Der weltweite Smartphone-Umsatz stieg im Jahresvergleich um 7 Prozent auf den Rekordwert von 109 Milliarden US-Dollar. Damit wurde im zweiten Quartal so viel Umsatz erzielt wie nie zuvor . Gleichzeitig sanken die Auslieferungen jedoch um 11 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2013 .
Hauptgrund ist ein anhaltender Mangel an DRAM- und NAND-Speicherchips. Die knappen Komponenten verteuerten Smartphones und dämpften die Nachfrage. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Smartphones stieg dadurch um 17 Prozent auf 400 US-Dollar .
Das Marktbild ist damit ungewöhnlich: Es wurden deutlich weniger Geräte verkauft, doch höhere Preise und die anhaltende Nachfrage nach Premium-Modellen ließen den Gesamtumsatz steigen.
Apples Smartphone-Umsatz wuchs im zweiten Quartal um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr – das schnellste Wachstum unter den fünf größten Marken . Der durchschnittliche Verkaufspreis stieg um 8 Prozent auf 946 US-Dollar. Besonders gefragt waren offenbar das reguläre iPhone 17 und das iPhone 17 Pro Max .
Counterpoint-Research-Direktor Tarun Pathak führte die Entwicklung auf die „anhaltende Nachfrage nach der iPhone-17-Serie“ zurück. Apple habe seine Preise stabil gehalten, während viele Android-Hersteller ihre Geräte wegen der gestiegenen Komponentenkosten verteuern mussten .
Diese Preisstrategie verschaffte Apple einen wichtigen Vorteil – insbesondere in China. Während die höheren Speicherpreise das Preis-Leistungs-Verhältnis günstigerer Android-Modelle belasteten, blieb das iPhone für viele Käufer preislich vergleichsweise berechenbar . Apples Umsatzanteil stieg dadurch von 44 Prozent im Vorjahresquartal auf 49 Prozent .
Der Speicherchipmangel traf Android-Marken besonders stark. Die höheren Bauteilkosten zwangen viele Hersteller zu Preiserhöhungen. Das belastete vor allem die preissensiblen Marktsegmente, in denen diese Anbieter besonders stark vertreten sind .
Samsung war die einzige Android-Marke unter den fünf größten Anbietern, die sowohl beim Umsatz als auch bei den Auslieferungen zulegen konnte. Das Unternehmen blieb mit einem Umsatzanteil von 16 Prozent auf Rang zwei. Umsatz und Stückzahlen stiegen jeweils um 9 Prozent, während der durchschnittliche Verkaufspreis mit rund 270 US-Dollar weitgehend stabil blieb. Counterpoint führt das unter anderem auf Samsungs vertikale Integration und die Kontrolle über die Komponentenbeschaffung zurück. Die Galaxy-A-Serie sorgte für hohe Stückzahlen, die Galaxy-S26-Reihe stärkte das Premiumgeschäft .
Xiaomi verzeichnete unter den fünf größten Marken den stärksten Rückgang bei den Auslieferungen: Sie sanken um 26 Prozent. Der Umsatz fiel um 17 Prozent, obwohl der durchschnittliche Verkaufspreis um 13 Prozent stieg. Teurere Geräte konnten den Verlust an Verkaufsvolumen nicht ausgleichen .
Bei OPPO ging der Umsatz um 10 Prozent zurück, bei vivo um 11 Prozent. Auch hier reichten höhere Preise pro Gerät nicht aus, um die sinkenden Auslieferungen zu kompensieren .
Counterpoint kommt deshalb zu dem Schluss, dass die Ergebnisse „die Grenzen einer Strategie zeigen, die in preissensiblen Marktsegmenten allein auf höhere Preise setzt“ .
Unabhängig von der Counterpoint-Analyse warnte Apple am 30. Juli während der Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen vor einer Verschärfung der Lieferlage. CEO Tim Cook erklärte, die Lieferengpässe würden im September-Quartal „deutlich zunehmen“ und iPhone, iPad sowie Mac betreffen .
Als wichtigste Einschränkung nannte Cook Engpässe bei fortschrittlichen Chipfertigungsprozessen. Apple habe derzeit zudem „weniger Flexibilität in der Lieferkette als üblich“ . Die Nachfrage nach Macs und iPhones übersteige das verfügbare Angebot. Macs und iPads hatte Apple wegen des Speicherchipmangels bereits teurer gemacht; beim iPhone war dieser Schritt im zweiten Quartal bislang ausgeblieben .
Cook beschrieb die Entwicklung bei den Speicherpreisen als „eine Jahrhundertflut“. Am folgenden Tag fiel die Apple-Aktie um 7,3 Prozent .
Counterpoint erwartet, dass die steigenden DRAM- und NAND-Kosten den Preisdruck bei Smartphones weiter erhöhen werden. Für die zweite Jahreshälfte 2026 rechnet das Marktforschungsunternehmen mit „deutlich stärkeren Rückgängen“ bei den Auslieferungen .
Auch Apple dürfte in den kommenden Quartalen die iPhone-Preise anheben, falls der Speicherchipmangel anhält. Im zweiten Quartal konnte der Konzern diese Belastung durch stabile Preise und die starke Nachfrage nach der iPhone-17-Reihe noch weitgehend abfedern .
Bei Apples Auslieferungen gibt es allerdings noch eine offene Datenfrage: Eine vorläufige Counterpoint-Schätzung weist für das zweite Quartal ein iPhone-Wachstum von 13 Prozent aus. Das steht im Widerspruch zu einer früheren Schätzung vom 13. Juli, die von 3 Prozent Wachstum ausging. Counterpoint hat bislang nicht erklärt, ob die spätere Zahl auf aktualisierten Daten oder einer geänderten Methodik beruht. Die Angabe von 13 Prozent ist daher noch nicht endgültig gesichert .