Im Juni 2026 verhängte die Stadt Potsdam ein Verbot von Smart Glasses mit Kameras und Mikrofonen in ihren öffentlichen Schwimmbädern und Saunen. Grund waren Beschwerden junger Frauen, die von fremden Männern mit einer Meta-Brille in einem städtischen Bad heimlich gefilmt worden waren . Die Stadtverordnetenversammlung weitete das bestehende Foto- und Videoverbot explizit auf die Datenbrillen aus. In der Begründung hieß es, diese Geräte ermöglichten die „unauffällige Anfertigung von Bild- und Videoaufnahmen, ohne dass betroffene Personen dies unmittelbar erkennen können“
.
Die schottische Polizei (Police Scotland) ermittelt aktiv gegen den TikToker Scott Margerison (online bekannt als „E Dobbin“). Der 42-Jährige aus Rochdale soll auf einer Schottland-Reise Ende Juni und Anfang Juli 2026 mit einer Meta-Brille systematisch Passanten, Ladenangestellte und Fährpersonal gefilmt haben – ohne deren Einwilligung. Das hochgeladene Material enthielt unter anderem sexualisierte Kommentare über junge Frauen, aggressive Interaktionen mit Fremden und einen heimlich gefilmten Rundgang über die Brücke einer CalMac-Fähre, woraufhin die Reederei die beliebten Besichtigungstouren vorerst aussetzte . Meta hat Margerisons Accounts gesperrt und teilte mit, man untersuche die Nutzung der Brille durch ihn
.
Dies ist kein Einzelfall. Ein im Januar 2026 von der BBC berichteter Fall zeigt, wie schwer die Rechtsdurchsetzung sein kann: Eine Frau namens Oonagh erstattete Anzeige, nachdem sie mit einer Smart Glass heimlich gefilmt worden war. Die Polizei in Sussex teilte ihr jedoch mit, dass das Filmen im öffentlichen Raum in Großbritannien nicht grundsätzlich illegal sei .
Meta führte im Juli 2026 ein Pflicht-Software-Update ein, das die Kamera deaktiviert, wenn die Brille eine physische Manipulation der Aufnahme-LED erkennt (z. B. wenn sie aufgebohrt oder zerstört wird) . Dieser Schritt sollte eine Sicherheitslücke schließen, die Modder ausgenutzt hatten, die für 50 bis 100 Dollar anboten, die LED physisch zu zerstören und so einen unerkannten „Stealth-Modus“ zu schaffen
.
Doch der Schutz ist löchrig. Ein Test des Technikportals Engadget vom 31. Juli 2026 zeigte, dass sich die Vorsichtsmaßnahme mit einem simplen 2-Dollar-Aufkleber über der LED aushebeln lässt . Diese Sticker werden auf Plattformen wie TikTok Shop für umgerechnet 15 Dollar pro Bogen als „Privacy-Zubehör“ verkauft
. Entscheidend ist: Sie lösen Metas Manipulationserkennung nicht aus, da sie die LED nicht physisch zerstören – sie lassen nur genug Streulicht durch, um den Sensor zu täuschen
. Kritiker bemängeln, dass Metas Maßnahme nur die Zerstörung, nicht aber die weitaus einfachere optische Blockade adressiert.
Eine iPhone-App für 2,99 Euro namens AntiZuck Smart Glasses Scanner (entwickelt von Albert Pariente Cohen) ist zu einem Werkzeug der Bürgerschutz-Bewegung geworden. Die App scannt die Umgebung nach Bluetooth-Signalen, die von Smart Glasses ausgesendet werden – darunter Meta Ray-Bans, Snap Spectacles, Amazon Echo Frames und RayNeo-Brillen – und schlägt Alarm, wenn ein Gerät in der Nähe ist . Gefundene Geräte werden auf einem radargleichen Bildschirm angezeigt, inklusive ungefährer Entfernung und einer Wahrscheinlichkeitsangabe. Die App kann auch Benachrichtigungen senden, wenn sie im Hintergrund läuft
. Der Erfolg zeigt die öffentliche Besorgnis: Die App kletterte auf Platz 3 der bezahlten App-Charts in den USA
.
Die Durchsetzung des Datenschutzes in der EU folgt dem sogenannten „One-Stop-Shop“-Prinzip der DSGVO. Das bedeutet, dass die irische Datenschutzkommission die federführende Aufsicht für Meta ist. Der Vorstoß aus Deutschland, die Brille zu verbieten, offenbart die Spannungen zwischen den nationalen Datenschutzbehörden und dem irischen System, dem Kritiker vorwerfen, zu langsam zu handeln . Erste Bedenken europäischer Aufsichtsbehörden gab es bereits 2021, als Italien und Irland von Meta Klarstellungen zu lokalen Datenschutzregeln forderten
. Die irische DPC hatte damals infrage gestellt, ob eine winzige LED ausreiche, um Menschen über eine Aufnahme zu informieren, woraufhin Meta die Anzeige vergrößerte
.
Wie die Rechtslage ist, hängt stark vom Land ab. In Deutschland ist das Fotografieren und Filmen von Fremden ohne Einwilligung grundsätzlich verboten, aber die Beweislast liegt oft beim Opfer . Im Vereinigten Königreich ist das Filmen in der Öffentlichkeit dagegen grundsätzlich legal – es sei denn, es handelt sich um Belästigung oder Stalking
.