bundeskanzler Merz bestritt jegliche Beteiligung seiner Regierung und betonte, die Gespräche seien inoffiziell und nicht staatlich autorisiert gewesen .
Der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhii Tykhyi, wies das Baku-Treffen als «so geheim wie irrelevant» zurück. Die Bedeutung für den tatsächlichen Friedensprozess sei «nahe Null», sagte er. Die ukrainische Seite habe keinerlei Mandat erteilt, und die Ukraine sei bei keinem der Treffen vertreten gewesen .
Lebendige Hintergrunddiplomatie: Beide Treffen belegen, dass europäische Mächte trotz eingefrorener offizieller Verhandlungen weiterhin indirekten Kontakt zu Moskau suchen, um mögliche Bedingungen für einen Waffenstillstand zu testen .
Unterschiedliche Spuren: Das breitere E3-Plus-Russland-Format in Wien steht im Kontrast zur engeren deutsch-russischen Baku-Spur. Das deutet darauf hin, dass einige Gespräche ohne vollständige Koordinierung mit allen Verbündeten stattfinden .
Begrenzte Reichweite: Alle Teilnehmer waren ehemalige Amtsträger ohne Regierungsmandat. Die Gespräche haben keine bindende Wirkung – sie dienen als Testballons, die in der Diplomatiegeschichte oft ein Vorspiel für spätere offizielle Verhandlungen sind, wenn die Rahmenbedingungen stimmen .
Unklarheit bleibt: Welche konkreten Vorschläge die russische Seite einbrachte und inwieweit der namentlich nicht genannte russische Teilnehmer vom Kreml autorisiert war, ist nicht bekannt. Der Kreml hat zu dem gemeldeten Wiener Treffen bisher keine Stellung genommen .
Die Treffen in Wien und Baku zeigen: Die informelle Diplomatie zwischen ehemaligen europäischen und russischen Spitzenbeamten läuft weiter, auch wenn die offiziellen Friedensverhandlungen festgefahren sind. Aber ohne Beteiligung der Ukraine – und ohne offizielle Regierungsmandate – werden diese Sondierungsgespräche allein kaum einen Durchbruch bringen können.