Nach den Berechnungen der Forschenden wurden zwischen 2000 und 2024 schätzungsweise 2.000 bis 5.000 Tonnen Natururan zusammen mit Kobalt-Hydroxid aus der DR Kongo ausgeführt . Kobalt-Hydroxid ist ein Zwischenprodukt der Kobaltverarbeitung. Wird Uran beim Abbau und bei der Aufbereitung nicht gezielt abgetrennt, kann es in diesem Material verbleiben und mit den Kobalt-Lieferungen exportiert werden.
Die Größenordnung ist erheblich: Nach Angaben der Studie könnte die Uranmenge ausreichen, um nach entsprechender Weiterverarbeitung spaltbares Material für etwa 600 bis 1.500 Atomwaffen zu gewinnen. Alternativ könnte sie einen herkömmlichen Leichtwasserreaktor 10 bis 25 Jahre lang mit Brennstoff versorgen . Diese Vergleiche beschreiben ein theoretisches Potenzial – sie bedeuten nicht, dass das Material tatsächlich für Waffen verwendet wurde.
Weniger als 10 Prozent der geschätzten Uranmenge scheinen öffentlich deklariert und den Sicherungsmaßnahmen der IAEO unterstellt worden zu sein . Der überwiegende Teil der Lieferungen ging den Forschenden zufolge nach China, wo sich rund 95 Prozent der weltweiten Kobaltraffinerien befinden .
Besonders auffällig ist der Widerspruch zur offiziellen Statistik: Die DR Kongo hat über Jahrzehnte praktisch keine Uranproduktion gemeldet, obwohl sich Uran in den Kobalterzen und den daraus entstehenden Produkten befunden haben könnte .
Die Studie betrifft nicht nur exportiertes Material. Die Forschenden schätzen, dass weitere 1.000 bis 4.000 Tonnen Uran in sogenannten Tailings – dem Abraum beziehungsweise den Rückständen der Bergbau- und Aufbereitungsprozesse – zurückgeblieben sein könnten .
Das Uran liegt dort offenbar teilweise in chemisch beweglichen Formen vor. Regen- und Grundwasser könnten es dadurch in die Umgebung transportieren. Für Beschäftigte und Gemeinden in der Nähe der Minen ergeben sich mögliche Risiken durch radioaktiven Staub, belastetes Wasser und kontaminierte Böden .
Eine langfristige Belastung durch niedrige Strahlendosen oder das Einatmen von Radon, das beim Zerfall radioaktiver Stoffe entstehen kann, kann laut den herangezogenen Berichten das Krebsrisiko erhöhen und weitere gesundheitliche Folgen haben . Die DR Kongo bemüht sich demnach um internationale Unterstützung für Strahlungsmessgeräte an den Ausfahrten von Bergwerken, damit Lastwagen auf ihrem Weg aus dem Land kontrolliert werden können .
Uran, das nicht gemeldet und nicht in das internationale Kontrollsystem der IAEO einbezogen wird, unterliegt im Rahmen dieser Sicherungsmaßnahmen keiner entsprechenden Überwachung seines Verbleibs. Nach Einschätzung der Forschenden könnte es damit grundsätzlich in zivile oder militärische Nuklearprogramme gelangen, ohne dass die üblichen Kontrollen greifen .
Die Untersuchung verbindet geologische und chemische Modelle mit Daten zur Verteilung der Mineralien, geochemischen Messwerten, bergwerksbezogenen Handelsdaten und Modellen zur Kobaltverarbeitung . Sie baut außerdem auf einer Präsentation von Manzuk aus dem Oktober 2025 auf, in der dieser bislang wenig untersuchte Weg für Uranexporte über den Kobaltsektor beschrieben wurde .
Die Autoren empfehlen mehrere Schritte, um die Lücke zu schließen :
Langfristig schlagen die Forschenden vor, Kobalt innerhalb der DR Kongo bis zum Metall weiterzuverarbeiten, statt Kobalt-Hydroxid als Zwischenprodukt auszuführen. So ließe sich verhindern, dass Uran in einem unzureichend kontrollierten Zwischenstrom außer Landes gelangt .
Philippe fordert auf Grundlage der Ergebnisse eine umfassende nationale Untersuchung des Bergbaus und neue Regeln für die Trennung von Uran und Kobalt . Die Recherche entstand in Zusammenarbeit von Wissenschaftlern mit investigativen Journalistinnen und Journalisten von Lighthouse Reports und der Financial Times .