Das erste Gemini-Robotics-Modell, das DeepMind im März 2025 vorstellte, konzentrierte sich vor allem auf Oberkörper, Arme und Hände. Gemini Robotics 2 soll nun den gesamten humanoiden Körper – von den Füßen bis zu den Fingerspitzen – steuern können .
Das ermöglicht eine koordinierte Verbindung von Fortbewegung, Körperhaltung, Gleichgewicht und beidhändiger Manipulation. Ein Roboter kann dadurch beispielsweise gehen, sich bücken, ausstrecken und gleichzeitig einen Gegenstand aufnehmen oder bewegen. DeepMind bezeichnet diesen Ansatz als „whole-body intelligence“ – also Ganzkörper-Intelligenz .
Der praktische Unterschied liegt darin, dass eine Aufgabe nicht mehr am Tisch beginnen und enden muss. Der Roboter soll sich in einer Umgebung bewegen, seine Haltung anpassen und seine Hände einsetzen können, ohne dass diese Fähigkeiten als voneinander getrennte Einzelschritte behandelt werden.
Gemini Robotics 2 ist keine einzelne Anwendung, sondern eine Suite aus drei Modellen:
Ein Schwerpunkt liegt auf feinmotorischen Aufgaben. DeepMind gibt für den Präzisionstest „Franka Duo“ eine Genauigkeit von 89,6 Prozent an. Dabei müssen zwei Roboterarme Objekte exakt ausrichten und mit sehr kleinen Toleranzen ineinander einsetzen .
Auch mehrere Roboter sollen nun gemeinsam an einer Aufgabe arbeiten können. Das Modell berücksichtigt die Positionen und Bewegungen der anderen Maschinen, um Kollisionen zu vermeiden und ein gemeinsames Ziel zu verfolgen . In DeepMinds Beispielen kann ein humanoider Roboter etwa einen unübersichtlichen Raum aufräumen und dabei mit weiteren Robotern zusammenarbeiten.
Mit ASIMOV-Agentic hat DeepMind außerdem einen quelloffenen Benchmark für Robotersicherheit veröffentlicht. Er ist auf Hugging Face unter der Lizenz CC-BY-4.0 verfügbar und soll untersuchen, ob die von einem Robotermodell angeordneten Aktionen zu körperlich gefährlichen Folgen führen könnten .
Die Tests bauen auf früheren ASIMOV-Arbeiten auf, die unter anderem reale Berichte über Verletzungen einbeziehen. In agentischen Szenarien muss ein Modell erkennen, wenn sich eine Person in der Nähe befindet, die Bewegung anhalten, bis der Bereich frei ist, und erst danach fortfahren .
DeepMind beschreibt Gemini Robotics ER 2 als sein bislang sicherstes Modell und setzt nach eigenen Angaben auf Schutzmechanismen auf mehreren Ebenen der Modellarchitektur . Der Benchmark soll dabei nicht nur messen, ob ein Roboter eine Aufgabe planen kann, sondern auch, ob er einen gefährlichen Befehl ablehnt, eine unmögliche Aufgabe erkennt oder menschliche Hilfe anfordert .
Am 28. Juli 2026 nahm die FCC „ausländisch produzierte fortschrittliche Robotikgeräte“ in ihre Covered List auf. Dazu zählen humanoide Roboter und Quadrupeds – also vierbeinige Roboter, die häufig als Roboterhunde bezeichnet werden. Auch vernetzte Wechselrichter sind betroffen .
Die US-Regierung begründet die Maßnahme mit Risiken für die nationale Sicherheit. Nach ihrer Darstellung könnten solche vernetzten Geräte Lieferketten verwundbar machen, kritische Infrastruktur gefährden oder Cyberangriffe erleichtern . Die Regelung richtet sich praktisch vor allem gegen China, das als dominierender Hersteller dieser Robotertypen gilt. Bereits gekaufte Roboter sind jedoch nicht betroffen . China hat die Entscheidung öffentlich zurückgewiesen .
Die FCC-Regelung ist zudem nicht mit einem pauschalen Verbot aller Roboter im US-Markt gleichzusetzen. Sie betrifft vor allem neue Modelle, die noch keine erforderliche Zulassung für Import, Vermarktung oder Verkauf erhalten haben. Bereits zugelassene Geräte bleiben im Allgemeinen unberührt .
Die FCC-Entscheidung und die Vorstellung von Gemini Robotics 2 liegen nur wenige Tage auseinander. Während die US-Regelung einen wichtigen Wettbewerber vom künftigen US-Markt für fortschrittliche mobile Roboter fernhalten soll, liefert DeepMind eine KI-Plattform für Partner wie Apptronik und Boston Dynamics sowie weitere Robotikunternehmen .
Das bedeutet nicht, dass Gemini Robotics 2 allein einen fertigen Massenmarkt für humanoide Roboter schafft. Die Modelle markieren jedoch einen technologischen Richtungswechsel: Roboter sollen nicht mehr nur einzelne Greifbewegungen ausführen, sondern ihren Körper, ihre Umgebung und die Handlungen anderer Maschinen gemeinsam berücksichtigen. Parallel dazu wird die Frage, wie sicher solche Systeme im direkten Umfeld von Menschen handeln, zu einem ebenso zentralen Thema wie ihre Geschicklichkeit.