Die FIFA hatte am 28. Juli die Gründung von FIFA Forward Enterprise (FFE) angekündigt. Die neue kommerzielle Tochtergesellschaft soll die Übertragungsrechte, Sponsoring, Ticketing und Lizenzgeschäfte der Männer-, Frauen- und Jugend-Weltmeisterschaften sowie weiterer FIFA-Veranstaltungen bündeln .
Der Plan im Überblick:
Die UEFA und ihre 55 Mitgliedsverbände hielten am Donnerstag eine Dringlichkeitssitzung ab. Das Ergebnis war einstimmig: 55:0 stimmten für einen Boykott der Weltmeisterschaft und aller anderen FIFA-Wettbewerbe, solange der FFE-Vorschlag weiter auf dem Tisch liegt .
Die UEFA erklärte, sie lehne den Vorschlag, Eigentumsanteile an der Weltmeisterschaft und anderen FIFA-Wettbewerben an private Investoren zu übertragen, „einstimmig und eindeutig“ ab. Europäische Nationalmannschaften sollen demnach erst dann wieder an FIFA-Turnieren teilnehmen, wenn der Plan vollständig aufgegeben und verbindlich zugesichert wurde, dass FIFA-Wettbewerbe künftig nicht für private Eigentumsbeteiligungen geöffnet werden .
Die UEFA warf der FIFA zudem vor, den Fußball zur persönlichen Bereicherung zu nutzen und „sich selbst und ihre Freunde zu bereichern“ .
Auch die 41 Mitgliedsverbände von CONCACAF, dem Kontinentalverband für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik, lehnten den Vorschlag am Donnerstag einstimmig ab .
Der entscheidende Unterschied zur UEFA: CONCACAF kündigte keinen Boykott an. Stattdessen wies der Verband seine Vertreter im FIFA-Rat an, auf ordnungsgemäße Governance-Verfahren und ein faires Verfahren zu pochen. Die Mitgliedsverbände kritisierten insbesondere die kurze Frist sowie das Fehlen einer Prüfung oder Genehmigung durch die zuständigen FIFA-Gremien .
CONCACAF erklärte außerdem, erst durch Medienberichte und anschließend durch eine FIFA-Mitteilung von dem Vorhaben erfahren zu haben. Bei einer Entscheidung dieser Tragweite müsse es zuvor eine formelle Beratung über die etablierten Verbandsstrukturen geben .
UEFA und CONCACAF repräsentieren zusammen 96 der 211 FIFA-Mitgliedsverbände . Für eine einfache Mehrheit wären 106 Stimmen erforderlich. Damit fehlen den Gegnern rechnerisch noch zehn Stimmen, um eine Mehrheit gegen die Annahme des Plans zu erreichen. Wie sich das Kräfteverhältnis entwickelt, hängt nun vor allem von den übrigen Kontinentalverbänden und der weiteren Mobilisierung bis zum 19. September ab .
Der Konflikt gilt als die schwerste institutionelle Krise der FIFA seit Jahren und wird teilweise mit den Korruptionsskandalen von 2015 verglichen. Erstmals stellen sich zwei Kontinentalverbände mit zusammen 96 Mitgliedsverbänden offen gegen einen zentralen Finanz- und Kommerzialisierungsplan des FIFA-Präsidenten.
Besonders folgenreich wäre ein europäischer Boykott: Ohne die europäischen Nationalmannschaften würde die sportliche Bedeutung der Weltmeisterschaft erheblich leiden – ebenso ihre kommerzielle Attraktivität. Die fehlende Konsultation, die kurze Zustimmungsfrist und die mögliche Beteiligung einer mit der Familie Kushner verbundenen Investorengruppe verschärfen zudem die seit Langem bestehenden Debatten über Transparenz und die Führung der FIFA .