Geek+ gibt an, weltweit mehr als 1.400 Projekte in über 40 Ländern umgesetzt zu haben. Mehr als 75 Prozent des Umsatzes stammen demnach inzwischen aus internationalen Märkten . Im Jahr 2022 eröffnete das Unternehmen zudem eine britische Zentrale mit Innovationszentrum im Wissenschafts- und Technologiepark Sci-Tech Daresbury; dort arbeiten mindestens 30 Beschäftigte .
Britische Lager- und Logistikunternehmen kämpfen seit Jahren mit offenen Stellen und fehlenden Fachkräften. Der Jahresbericht von Skills England aus dem Jahr 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass mehr als ein Viertel der ausgeschriebenen Stellen wegen Qualifikationsengpässen schwer zu besetzen ist . Der britische Handelskammerverband BCC berichtet außerdem, dass 67 Prozent der Unternehmen einen Mangel an geeigneten Arbeitskräften in ihrem Markt feststellen .
Der Brexit verschärfte den Druck in der Logistik zusätzlich: Schätzungen zufolge verließen rund 125.000 Beschäftigte aus der EU den britischen Logistiksektor . Für Lagerbetreiber bedeutet das, dass sie Personal nicht immer schnell genug finden – während Kunden zugleich kürzere Lieferzeiten erwarten.
Auch höhere Arbeitgeberkosten spielen eine Rolle. Der Anstieg der Arbeitgeberbeiträge zur britischen National Insurance, einer Sozialabgabe, hat den wirtschaftlichen Anreiz für Automatisierung weiter verstärkt . Wenn Roboter rund um die Uhr arbeiten können und weniger abhängig vom angespannten Arbeitsmarkt sind, erscheinen Investitionen in automatisierte Systeme für Unternehmen zunehmend attraktiv.
Der zweite Treiber ist die Produktivitätslücke. Analysen von OECD und britischer Regierung beschreiben eine Wirtschaft, in der moderne Technologien bislang nicht schnell oder breit genug übernommen wurden. Der OECD zufolge bestehen weiterhin erhebliche Unterschiede bei der Technologiediffusion und der Produktivität zwischen Unternehmen und Branchen . Viele britische Lager befinden sich noch in einer frühen Phase der Automatisierung – für Anbieter wie Geek+ entsteht dadurch ein großer, bislang kaum erschlossener Markt .
Gleichzeitig ist das erwartete Potenzial beträchtlich. OECD-Schätzungen, die von der britischen Regierung zusammengefasst wurden, zufolge könnte KI das jährliche Wachstum der Arbeitsproduktivität im Vereinigten Königreich im kommenden Jahrzehnt um 0,4 bis 1,2 Prozentpunkte erhöhen . Diese Gewinne sind jedoch kein Selbstläufer: Sie setzen Investitionen, passende Qualifikationen und eine deutlich schnellere Einführung voraus.
Für Lagerbetreiber ist der Nutzen unmittelbarer als eine abstrakte Produktivitätszahl. Robotersysteme können Lagerflächen effizienter nutzen, Wege verkürzen und hohe Bestellvolumen bewältigen. Bei einem mit Geek+ und SEC Group umgesetzten Projekt stieg die genutzte Lagerkapazität laut Unternehmensangaben von 25 auf 40 Prozent des verfügbaren Raumvolumens .
Die Gewerkschaften bestreiten nicht, dass Automatisierung die Abläufe in Lagern verändern kann. Sie bezweifeln aber, dass die Vorteile automatisch bei den Beschäftigten ankommen.
Damit geht es nicht nur um die Frage, ob Roboter Arbeitsplätze ersetzen. Entscheidend ist auch, wer über ihren Einsatz entscheidet, welche Qualifikationen Beschäftigte erwerben können und wie Produktivitätsgewinne verteilt werden.
Am 28. Juli 2026 untersagte die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) die Einfuhr neuer chinesischer humanoider und vierbeiniger Roboter. Die Geräte wurden auf die sogenannte „Covered List“ gesetzt – eine Liste von Technologien, die Washington als nicht akzeptables nationales Sicherheitsrisiko einstuft . Das Vorgehen soll nach Angaben der US-Regierung unter anderem Risiken für Cybersicherheit und kritische Infrastruktur begrenzen und zugleich die heimische Produktion fortgeschrittener Robotik fördern .
Für Geek+ ist die unmittelbare Auswirkung begrenzt. Die US-Maßnahmen zielen auf Roboter mit menschlicher Gestalt oder vier Beinen, nicht auf die autonomen mobilen Lagerroboter und Goods-to-Person-Systeme, die Geek+ in britischen Logistikzentren einsetzt . Die zentrale Produktlinie des Unternehmens fällt daher nicht direkt unter dieses Verbot.
Politisch zeigt die Entscheidung dennoch, wie stark sich der globale Robotikmarkt auseinanderentwickelt. Die USA verfolgen gegenüber chinesischer Hochtechnologie einen deutlich konfrontativeren Kurs. Großbritannien lässt chinesische Lagerrobotik bislang in deutlich größerem Umfang in seine Handels- und Logistikinfrastruktur einfließen. Für westliche Unternehmen entsteht damit ein unterschiedliches Regelwerk je nach Absatzmarkt.
Für Geek+ könnte Großbritannien dadurch strategisch noch wichtiger werden. Das Unternehmen ist dort bereits besonders präsent, und auch die übrige EMEA-Region – Europa, der Nahe Osten und Afrika – gewinnt an Bedeutung, wenn der Zugang zum US-Markt für bestimmte chinesische Robotikprodukte schwieriger wird .
Die Expansion von Geek+ erklärt sich vor allem aus einem praktischen Problem: Britische Lager müssen mit weniger verfügbaren Arbeitskräften, höheren Kosten und immer höheren Anforderungen an Geschwindigkeit und Lagerkapazität mehr leisten. Roboter bieten dafür eine sofort einsetzbare Lösung.
Doch die Technologie bringt einen politischen und sozialen Zielkonflikt mit sich. Die britische Wirtschaft braucht offenbar mehr Automatisierung, um ihre Produktivität zu steigern. Gleichzeitig verlangen Gewerkschaften verbindliche Regeln für Beschäftigungssicherung, Weiterbildung, Datenschutz und Mitbestimmung. Und während britische Händler chinesische Systeme einsetzen, betrachten die USA Teile derselben chinesischen Robotikindustrie zunehmend als Sicherheitsrisiko.
Geek+ steht damit exemplarisch für eine neue Phase der Globalisierung: Die Roboter können sich über Grenzen hinweg verbreiten – die Regeln, das Vertrauen und die geopolitische Bewertung ihrer Herkunft jedoch nicht.