Die USA verhängten erneut eine Seeblockade über die gesamte iranische Küste einschließlich Häfen und Ölterminals . Die iranischen Revolutionsgarden erklärten die Straße von Hormus für „vollständig geschlossen“ . Durch diese strategisch wichtige Meerenge wird normalerweise etwa ein Fünftel des weltweit transportierten Öls verschifft. Der tägliche Schiffsverkehr brach während der Eskalation deutlich ein .
Brent-Rohöl sprang am 12. Juli nach den Meldungen über die Blockade innerhalb eines Tages um 9 Prozent auf 83 US-Dollar je Barrel . Am 20. Juli überschritt der Preis die Marke von 90 US-Dollar , am 23. Juli erreichte er 96 US-Dollar .
Am 24. Juli lag Brent schließlich wieder über 100 US-Dollar je Barrel. Ausschlaggebend war, dass sich der Konflikt auf das Rote Meer ausweitete. Angriffe der mit Iran verbündeten Huthi auf Schiffe eröffneten damit eine zweite Front an einer weiteren wichtigen Handelsroute .
Die Huthi drohten damit, die Ölroute durch das Rote Meer zu schließen. Dadurch verschärften sich die bereits bestehenden Risiken in der Straße von Hormus. Für den Markt bedeutete das: weniger verfügbare Transportkapazität, längere Umwege und größere Unsicherheit über die Versorgung. Die Energiepreise wurden dadurch zusätzlich nach oben getrieben .
Die Rally konzentrierte sich vor allem auf Energie und Agrarrohstoffe . Bei Öl, Benzin und Diesel sorgte die sogenannte Backwardation für besonders hohe Terminmarktrenditen. Dabei sind kurzfristige Lieferungen teurer als Kontrakte mit späterem Liefertermin – ein typisches Zeichen für akuten Versorgungsdruck .
Auch Agrarrohstoffe erhielten Unterstützung. Ein bestätigtes Super-El-Niño-Wetterereignis erhöhte die Risiken für Getreide und andere Agrarprodukte. Bei Metallen trieben Sorgen über Lieferketten und die industrielle Versorgung etwa Stahl auf Mehrjahreshochs .
Gold und Silber konnten auf Wochenbasis zulegen, obwohl mehrere Faktoren normalerweise auf Edelmetalle drücken: steigende Inflationserwartungen, ein stärkerer US-Dollar, höhere Renditen von US-Staatsanleihen und wachsende Erwartungen an eine straffere Geldpolitik der Federal Reserve. Die Kursgewinne deuteten auf eine weiterhin widerstandsfähige Nachfrage nach sicheren Häfen hin .
Der Bloomberg US Dollar Index hatte bereits im Juni seine beste Monatsentwicklung des Jahres verzeichnet; auch im Juli blieb der Dollar gefragt . Die erneute Eskalation ließ die Erwartungen an Zinserhöhungen der US-Notenbank deutlich steigen, weil der Ölpreisschub neue Inflationssorgen auslöste. Für Anleihen und andere zinssensitive Anlagen entstand damit ein besonders schwieriges Umfeld .
An den globalen Aktienmärkten verschlechterte sich die Stimmung. Der Energieschock weckte Befürchtungen vor einer Stagflation – also einer Kombination aus höherer Inflation und schwächerem Wirtschaftswachstum. Steigende Ölpreise, höhere Renditen und der stärkere Dollar belasteten die Aktienindizes .
Nach Einschätzung von S&P Global Market Intelligence könnten die Rohstoffpreise wegen anhaltender Schäden an der Infrastruktur und des erhöhten geopolitischen Risikos mindestens bis 2028 über dem Vorkriegsniveau bleiben . Die Weltbank hatte für 2026 bereits einen Anstieg der Energiepreise um 24 Prozent prognostiziert – den stärksten seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 . Die Eskalation im Juli verstärkte diese Einschätzung.
Analysten von UBS, Saxo Bank und Invesco verwiesen zudem auf die ungewöhnliche Reaktionsgeschwindigkeit des Marktes: Auf diplomatische Signale folgten wiederholt unmittelbare militärische Eskalationen . Solange die Versorgung über die Straße von Hormus und das Rote Meer gefährdet bleibt, dürfte der Rohstoffmarkt daher besonders empfindlich auf jede neue Nachricht reagieren.
Für Anleger bedeutet das kein geradliniges Aufwärtsszenario. Die gleichen geopolitischen Entwicklungen, die Rohstoffpreise steigen lassen, können zugleich Inflation, Zinsen und Konjunktursorgen verstärken. Der Juli 2026 zeigte damit vor allem eines: Im aktuellen Marktumfeld liegen kräftige Gewinne und abrupte Rückschläge ungewöhnlich nah beieinander.