Verhandelt werden zwei zusammengelegte Kartellklagen: eine Klage einer Koalition aus zwölf Generalstaatsanwälten der Bundesstaaten und eine separate Klage der Writers Guild of America. Paramount hatte auf einen Prozess bereits im November gedrängt. Kaliforniens Generalstaatsanwalt Rob Bonta und die übrigen Staaten hatten dagegen einen Beginn im April 2027 beantragt . Der nun festgelegte März-Termin liegt dazwischen – und hält die Fusion mindestens sieben weitere Monate in der Schwebe .
Für Paramount Skydance ist die Verzögerung nicht nur ein juristisches Problem. Ab dem 1. Oktober 2026 muss das Unternehmen den WBD-Aktionären für jeden weiteren Tag ohne Vollzug der Transaktion rund 7 Millionen Dollar zahlen. Grundlage ist eine sogenannte „Ticking Fee“ von 0,25 Dollar je Aktie und Quartal .
Bei einem Prozessbeginn im März und einem Urteil erst einige Wochen später könnten sich diese Zahlungen bis zum möglichen Abschluss des Deals auf mehr als 1,18 Milliarden Dollar summieren . Der Paramount-Anwalt Jeffrey Kessler sagte dem Gericht, sein Unternehmen würde durch die auflaufende Gebühr „sehr schweren Schaden“ erleiden . Bei einer Verzögerung um sechs Monate wären laut Gerichtsangaben 1,3 Milliarden Dollar fällig .
Noch größer ist das Risiko für den gesamten Deal: Wird die Übernahme bis zum 4. Juni 2027 nicht abgeschlossen, kann WBD-Chef David Zaslav die Vereinbarung nach den Vertragsbedingungen beenden. Paramount müsste dann eine regulatorische Beendigungsgebühr von 7 Milliarden Dollar zahlen . Paramount hat sich zudem verpflichtet, den Deal bis Juni 2027 beziehungsweise bis fünf Tage nach dem Ende des Prozesses nicht abzuschließen .
Damit bleibt zwischen dem erwarteten Urteil – vermutlich Ende März oder im April 2027 – und dem Stichtag Anfang Juni nur ein sehr knappes Zeitfenster. Eine Prozessverschiebung, eine langwierige Entscheidung nach dem Hauptverfahren oder ein Berufungsverfahren könnte die Übernahme finanziell untragbar machen oder vollständig zum Scheitern bringen.
Die von Kalifornien angeführte Koalition aus zwölf Staaten reichte ihre Klage Mitte Juli 2026 ein. Beteiligt sind neben Kalifornien Arizona, Colorado, Connecticut, Massachusetts, Minnesota, Nevada, New Jersey, New Mexico, New York, Oregon und Washington.
Die Generalstaatsanwälte argumentieren, dass der Zusammenschluss:
Aus Sicht der Staaten könnte die stärkere Konzentration zu höheren Preisen und weniger Auswahl führen – unter anderem bei Kabelangeboten und Kinofilmen . Im Prozess muss die Koalition allerdings konkret darlegen, worin der kartellrechtlich relevante Schaden für den Wettbewerb besteht.
Die Writers Guild of America East und West reichten am 14. Juli 2026 eine eigene Kartellklage ein. Die US-Autorengewerkschaft sieht in der Fusion zweier großer Hollywood-Studios einen Verstoß gegen das Bundes-Kartellrecht .
Ihr zentraler Einwand betrifft den Arbeitsmarkt für Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren: Wenn zwei wichtige Auftraggeber zu einem Unternehmen verschmelzen, gibt es weniger konkurrierende Käufer kreativer Arbeitsleistung. Die WGA befürchtet deshalb niedrigere Honorare, weniger Beschäftigungsmöglichkeiten und eine deutlich zurückhaltendere Freigabe neuer Originalprojekte .
Die Gewerkschaft beziffert die gemeinsame Marktposition von Paramount und WBD in ihrer Klage: Zwischen 2021 und 2024 entfielen demnach 35 Prozent der Filmaufträge für Autorinnen und Autoren auf die beiden Unternehmen. Im Fernsehen waren es zwischen 2022 und 2025 36 Prozent der Schreibprojekte; bei allen Autorenverträgen der Branche kamen die Unternehmen zusammen auf 38 Prozent .
Der Fall ist auch deshalb brisant, weil die Bundesbehörden die Fusion nicht mehr blockieren wollen. Die Kartellabteilung des US-Justizministeriums (Department of Justice, DOJ) beendete ihre achtmonatige Untersuchung am 12. Juni 2026. Dabei wurden nach Angaben des Ministeriums mehr als zwei Millionen Dokumente geprüft .
Das DOJ kam zu dem Schluss, dass die Transaktion wahrscheinlich weder den Wettbewerb noch US-amerikanische Verbraucher schädigen werde. Es verlangte weder den Verkauf von Unternehmensteilen noch Verhaltensauflagen oder andere Zugeständnisse. Die Freigabe erfolgte somit ohne Bedingungen .
Die Klagen der Bundesstaaten und der WGA zeigen jedoch, dass eine Freigabe durch die Bundesbehörde den Rechtsstreit nicht beendet. Die Kläger verfolgen ihre eigenen kartellrechtlichen Argumente vor dem Bundesgericht in Kalifornien.
Für die britische Competition and Markets Authority (CMA), die Wettbewerbsbehörde des Vereinigten Königreichs, ist in den vorliegenden Quellen kein eindeutiges Ergebnis dokumentiert. Ein Eintrag zur geplanten Übernahme spricht lediglich davon, dass noch Bestätigungen von Regulierungsbehörden ausstehen, nennt aber kein konkretes Ergebnis der CMA .
Der britische Genehmigungsstatus bleibt damit eine offene Informationslücke. Sicher ist nach den verfügbaren Angaben nur die bedingungslose Freigabe durch die US-Kartellabteilung.
Der Gerichtstermin bringt den juristischen Zeitplan direkt mit den finanziellen Vertragsfristen zur Kollision. Ab Oktober 2026 steigen die Kosten täglich um rund 7 Millionen Dollar. Gleichzeitig rückt der 4. Juni 2027 näher – der Stichtag, an dem WBD die Fusion beenden und 7 Milliarden Dollar verlangen kann .
Selbst ein positives Urteil würde den Deal daher nicht automatisch retten. Paramount müsste die Transaktion anschließend schnell genug abschließen, bevor weitere Verzögerungen die Gebühren weiter erhöhen oder die Beendigungsfrist verstreichen lassen. Der Prozess im März 2027 ist damit nicht nur eine Entscheidung über die Zukunft zweier Hollywood-Konzerne, sondern auch ein Wettlauf gegen eine milliardenschwere Vertragsuhr.