SpaceX erzielte im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 7,8 Milliarden Dollar – ein Plus von 92% im Vergleich zu 4,07 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Analysten hatten im Schnitt mit 6,93 Milliarden Dollar gerechnet. Das bereinigte EBITDA legte um 191% auf 3,5 Milliarden Dollar zu. Der Nettoverlust verringerte sich von einer Milliarde auf 541 Millionen Dollar. Der Verlust pro Aktie belief sich auf -0,09 Dollar, besser als die erwarteten -0,24 bis -0,26 Dollar.
Die Investitionsausgaben (Capex) beliefen sich im ersten Quartal 2026 auf 10,1 Milliarden Dollar, wobei sich die Ausgaben für KI-Infrastruktur im Quartalsvergleich verdoppelten.
SpaceX berichtet seit dem Börsengang in drei Segmenten, die jeweils eine ganz eigene Geschichte erzählen :
Connectivity (Starlink): Mit 4,3 Milliarden Dollar Umsatz (+66% zum Vorjahr) ist Starlink der größte und einzige profitable Bereich. Er erwirtschaftete ein operatives Ergebnis von 1,66 Milliarden Dollar. Starlink zählt nun 12 Millionen Abonnenten weltweit – eine Verdopplung zum Vorjahr. Allein im zweiten Quartal kamen 1,7 Millionen Neukunden hinzu, das beste Quartal der Unternehmensgeschichte.
Der durchschnittliche Umsatz pro Nutzer (ARPU) blieb mit 66 Dollar pro Monat stabil.
KI-Infrastruktur: Mit 2,56 Milliarden Dollar Umsatz (+247%) ist dies das am schnellsten wachsende Segment – aber es schreibt tiefrote Zahlen: Der operative Verlust betrug 1,26 Milliarden Dollar. Die Sparte, die aus dem ehemaligen xAI hervorgegangen ist, hat Dienstleistungsverträge mit Google, Anthropic und Reflection AI im Wert von 14,1 Milliarden Dollar abgeschlossen.
Space (Raketenstarts): Der Umsatz stieg um 29% auf 962 Millionen Dollar. Im Quartal fanden zwei erfolgreiche Testflüge der neuen Starship V3 statt.
SpaceX debütierte am 12. Juni 2026 an der Nasdaq im Rahmen des größten Börsengangs aller Zeiten: 85,7 Milliarden Dollar wurden bei 135 Dollar pro Aktie eingenommen. Die Euphorie war kurz: Der Kurs schnellte auf ein Intraday-Hoch von 225 Dollar, was die Marktkapitalisierung auf über 2,6 Billionen Dollar trieb.
Doch dann kam der Absturz. Rund 800 Milliarden Dollar an Marktwert sind seitdem vernichtet. Die Gründe dafür sind vielfältig: eine allgemeine Skepsis gegenüber KI-Aktien, die hohen Verluste des KI-Segments, die bevorstehende Lockup-Welle und ein volatiles geopolitischen Umfeld.
Morningstar hatte SpaceX vor dem Börsengang sogar nur mit 63 Dollar pro Aktie bewertet – ein Abschlag von 53% zum Ausgabepreis.
Das mit Abstand wichtigste Ereignis für SPCX-Aktionäre ist der Ablauf der ersten Lockup-Periode. Am 6. August 2026 – dem zweiten Handelstag nach dem Quartalsbericht – werden 911,5 Millionen Aktien (Wert: rund 116 Milliarden Dollar) für den Verkauf freigegeben. Das ist der größte Lockup in der Geschichte der Finanzmärkte.
Beim Börsengang am 12. Juni waren weniger als 5% der rund 13,2 Milliarden ausstehenden Aktien an die Börse gebracht worden. Der gestaffelte Lockup-Plan sieht vor, dass bis zum Jahresende insgesamt 1,37 Milliarden Aktien freigegeben werden. Der Anteil der handelbaren Aktien würde dann von unter 5% auf rund 40% des Freefloat steigen.
Schon vor diesem Ereignis notierte die Aktie nahe ihrem Allzeittief.
Mehrere Analysten bemängeln, dass die drei Geschäftsbereiche – Raketen, Satelliten-Internet und KI-Cloud – völlig unterschiedliche Kapitalintensitäten, Margen und Risikoprofile aufweisen. Das KI-Segment wächst zwar am schnellsten, verbrennt aber am meisten Geld. Die Raumfahrtsparte ist relativ ausgereift, und nur Connectivity erwirtschaftet Gewinne.
Manche Analysten sprechen deshalb von einer „Identitätskrise“ des Unternehmens : Investoren müssten sich entscheiden, ob sie SpaceX als Rüstungs- und Raumfahrtkonzern, als Telekommunikationsversorger oder als spekulative KI-Infrastruktur-Holding bewerten sollen. Das macht eine Bewertung äußerst schwierig.
Das Unternehmen hat erstmals die Jahresprognose angehoben, aber die Aktie gab die anfänglichen Gewinne im nachbörslichen Handel wieder ab, als der Markt das widersprüchliche Bild verdauen musste.