Dieser Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse, Prognosen und Warnungen aus Reuters-Berichten und den Veröffentlichungen der Institutionen zusammen. Er deckt die Wachstums- und Inflationsprognosen, die Dynamik der Ölpreise, die geldpolitischen Implikationen sowie die entscheidenden Risikofaktoren ab, die den weiteren Verlauf bestimmen könnten.
Die Weltbank senkte ihre Basisprognose für das globale Wachstum im Juni 2026 auf 2,5 % – das schwächste Wachstum seit der COVID-19-Pandemie – bei einer weltweiten Inflationsrate von 4 % . Das Basisszenario geht von einem durchschnittlichen Brent-Ölpreis von 94 Dollar pro Fass aus und nimmt an, dass die schlimmsten Energieversorgungsstörungen bis Ende Juli abklingen .
Das Worst-Case-Szenario der Bank ist jedoch weitaus alarmierender. Der Chefökonom der Weltbank, Indermit Gill, erklärte gegenüber Reuters am 22. Juli, dass eine Eskalation der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran das globale Wachstum im Jahr 2026 auf nur 1,3 % drücken könnte – mehr als eine Halbierung des Basisszenarios – und die globale Inflation auf 4,5 % treiben würde . In einem Szenario einer länger andauernden Krise mit einem Ölpreis von 115 Dollar pro Fass verlangsamt sich das Wachstum auf 2,1 % . Die Bank warnte zudem, dass sich 32 Länder bereits in einer Schuldenkrise befinden oder ein hohes Risiko dafür tragen .
Die Bank of America gehörte zu den ersten, die den Konflikt explizit als Stagflation bezeichneten. In einer Mitteilung vom April 2026 charakterisierten der BofA-Volkswirt Claudio Irigoyen und sein Team die Auswirkungen als klassischen Stagflationsschock – langsameres Wachstum bei steigenden Preisen .
"Die Kriegsdividende ist bisher eine milde Stagflation", schrieb Irigoyen, warnte aber gleichzeitig, dass "die dauerhaften Auswirkungen davon abhängen, wie lange der Krieg dauert" .
Der IWF legte im April 2026 drei detaillierte Szenarien für die wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts vor :
IWF-Chefin Kristalina Georgieva sagte gegenüber Reuters im April, der Krieg habe bereits 13 % des globalen Ölangebots vom Markt genommen . Der IWF warnte, dass ein anhaltender Anstieg des Ölpreises um 10 % die Inflation um etwa 40 Basispunkte nach oben treibt . Der Fonds stellte ausserdem fest, dass das globale Wachstum 2026 von 3,5 % im Jahr 2025 auf 3 % fallen würde, bevor es 2027 wieder auf 3,4 % ansteigt .
Die ADB senkte ihre Wachstumsprognose für die Entwicklungsländer Asiens für 2026 auf 4,9 % (von 5,1 % im April und 5,5 % im Jahr 2025). Die regionale Inflation beschleunigt sich demnach auf 4,6 % (die ADB selbst nennt in ihrer Juli-Veröffentlichung 4,3 %), angetrieben durch höhere Energie- und Lebensmittelkosten . Die Bank betonte, dass die Auswirkungen über die Energiepreise hinaus auch Düngemittel, andere Rohstoffe und Lieferketten betreffen .
Die OECD warnte im Juni, dass ein langwieriger Krieg einige Länder in eine Rezession stürzen und die Inflation erheblich anheben könnte . Ihr Basisszenario sieht eine Verlangsamung des globalen Wachstums von 3,0 % im Jahr 2025 auf 2,8 % im Jahr 2026 vor, bevor es sich wieder erholt .
Öl bleibt der primäre Übertragungsmechanismus des wirtschaftlichen Schocks. Der Krieg hat das prognostizierte Ölangebotsdefizit für 2026 vergrössert, für 2027 zeichnet sich jedoch immer noch ein Überangebot ab, falls sich die Versorgung normalisiert .
Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihren Leitzins 2026 bei 3,50 % bis 3,75 % belassen, wobei die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung hoch ist, da die Inflationsrisiken wieder zunehmen . Die Weltbank merkte an, dass eine Eskalation der Feindseligkeiten die Zinsen bei den grossen Zentralbanken nach oben treiben könnte . Die Renditen 30-jähriger US-Staatsanleihen lagen über 5 % – der längste Zeitraum seit 2007 –, was eine höhere erwartete Inflation und Unsicherheit widerspiegelt .
Mehr als drei Viertel der Buchhalter weltweit meldeten im zweiten Quartal 2026 gestiegene Betriebskosten, und 83 % der Finanzvorstände sind mit höheren Kosten konfrontiert (Zahlen aus mehreren Berufsverbänden, die von Reuters und grossen Wirtschaftsprüfungsnetzwerken zitiert werden).
Der Nahostkrieg von 2026 zwingt die Weltwirtschaft zu einer schmerzhaften Neujustierung. Ob es bei einer "milden Stagflation" bleibt oder sich die Lage zu einer vollwertigen Rezessionsspirale vertieft, hängt von einer Variablen ab, die kein Ökonom kontrollieren kann: wann und wie der Konflikt endet.