Der entscheidende Moment folgte beim Wiedereintritt: Ship 40 überstand die heiße Rückkehr durch die Atmosphäre und wasserte kontrolliert im Indischen Ozean. Statt wie mehrere frühere Testfahrzeuge in einer Feuerwolke zu enden, kippte die rund 52 Meter lange Oberstufe um und blieb fünf Tage lang auf den Wellen liegen – dabei sendete sie weiterhin Telemetriedaten . SpaceX lässt das Fahrzeug nun per Schiff bergen .
Für die Ingenieure ist das mehr als ein ungewöhnliches Bild auf dem Meer. Zum ersten Mal kann SpaceX eine geflogene Starship-Hülle der orbitalen Klasse direkt untersuchen. Genau diese Kombination aus realem Material und Flugdaten bildet die Grundlage für den nächsten großen Schritt: den Versuch, die Oberstufe bei Flug 14 mit den mechanischen Armen des Startturms aufzufangen .
Telemetrie liefert während eines Fluges Milliarden Messwerte. Sie kann jedoch nicht jede Materialveränderung erfassen. Eine physische Untersuchung von Ship 40 soll deshalb mehrere besonders kritische Bereiche klären:
Jeder Erfolg von Flug 13 nahm SpaceX ein Stück Unsicherheit für die geplante Rückkehr nach Texas. Die wichtigsten Zusammenhänge:
| Erfolg bei Flug 13 | Bedeutung für den Tower-Fang bei Flug 14 |
|---|---|
| Alle sechs Raptor-Triebwerke absolvierten den Aufstiegsbrand über die volle Dauer | Das bestätigt die Triebwerksleistung für den längeren Aufstieg sowie die später erforderlichen Brems- und Rückkehrmanöver einer orbitalen Flugbahn nach Texas . |
| Erfolgreicher Raptor-Neustart im All | SpaceX zeigte, dass ein Triebwerk nach einer Phase des Freiflugs erneut gezündet werden kann. Das ist eine zentrale Voraussetzung für das Abbremsmanöver auf einer Rückkehrbahn zum Startplatz . |
| Aussetzen und Kontaktaufnahme mit 20 Starlink-V3-Satelliten | Das Nutzlastsystem funktioniert im praktischen Einsatz. Bei Flug 14 kann sich SpaceX damit stärker auf Wiedereintritt, Rückkehr und Fang konzentrieren, ohne zugleich eine neue Ausstoßvorrichtung nachweisen zu müssen . |
| Kontrollierte, unbeschädigte Wasserlandung und präzises Flip-and-Burn | Die Landung war laut Musk so genau, dass Ship 40 nach seiner Einschätzung „präzise genug für einen Fang durch den Startturm“ gewesen wäre. Dieser Messpunkt gab den Ausschlag für den Fangversuch bei Flug 14 . |
| Weiterlaufende Telemetrie nach der Wasserung | Das zeigt, dass Stromversorgung und Kommunikation den Wiedereintritt und die weiche Landung überstanden. Diese Widerstandsfähigkeit ist für jede Bergungsstrategie – auch den Tower-Fang – von Bedeutung . |
SpaceX will die Starship-Oberstufe bei Flug 14 erstmals aus einer orbitalen Flugbahn zum Startplatz Starbase in Texas zurückbringen. Dort sollen die großen mechanischen „Chopstick“-Arme des Startturms das Fahrzeug in der Luft auffangen. Einen solchen Fang einer orbitalen Oberstufe hat es bisher nicht gegeben .
Für die Mission sind nach vorliegenden Angaben Booster 21 und Ship 41 vorgesehen; beide Fahrzeuge befinden sich bereits in der Vorbereitung und Erprobung . Der Fang soll ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer schnellen, vollständig wiederverwendbaren Starship-Architektur werden.
Nach sechs Tagen Auswertung bestätigte Musk am 30. Juli, dass die Landung von Ship 40 präzise genug für den geplanten Fang gewesen sei. „Die Landung des Schiffs war präzise, das heißt, es wäre von den Turmarmen aufgefangen worden“, schrieb er .
Die Aussage bedeutet nicht, dass Flug 14 bereits erfolgreich sein wird. Sie besagt vielmehr, dass die Flugsteuerung bei Flug 13 die erforderliche Zielgenauigkeit grundsätzlich erreicht hat. Für den Fang über Land muss die Oberstufe jedoch eine vollständig orbitale Rückkehr absolvieren – ein deutlich anspruchsvolleres Profil als der suborbitale Flug von Flug 13 .
SpaceX peilt den Start von Flug 14 frühestens Ende August 2026 an. Voraussetzung sind die endgültigen Genehmigungen der US-Luftfahrtbehörde FAA für Start und Wiedereintritt . Die FAA veröffentlichte am 30. Juli außerdem einen Entwurf für eine gestufte Umweltprüfung, die einen Ausbau der Starship-Aktivitäten in Starbase behandelt .
Bei SpaceX’ erster Telefonkonferenz zu den Geschäftszahlen als börsennotiertes Unternehmen bezeichnete Musk den Start vorläufig als für „das Ende dieses Monats“ geplant – damit ist August 2026 gemeint .
Eine Wasserlandung verzeiht Abweichungen, die ein Fangmechanismus nicht verzeihen kann. Beim Anflug auf den Turm müssen Fluglage, Geschwindigkeit, Triebwerksreaktion und Position in einem wesentlich engeren Korridor zusammenpassen. Ein Fehler beim Flip-Manöver, beim letzten Bremsbrand oder bei der Annäherung an die Fangarme könnte zum Verlust des Fahrzeugs oder zu Schäden an der Starbase-Infrastruktur führen.
Deshalb hatte Musk den Tower-Fang zunächst ausdrücklich von der Auswertung der Flugdaten abhängig gemacht. Wären dabei Probleme sichtbar geworden, hätte SpaceX den Versuch verschoben .
Wenn Flug 14 gelingt, wäre die Bedeutung weit größer als ein spektakuläres Startvideo: Erstmals würde eine orbitale Oberstufe auf diese Weise geborgen. Ship 40 hat SpaceX dafür keine Garantie, aber etwas ebenso Wertvolles geliefert – eine unbeschädigte Testhardware, präzise Flugmessungen und die bislang überzeugendsten Hinweise, dass eine Rückkehr direkt zum Startturm technisch erreichbar ist .