Der erste Schritt erfolgte bereits im November 2022: SE Ventures, der Venture-Capital-Arm von Schneider Electric, investierte strategisch in AiDASH . Im Februar 2023 starteten beide Unternehmen ein gemeinsames Angebot für die Widerstandsfähigkeit von Stromnetzen. Dabei wurden AiDASHs Satelliten- und KI-Plattform mit Schneiders Know-how im Energiemanagement verbunden .
Zum Zeitpunkt der Übernahme hatten die Partner somit bereits mehr als drei Jahre an Produkten und deren Vermarktung gearbeitet . Schneider kauft also nicht nur Technologie ein, sondern holt eine Plattform ins Haus, deren Einsatz im eigenen Geschäft bereits erprobt wurde.
AiDASH ist ein Software-as-a-Service-Unternehmen für kritische Infrastrukturen. Die Plattform kombiniert hochauflösende multispektrale Satellitenbilder, KI-Analysen und Daten aus dem Feld. Der Schwerpunkt liegt auf Stromversorgern, die Risiken durch Vegetation, Waldbrände und Extremwetter früh erkennen und Betrieb sowie Wartung besser planen wollen.
Zu den wichtigsten Lösungen gehören :
Die Technologie wird laut den von AiDASH veröffentlichten Anwendungsfällen bereits praktisch eingesetzt. Ein Versorger aus dem Fortune-500-Umfeld verzeichnete demnach die niedrigste Zahl vegetationsbedingter Unterbrechungen seiner Unternehmensgeschichte und verbesserte den SAIFI-Zuverlässigkeitswert um mehr als 30 Prozent – trotz unveränderter Budgets . Rund 135 weitere Versorger nutzen Satelliten- und KI-Ansätze laut AiDASH bereits, um ihre Kosten im Schnitt um 20 Prozent zu senken und die Zuverlässigkeit um 10 Prozent zu steigern .
Schneider Electric kündigte die AiDASH-Übernahme im selben Halbjahres-Update an wie den Kauf von Cognite für 3,1 Milliarden US-Dollar . Die Unternehmen bedienen unterschiedliche Märkte, ergänzen sich strategisch aber deutlich:
| Bereich | Cognite | AiDASH |
|---|---|---|
| Schwerpunkt | Erfassung, Kontextualisierung und Analyse industrieller Daten – etwa aus Fabriken, Anlagen und Prozessindustrien | Satelliten- und KI-gestützte Widerstandsfähigkeit von Stromnetzen, Vegetationsmanagement, Waldbrandrisiken und Infrastrukturüberwachung |
| Zielkunden | Schwerindustrie, Öl und Gas, Fertigung und Prozessautomatisierung | Strom-, Energie-, Gas- und Wasserversorger sowie Verkehrsunternehmen |
| Rolle bei Schneider | Industrielle Datenplattform und digitaler Zwilling für die Vision „Energy & Industrial Intelligence“ | Intelligenz am Netzrand für Klimaanpassung und höhere Netzzuverlässigkeit |
Vereinfacht gesagt liefert Cognite die Datenschicht für Fabriken und industrielle Anlagen. AiDASH ergänzt sie um eine satellitenbasierte Sicht auf Stromnetze und weit verteilte Infrastruktur. Zusammen sollen beide Übernahmen Schneider Electric dabei helfen, die physische und die digitale Welt in offenen Ökosystemen zu verbinden .
Olivier Blum erklärte, beide Akquisitionen stärkten die „AI-native capabilities“ des Konzerns und verbesserten dessen Fähigkeit, physische und digitale Welten über „Energy & Industrial Intelligence“ zu verknüpfen . Der kombinierte Kaufpreis der beiden Transaktionen beläuft sich auf rund 3,45 Milliarden US-Dollar.
Die AiDASH-Übernahme fiel in eine Phase außergewöhnlich starker Geschäftszahlen. Schneider Electric meldete für das erste Halbjahr 2026 :
| Kennzahl | 1. Halbjahr 2026 | Veränderung gegenüber H1 2025 |
|---|---|---|
| Umsatz | 21,2 Mrd. € | +14,0 % organisch, +9,8 % berichtet |
| Bereinigtes EBITA | 4,1 Mrd. € | +22,1 % organisch, +16,6 % berichtet |
| Bereinigte EBITA-Marge | 19,3 % | +120 Basispunkte organisch |
| Konzernnettoergebnis | 2,5 Mrd. € | +30,1 % |
| Freier Cashflow | 1,6 Mrd. € | +244 % |
| Bereinigtes Ergebnis je Aktie | 4,79 € | +28,5 % organisch |
Auch das zweite Quartal stellte mit 11,5 Milliarden Euro Umsatz einen Rekord auf. Das organische Wachstum lag bei 17 Prozent. Besonders stark blieb die Nachfrage aus dem Bereich Rechenzentren und Netzwerke; Schneider sprach von sehr hohen Niveaus und einem dreistelligen Wachstum. Im zweiten Quartal legte das Energiemanagement organisch um 18 Prozent zu, die industrielle Automatisierung um 11 Prozent .
Nach dem starken Halbjahr erhöhte Schneider Electric seine Prognose für das Gesamtjahr: Der Konzern erwartet nun ein organisches Umsatzwachstum von 10 bis 13 Prozent, nachdem zuvor 7 bis 10 Prozent in Aussicht gestellt worden waren. Zusätzlich rechnet das Unternehmen weiterhin mit einer organischen Ausweitung der bereinigten EBITA-Marge um 70 bis 100 Basispunkte .
Die Aktie von Schneider Electric stieg am Tag der Ankündigung um 6,1 Prozent auf 272,40 Euro . Die Reaktion deutet darauf hin, dass der Markt die beiden Übernahmen nicht als voneinander unabhängige Ausgaben betrachtet. Vielmehr erscheinen sie als koordinierte Wette auf KI-Infrastruktur: Cognite stärkt die industrielle Datennutzung, AiDASH die Überwachung und Absicherung der Stromnetze.
Die Übernahme zeigt, dass Technologie zur Anpassung an den Klimawandel für große Industrieunternehmen vom Nischenprojekt zum strategischen Werkzeug geworden ist. Stromversorger stehen vor der Aufgabe, alternde Netze, Vegetationswachstum, Waldbrandgefahren und extreme Wetterlagen gleichzeitig zu managen. Satelliten können dabei große Versorgungsgebiete regelmäßig beobachten; KI hilft, aus den Bildern konkrete Prioritäten für Wartung und Prävention abzuleiten.
Für Schneider Electric ist AiDASH deshalb mehr als ein weiteres Softwareunternehmen im Portfolio. Die Plattform erweitert den Konzern um eine satellitenbasierte Perspektive auf kritische Infrastruktur – und ergänzt damit die industrielle Datenkompetenz von Cognite. Für Versorger lautet die Botschaft: KI-gestütztes Risikomanagement aus dem All ist nicht mehr bloß ein Experiment. Die Technologie ist verfügbar, wird bereits eingesetzt und gehört nun zu einem der weltweit größten Anbieter für Energiemanagement.