3. Die Störung der Straße von Hormus ist der entscheidende globale Faktor. Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten haben die Ölströme aus dem Iran und anderen Golfproduzenten eingeschränkt und damit ein großes Volumen konkurrierenden Angebots vom Weltmarkt genommen. Dies zwingt asiatische Käufer, nach Alternativen zu suchen, und Russland hat Marktanteile gewonnen, die sonst an Sorten aus dem Nahen Osten gegangen wären .
Die Entwicklung des Urals-Rabatts gegenüber dem Dated Brent an indischen Häfen erzählt die Geschichte anschaulicher als jede einzelne Statistik. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Wendepunkte im Jahr 2026:
Die Störung der Straße von Hormus ist die stärkste Kraft, die die Rabatte schrumpfen lässt. Wenn die Lieferungen aus dem Nahen Osten unterbrochen werden, verlieren asiatische Raffinerien ihre übliche Quelle für saures Rohöl und greifen stattdessen auf russisches Urals zurück. Diese Konkurrenz treibt Urals näher an die Brent-Parität – und zeitweise darüber hinaus. Wie der Finanzvorstand der indischen staatlichen Raffinerie Bharat Petroleum am 23. Juli sagte: „Aufgrund der jüngsten Entwicklungen auf den Rohölmärkten bietet derzeit niemand mehr einen Rabatt für russisches Rohöl“ .
Der schrumpfende Rabatt hat reale Konsequenzen. Im Januar und Februar 2026 wurde Urals-Rohöl mit einem Abschlag von 10 bis 14 Dollar gegenüber Brent verkauft – die Folge westlicher Sanktionen . Nachdem der Iran-Konflikt im März begann, verschwand der Rabatt vollständig, und Urals notierte kurzzeitig mit einem Aufschlag von 4-5 Dollar pro Barrel gegenüber Brent auf gelieferter Basis nach Indien
. Bis Juli hatten neue Nahost-Krisen den Markt für saures Rohöl so stark verknappt, dass die Internationale Energieagentur (IEA) die Urals-Rabatte als „eines ihrer niedrigsten Niveaus seit Einführung der Sanktionen“ bezeichnete
.
Das Muster ist klar: Jedes Mal, wenn die Straße von Hormus gestört wird, gewinnt Russland an Preissetzungsmacht. Sein Rohöl, das aufgrund des Sanktionsrisikos tief diskontiert war, wird zu einer unverzichtbaren Alternative für asiatische Raffinerien, die die verlorenen Barrel aus dem Nahen Osten nicht einfach ersetzen können.
Russlands geplanter Exportanstieg von 4 % im August 2026 ist keine einzelne politische Entscheidung – er ist das logische Ergebnis einer durch Krieg neu geformten Lieferkette. Die ukrainischen Raffinerieangriffe schaffen das Angebot an exportierbarem Rohöl, indem sie die heimische Verarbeitung lahmlegen. Die steigende asiatische Nachfrage aus Indien und China schafft die Nachfrage. Und die Störung der Straße von Hormus, die konkurrierende Barrel aus dem Nahen Osten vom Markt nimmt, verleiht Russland eine beispiellose Preissetzungsmacht. Zusammen haben diese drei Kräfte den traditionellen Urals-Rabatt von 30 Dollar pro Barrel auf nahezu null schrumpfen lassen – ein fundamentaler Wandel in der Ökonomie der russischen Ölexporte.