Generalmajor Ali Abdollahi, der die iranische Kriegsführung leitet, erklärte, die Vereinigten Staaten bewegten sich „mit beschleunigtem Tempo“ darauf zu, „das Feuer eines umfassenden regionalen Krieges zu schüren“ . Den Nachbarstaaten warf er vor, Washington nutze deren Kapital, Ressourcen und Infrastruktur als Schutzschild für eigene Interessen und zur Stärkung der israelischen Kriegsmaschinerie .
Ein Sprecher des Zentralen Khatam-al-Anbiya-Hauptquartiers formulierte die Drohung noch schärfer: „Greift unsere Infrastruktur an, und wir werden wichtigere und zahlreichere Infrastruktureinrichtungen von euch angreifen“ .
Als mögliche Ziele nannte Iran Energieanlagen, Systeme der Informationstechnologie und Entsalzungsanlagen. Diese Infrastruktur ist im Golf nicht nur für militärische Abläufe, sondern auch für die Versorgung der Zivilbevölkerung von zentraler Bedeutung .
CBS News berichtete am 31. Juli unter Berufung auf mehrere Quellen, die USA und Israel bereiteten eine der bislang härtesten Bombenkampagnen gegen iranische Energieinfrastruktur vor . Im Gespräch sind demnach Angriffe auf:
Auch Axios meldete, Trump erwäge Luftangriffe innerhalb weniger Tage, um Teheran zur Annahme US-amerikanischer Bedingungen für eine Waffenruhe zu bewegen. Eine endgültige Freigabe habe der US-Präsident demnach noch nicht erteilt .
CBS zufolge wurde zudem darüber gesprochen, die Angriffe vor der Öffnung der Finanzmärkte am Montag zu beenden. Hintergrund seien Befürchtungen über mögliche Folgen für die US-amerikanische und die Weltwirtschaft. Israel sei informiert und koordiniere sich mit den USA . Das sind jedoch Berichte über Vorbereitungen und Überlegungen – nicht die Bestätigung, dass ein Angriff bereits beschlossen oder begonnen wurde.
Die aktuelle Krise ist das Ergebnis eines schnellen Zusammenbruchs einer zunächst vielversprechenden diplomatischen Annäherung.
US-Präsident Trump und der iranische Präsident Masoud Pezeshkian unterzeichneten am 17. Juni 2026 eine Vereinbarung („Memorandum of Understanding“, MoU). Sie sollte den Weg zu einem Ende der Kämpfe und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus ebnen. Zugleich begann ein 60-tägiges technisches Verhandlungsfenster über Irans Atomprogramm .
Als die US-Luftangriffe auf iranische Ziele Anfang bis Mitte Juli zunahmen, geriet die diplomatische Initiative ins Wanken . Am 15. Juli erklärte Irans oberster Verhandlungsführer Mohammad Bagher Ghalibaf das Friedensabkommen für hinfällig. Die iranischen Streitkräfte hätten nun „vollständige Handlungsfreiheit“ gegenüber der US-amerikanischen „Aggression“, sagte er .
Am 18. Juli erklärte der iranische Staatsfunk schließlich offiziell, dass sich Teheran nicht länger an das MoU halten werde .
Nach fast zwei Wochen intensiver gegenseitiger Angriffe legten beide Seiten am 26. und 27. Juli vorübergehend die Waffen nieder, um Verhandlungen über eine Waffenruhe zu ermöglichen . Zuvor hatte ein US-Angriff eine iranische Entsalzungsanlage getroffen. Nach iranischen Angaben verloren dadurch rund 10.000 Menschen den Zugang zu Wasser. Iran reagierte mit Drohnen- und Raketenangriffen auf mit den USA verbündete Golfstaaten .
Die fragile Pause endete am 28. Juli. Iran feuerte mehrere ballistische Raketen auf einen US-Militärstützpunkt in Jordanien. Das US-Zentralkommando CENTCOM bezeichnete den Angriff als einen „versuchten Überraschungsangriff“ und erklärte, alle Raketen seien abgefangen worden .
Nach Angaben von CENTCOM stammten die Raketen aus Iran; die US-Streitkräfte blieben in erhöhter Alarmbereitschaft . Trump kündigte daraufhin an, Iran werde „eine Abreibung“ bekommen .
Im Zentrum der regionalen Risiken steht die Straße von Hormus. Die Meerenge ist eine wichtige Route für den Transport von Energie aus der Golfregion. Iran bezeichnete sie als „unverletzliche rote Linie“ und drohte wiederholt mit einer Ausweitung des Konflikts, sollte seine Infrastruktur angegriffen werden .
Ende Juli warnten Beobachter, ein umfassender Krieg gegen Energieanlagen auf beiden Seiten könne die globalen Ölströme aus dem Golf erheblich stören . Ghalibaf schrieb auf X: „In einer Region, in der wir kein Öl verkaufen, wird niemand Öl verkaufen“ .
Damit steht am 1. August nicht nur die Frage im Raum, ob die USA und Israel iranische Energieanlagen angreifen. Entscheidend ist auch, ob ein solcher Schritt eine neue Vergeltungsspirale auslöst – mit möglichen Folgen für die zivile Infrastruktur, die Schifffahrt und die weltweite Energieversorgung.