In ihrer neuen Rolle soll sie als Vice President bereichsübergreifend arbeiten und direkt an Ternus berichten, sobald dieser am 1. September den CEO-Posten übernimmt . Die genaue Bezeichnung und der konkrete Zuschnitt der Position sind bislang nicht öffentlich bekannt. Naheliegend ist jedoch, dass Legros die Zusammenarbeit zwischen einzelnen Hardwareteams verbessern und abgeschottete Strukturen – sogenannte Silos – aufbrechen soll .
Dass Apple eine pensionierte Topmanagerin nach mehreren Jahren zurückholt, ist ungewöhnlich . Der Schritt bringt Ternus nicht nur eine vertraute Führungskraft, sondern auch institutionelles Wissen zurück. Das ist vor dem Hintergrund mehrerer Abgänge in Apples Hardwareorganisation besonders relevant.
Ternus baut sein Kernteam derzeit unter genauer Beobachtung auf. Jede neue Personalie und jede Veränderung von Zuständigkeiten wird intern wie extern aufmerksam verfolgt . Gleichzeitig ist der Wechsel nicht als vollständiger Bruch angelegt.
Tim Cook bleibt Apple erhalten und wird ab dem 1. September Executive Chairman des Verwaltungsrats. Damit soll er während der Übergabe Stabilität und Unternehmenswissen einbringen . Arthur Levinson wechselt vom nicht geschäftsführenden Verwaltungsratsvorsitzenden zum Lead Independent Director, also zum führenden unabhängigen Verwaltungsratsmitglied .
Ternus selbst ist seit 2001 bei Apple und ausgebildeter Maschinenbauingenieur. Als langjähriger Hardwarechef gilt er als stark produktorientierter Manager – ein interner Nachfolger mit tiefem Verständnis für die Entwicklung physischer Produkte .
Die größte Herausforderung für Ternus ist Apples KI-Strategie. Der Konzern geriet 2025 in eine viel beachtete KI-Krise und gilt bei der Integration generativer KI gegenüber Wettbewerbern wie Microsoft und Google als zurückgefallen . CNBC bezeichnet die Reparatur dieser Strategie als Ternus’ „defining challenge“ – seine zentrale Bewährungsprobe .
Auch an der Börse spiegeln sich die Zweifel wider: Ende April 2026 lag die Apple-Aktie seit Jahresbeginn ungefähr 2 Prozent im Minus, während der Nasdaq Composite um 6,8 Prozent zulegte. Analysten führen die schwächere Entwicklung unter anderem auf Unsicherheit über Apples KI-Kurs zurück .
Für Ternus bedeutet das ein schwieriges Spannungsfeld. Er übernimmt die Führung ausgerechnet als Hardwarekompetenz wieder stärker gebündelt wird, muss Apple aber zugleich bei einer Software- und Plattformtechnologie beschleunigen, bei der der Konzern bislang weniger überzeugend aufgetreten ist.
Hardwarewissen sichern: Die Rückkehr von Legros kann helfen, nach mehreren Abgängen Erfahrung und verlässliche Führung in der Entwicklungsorganisation zu stabilisieren .
Die Zeit nach Cook gestalten: Ternus übernimmt ein Unternehmen, das sich seinem 50. Jubiläum nähert. Er muss Apples bekannte operative Disziplin bewahren und zugleich einen stärker produkt- und innovationsorientierten Führungsstil etablieren .
Lieferketten und geopolitische Risiken steuern: Zusätzlich zur KI-Frage bleiben Apples globale Lieferketten anfällig für geopolitische Spannungen. Auch steigende Speicherkosten, die durch die hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur befeuert werden, gehören zu den Belastungen, mit denen der neue CEO umgehen muss .
Die Rückkehr von Laura Legros ist deshalb mehr als eine einzelne Personalentscheidung. Sie zeigt, dass Ternus zunächst auf vertraute Hardwarekompetenz und bessere Zusammenarbeit setzt. Ob diese interne Stabilität ausreicht, um Apples Rückstand bei KI aufzuholen, wird seine Amtszeit maßgeblich prägen.