Tesla China wies den Bericht gegenüber lokalen Medien ebenfalls als „false information“ zurück . Doch unabhängig davon, ob die konkrete Planung existiert: Der Bericht berührt ein echtes strategisches Problem. Teslas Produktions- und Lieferketten in China treffen bei SpaceX auf enge Verbindungen zur US-Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.
Nach Darstellung des Wall Street Journal erwog Tesla eine Trennung seines China-Geschäfts als mögliche Voraussetzung für eine spätere Fusion mit SpaceX . Dem Bericht zufolge:
Der Bericht legte zugleich nahe, dass noch keine endgültige Entscheidung gefallen sei und unklar bleibe, wie schnell ein solcher Schritt überhaupt umgesetzt werden könnte.
Die Tesla-Aktivitäten in China konzentrieren sich auf die Gigafactory in Shanghai. Das Werk ist nicht nur für den chinesischen Markt wichtig, sondern ein zentraler Baustein der weltweiten Tesla-Produktion und des Exports.
Eine Abspaltung würde damit Teslas größtes Produktionswerk, einen zentralen Exportknoten und das wichtigste Geschäft des Konzerns außerhalb der USA betreffen. Es ginge also nicht um eine kleine regionale Tochtergesellschaft, sondern um einen wesentlichen Teil des globalen Tesla-Modells.
Selbst wenn Musks Dementi den konkreten WSJ-Bericht entkräftet, bleiben die grundlegenden Hindernisse bestehen.
Eine Verbindung zwischen Tesla mit seinen umfangreichen China-Aktivitäten und SpaceX mit seinen US-Verteidigungsaufträgen würde voraussichtlich eine intensive Prüfung durch das Committee on Foreign Investment in the United States (CFIUS) auslösen. Dieses US-Gremium untersucht Transaktionen mit Blick auf mögliche Risiken für die nationale Sicherheit. Chinesische Geschäfts- und Technologieverbindungen könnten dabei als Risiko für Technologietransfers oder Spionage bewertet werden .
SpaceX ist an Starts für die nationale Sicherheit der USA beteiligt, betreibt mit Starshield eine militärische Variante von Starlink und arbeitet an weiteren vertraulichen Programmen. In einem S-1-Börsenprospekt bezeichnete sich das Unternehmen als „primary launch provider for the U.S. government“. 2025 führte SpaceX zudem 11 von 12 mittelschweren und schweren Missionen des US-Programms National Security Space Launch durch .
US-Senatoren, darunter Elizabeth Warren, haben bereits Fragen zu möglichen chinesischen Beteiligungen an SpaceX gestellt. Sie bezeichneten SpaceX als wichtigen Auftragnehmer des US-Verteidigungsministeriums und wollten klären, ob chinesisches Kapital über Zwischenhändler Zugriff auf SpaceX-Anteile erhalten haben könnte .
JPMorgan-Analysten bezeichneten die notwendigen Genehmigungen in mehreren Ländern als „praktische Engstelle“. China könnte einer Struktur widersprechen, die Teslas Engagement vor Ort schwächt. US-Behörden wiederum dürften eine Verflechtung mit einem Unternehmen, das stark in China produziert, wegen der Verteidigungsaufträge von SpaceX kritisch sehen .
Auch China verfügt über Möglichkeiten, ausländische Transaktionen mit Auswirkungen auf nationale Interessen zu prüfen oder Bedingungen dafür zu setzen. Ein Deal, der Investitionen oder Technologie aus China abziehen könnte, wäre daher mit zusätzlichen politischen und regulatorischen Risiken verbunden .
Hinzu kommt ein Governance-Problem: Musk kontrolliert bei SpaceX rund 85 Prozent der Stimmrechte, bei Tesla aber nur etwa 20 Prozent . Dadurch könnte der Eindruck entstehen, dass es sich bei einer Transaktion faktisch um eine von SpaceX geführte Übernahme handelt – und nicht um eine Fusion gleichberechtigter Unternehmen .
Eine Untersuchung des US-Senats verwies Anfang 2025 auf laufende Klagen, Ermittlungen und Durchsetzungsverfahren gegen Musk und fünf seiner Unternehmen bei mindestens acht Bundesbehörden. Die potenzielle finanzielle Haftung wurde dabei mit mehr als 2,37 Milliarden US-Dollar beziffert . Das wäre ein weiterer Faktor, der bei einer ohnehin politisch sensiblen Transaktion ins Gewicht fallen könnte.
Musk weist den Bericht des Wall Street Journal entschieden zurück: Die Idee einer Abspaltung von Teslas China-Geschäft sei, so seine Darstellung, „absurdly fake news“ und nie diskutiert worden. Ob es tatsächlich konkrete Vorbereitungen gab, bleibt damit offen.
Die dahinterliegende Zwickmühle ist jedoch real. Eine Tesla-SpaceX-Fusion müsste gleichzeitig die US-amerikanischen Sicherheitsinteressen und Chinas regulatorische Sensibilitäten berücksichtigen. Beide Seiten hätten bei einem solchen Deal erhebliche Einflussmöglichkeiten. Genau deshalb wäre die Abtrennung des Shanghai-Geschäfts zwar als theoretische Lösung denkbar – praktisch aber ein äußerst komplexer und politisch riskanter Schritt.