Die Reparaturen sollen vorläufig bis etwa 15. August dauern . Weil Jazan vergleichsweise dieselreich ist, trifft der Ausfall vor allem die Versorgung mit sogenannten Mitteldestillaten – also insbesondere Diesel und verwandten Raffinerieprodukten. Der Markt reagiert damit nicht auf einen isolierten Ausfall, sondern auf einen zusätzlichen Schock in einem bereits stark angespannten System.
Goldman Sachs bezeichnete Diesel in einer am 30. Juli veröffentlichten Einschätzung als „Epizentrum“ einer historischen Kraftstoff-Versorgungskrise . Dahinter stehen mehrere Entwicklungen:
Mehr Produktion in Nord- und Südamerika sowie in Afrika konnte den Ausfall bislang nur teilweise kompensieren – nach Goldman-Sachs-Schätzungen etwa zu einem Drittel .
Die Stilllegung in Jazan hat die Dieselknappheit nicht verursacht. Schon vor dem Angriff erwartete Goldman Sachs, dass die Margen für raffinierte Kraftstoffe bis zum Jahresende 2026 deutlich über den historischen Vergleichswerten bleiben würden. Für Diesel wurden weiterhin besonders hohe Margen prognostiziert .
Der Zeitpunkt des Ausfalls ist dennoch entscheidend: Die Raffinerie bleibt voraussichtlich bis in die Mitte des Augusts außer Betrieb – also während einer Phase, in der die Nachfrage nach Diesel für Landwirtschaft und Güterverkehr auf der Nordhalbkugel saisonal hoch ist. Jede Verlängerung der Reparaturarbeiten würde weitere rund 400.000 Barrel täglicher Verarbeitungskapazität aus einem ohnehin knappen Markt nehmen.
Auch der Rückgang der internationalen Produktexporte verschärft die Lage. Laut Goldman Sachs sanken die Exporte raffinierter Produkte im Jahresvergleich um rund 4 Millionen Barrel pro Tag, vor allem wegen geringerer Ausfuhren aus dem Persischen Golf und einer schwächeren Raffinerieproduktion in Asien .
Kurzfristig hängt die Marktlage stark davon ab, ob Aramco den angepeilten Termin um den 15. August einhalten kann. Eine längere Stilllegung würde den Angebotsmangel bei Diesel und anderen raffinierten Produkten weiter verschärfen.
Goldman Sachs rechnet auch über Mitte August hinaus mit hohen Raffineriemargen bis zum Jahresende 2026 . Zu den längerfristigen Belastungsfaktoren zählen ein globaler Mangel an Raffineriekapazitäten, beschleunigte Schließungen europäischer Anlagen, eine sinkende Dieselproduktion Chinas und ein begrenztes Angebot an schwerem Rohöl .
Der Huthi-Angriff macht die Krise also nicht allein aus. Er verschlechtert jedoch die Balance zwischen Angebot und Nachfrage genau in dem Moment, in dem der Dieselmarkt bereits besonders verletzlich ist. Für die kommenden Wochen bleibt deshalb nicht nur der Ölpreis entscheidend, sondern vor allem die Frage, wie schnell Raffinerien und Exportströme wieder normale Mengen liefern können.