Am 28. Juli kündigte Infantino die FIFA Forward Enterprise (FFE) an. Die geplante kommerzielle Tochtergesellschaft sollte die kommerziellen und operativen Rechte sämtlicher FIFA-Wettbewerbe bündeln – darunter die Männer- und Frauen-Weltmeisterschaft sowie die Klub-WM .
FIFA wollte bis zu 20 Prozent der FFE an private Investoren verkaufen. Der Wert der Gesellschaft wurde mit 20 Milliarden US-Dollar angegeben . Zu den möglichen Investoren soll auch ein Unternehmen mit Verbindungen zu Josh Kushner gehört haben .
FIFA begründete den Vorstoß mit zusätzlichen Einnahmen für die Fußballentwicklung und die Mitgliedsverbände. Kritiker bemängelten jedoch, dass die Idee weitgehend im kleinen Kreis vorbereitet worden sei und es kaum vorherige Konsultationen gegeben habe .
Die Details des Vorhabens lösten unmittelbar Widerstand aus.
Damit hatten innerhalb von 48 Stunden mindestens 96 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände ihre Ablehnung erklärt .
Für zusätzlichen Ärger sorgte ein an die Mitgliedsverbände verschickter und an die Presse durchgesickerter Brief. Darin setzte Infantino den Verbänden den 19. September 2026 als Frist – gerade einmal 53 Tage nach der Ankündigung –, um der FFE zuzustimmen .
Der finanzielle Anreiz war klar gestaffelt:
Die Differenz von 30 Millionen US-Dollar entsprach einer Kürzung der möglichen Förderung um 75 Prozent . Mehrere Kontinentalverbände werteten diese Konstruktion als Druckmittel. Sie kritisierten außerdem, von den Plänen überrascht worden zu sein und keine ausreichende Möglichkeit zur Prüfung gehabt zu haben . Die UEFA erklärte, mit dem Angebot sei eine Grenze überschritten worden .
FIFA wies die Kritik zunächst zurück und erklärte, der geplante Konsultationsprozess sei durch „unrichtige Medienberichte“ gestört worden. Die Organisation kündigte an, die Beratungen fortzusetzen .
Der schwerste Rückschlag kam schließlich aus dem Inneren der FIFA. Am 31. Juli trat Carlos Cordeiro, Infantinos leitender Berater, mit sofortiger Wirkung zurück. Cordeiro war früher Banker bei Goldman Sachs und Präsident des US-amerikanischen Fußballverbands .
In seiner Rücktrittserklärung betonte er: „Ich möchte klarstellen: Ich war an diesem Vorschlag nicht beteiligt und lehne ihn uneingeschränkt ab.“ Der Plan sei „ein schlechtes Geschäft für die FIFA-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft des Spiels“ .
Kurz darauf kritisierte auch FIFA-Chief-Operating-Officer Kevin Lamour das Vorhaben öffentlich. Er sagte, er und weitere Mitarbeiter seien im Unklaren gelassen worden, und bezeichnete die FFE als „das Projekt einer einzelnen Person“ – eine unmissverständliche Anspielung auf Infantino .
Am Abend des 31. Juli, nach vier Tagen eskalierender Kritik, gab Infantino das Projekt vollständig auf. In einer Erklärung schrieb er, nach sorgfältiger Prüfung der verschiedenen Positionen sei deutlich geworden, dass der Vorschlag Spaltungen verursacht habe, die nicht mehr im Interesse des ursprünglichen Ziels lägen .
Infantino räumte ein, der Plan habe „viel Unruhe“ ausgelöst. Damit war der Versuch beendet, die kommerziellen Aktivitäten rund um die FIFA-Turniere in eine neue Gesellschaft auszulagern und private Kapitalgeber zu beteiligen.
Der gescheiterte FFE-Plan hat Infantinos Position als FIFA-Präsident deutlich geschwächt . Rücktrittsforderungen kamen unter anderem vom britischen Premierminister Andy Burnham und von Javier Tebas, dem Präsidenten der spanischen Fußballliga La Liga . Auch Infantinos zuvor als sicher geltende Wiederwahl gilt nun als gefährdet.
Kurzfristig bleibt die Weltmeisterschaft vollständig im Besitz der FIFA-Mitgliedsverbände. Für die Finanzierung der Fußballentwicklung muss die Organisation damit wieder auf herkömmliche Wege setzen – insbesondere auf ihre vorhandenen Reserven von rund 4 Milliarden US-Dollar, statt auf einen einmaligen Kapitalzufluss von Private-Equity-Investoren.
Der Vorfall hinterlässt zudem eine grundsätzliche Frage: Wie weit darf die Kommerzialisierung des wichtigsten Wettbewerbs im Weltfußball gehen – und wer entscheidet darüber? Genau diese Frage hat Infantinos hastig vorgelegter Plan auf besonders eindringliche Weise sichtbar gemacht.