Der nächste Jahresvergleich könnte allerdings weniger spektakulär ausfallen. SolarPower Europe erwartet für 2026 im mittleren Szenario einen Rückgang der weltweiten Neuinstallationen um 8 Prozent auf 612 GW – vor allem wegen der Abkühlung in China . Damit könnte der globale Markt erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten schrumpfen .
China prägt den weltweiten Solarausbau weiterhin maßgeblich. Je nach Datengrundlage installierte das Land 2025 etwa 278 bis 315 GW Photovoltaik und war damit für ungefähr 62 bis 68 Prozent des globalen Zubaus verantwortlich . Die Region Asien-Pazifik vereint inzwischen rund 68 Prozent der weltweiten Installationen auf sich .
Ende 2025 verfügte China über etwa 1.464 GW installierte Solarkapazität – nahezu die Hälfte des weltweiten Bestands . Hinzu kommen mehr als 709 GW potenzieller Projekte, also über ein Drittel der weltweit geplanten Solarkapazität .
2026 änderte sich das Bild jedoch deutlich. Im ersten Halbjahr nahm China lediglich 72,07 GW neue Solarleistung in Betrieb – 66 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Hintergrund war unter anderem ein Vorzieheffekt: Viele Projekte sollten noch vor dem Inkrafttreten neuer Preisregeln 2025 ans Netz gebracht werden . Trotz des starken Rückgangs lag der Zubau im ersten Halbjahr weiterhin über dem durchschnittlichen Niveau der Jahre 2021 bis 2024 .
Chinas Fünfjahresplan und die Reform der Preisstrukturen bremsen das bisherige Wachstum bewusst. Die Branche soll sich stärker an Netztauglichkeit und Wirtschaftlichkeit orientieren – weniger an der bloßen Zahl neu installierter Module.
Die globale Solarindustrie wird trotz Chinas Dominanz geografisch breiter. Ende 2025 hatten bereits 26 Länder mindestens 10 GW kumulierte Photovoltaikleistung installiert . Indien erreichte 2025 mit rund 49 GW einen Rekordzubau, während Südostasien zu einem wichtigen Wachstumsmotor aufsteigt .
Für 2026 werden außerhalb Chinas mehr als 100 GW neue Solaranlagen erwartet. Besonders Märkte im Nahen Osten, in Afrika und in Lateinamerika legen zu, da Solarstrom in vielen Regionen zu den günstigsten Formen neuer Stromerzeugung zählt .
Der Ausbau ist dort allerdings mit größeren Hürden verbunden als in China oder Europa. Schwächere Netze, höhere Finanzierungskosten und unsichere regulatorische Rahmenbedingungen verlängern die Projektentwicklung und erschweren den Netzanschluss.
Die zentrale Frage lautet nicht mehr, ob genügend Solarmodule hergestellt werden können. Entscheidend ist, ob die Netze den zusätzlichen Strom aufnehmen und dorthin transportieren können, wo er gebraucht wird.
Übertragungsnetze sind inzwischen der entscheidende Flaschenhals. Wood Mackenzie bezeichnete die Netzinfrastruktur 2026 als wichtigste Begrenzung für neue Projekte – nicht die Modulversorgung . Viele Stromnetze wurden für relativ stabile Nachfrageprofile und zentrale Großkraftwerke gebaut. Große Mengen wetterabhängiger Solarleistung stellen diese Architektur vor neue Aufgaben .
Mit wachsendem Solarstromanteil nehmen auch die technischen Herausforderungen zu: Spannungsschwankungen, Frequenzinstabilität durch eine geringere Systemträgheit, Probleme bei der Stromqualität und eine anspruchsvollere Schutzkoordination können die Netzführung erschweren . Bei einem Solaranteil von 50 Prozent können die Integrationskosten mehr als 25 bis 40 US-Dollar je Megawattstunde betragen .
In einigen Regionen führt Netzüberlastung bereits zu einer Abregelung von etwa 5 Prozent der erneuerbaren Erzeugung. In sonnenreichen Strommärkten wie Kalifornien und Teilen Europas treten zudem immer häufiger Zeiträume mit negativen Strompreisen auf . Dann ist das Stromangebot so groß, dass Erzeuger für die Abnahme zahlen müssen oder Anlagen vom Netz genommen werden.
Auch die Warteschlangen für Netzanschlüsse wachsen. In den USA stecken mehr als 2,6 TW an Projekten für saubere Energie in sogenannten Interconnection Queues. Rund 80 Prozent der dort erfassten Vorhaben erreichen laut den zugrunde liegenden Daten nie den kommerziellen Betrieb . Die durchschnittliche Wartezeit auf einen Netzanschluss hat sich in den USA seit 2015 auf mehr als drei Jahre verdoppelt .
Für neue große Solarparks reicht die reine Erzeugungskapazität zunehmend nicht mehr aus. Speicher wandeln sich vom optionalen Zusatz zur Voraussetzung für wirtschaftlich tragfähige Projekte. Bereits 2025 hing die Realisierbarkeit neuer großskaliger Solarvorhaben immer häufiger von integrierten Batteriespeichersystemen (BESS) ab. Freistehende PV-Anlagen sind bei neuen Projekten im Versorgungsmaßstab nicht mehr automatisch der Standard .
Batterien können Solarstrom aus den sonnenreichen Mittagsstunden in den Abend verschieben, Netzspitzen abfedern und kurzfristig auf Frequenz- oder Spannungsschwankungen reagieren. Untersuchungen zeigen, dass Speicher den erforderlichen Transformatorbedarf um 11,8 Prozent senken können. Der zusätzliche Bedarf an Freileitungsausbau kann sich dabei um weitere 27,1 Prozent verringern; zugleich verbessert sich die Spannungsstabilität .
Die Marktrahmen passen sich diesem Wandel jedoch noch nicht überall an. Speicher werden in vielen Strommärkten strukturell benachteiligt: Weil sie beim Laden als Verbraucher und beim Entladen als Erzeuger gelten, können Abgaben oder Steuern auf beide Vorgänge anfallen. Das schmälert die Rendite und bremst Investitionen .
Die Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA) und Branchenverbände fordern deshalb Regeln, nach denen Speicher Einnahmen aus mehreren Bereichen kombinieren können – etwa aus Energiehandel, Kapazitätszahlungen und Systemdienstleistungen. Parallel müssen Netzanschlussverfahren schneller und planbarer werden .
Die Solarindustrie hat die Herausforderung der Massenproduktion weitgehend bewältigt. Die nächste Etappe ist schwieriger und weniger sichtbar: Stromleitungen müssen gebaut, Netze modernisiert und flexible Nachfrage sowie Speicher in den Betrieb integriert werden.
Die Marke von 3.000 GW zeigt, welche Größenordnung die Photovoltaik inzwischen erreicht hat. Sie garantiert jedoch nicht, dass diese Leistung jederzeit genutzt werden kann. Ob aus der installierten Kapazität tatsächlich mehr sauberer Strom wird, entscheidet sich künftig vor allem an Leitungen, Netzanschlüssen, Speichern und passenden Marktregeln.