Die Turbulenzen sind das jüngste Kapitel einer beispiellosen Erfolgskrise der „Azzurri“, die nun zum dritten Mal in Folge die WM-Qualifikation verpasst haben. Hier die Chronologie der Ereignisse.
Paolo Maldini wurde am 11. Juli 2026 zum Technischen Direktor der FIGC und Leonardo zu seinem Berater ernannt. Der ehemalige AC-Milan-Star sollte nach dem dritten verpassten WM-Turnier in Folge einen kompletten Neuanfang der Nationalmannschaft einleiten .
Doch bereits am 27. Juli reichten beide nach nur 16 Tagen (Berichte schwanken zwischen 15 und 17 Tagen) ihren Rücktritt ein . Der unmittelbare Grund: Der Verband blockierte die Ernennung von Andrea Pirlo zum Nationaltrainer, den Maldini und Leonardo favorisiert hatten . Wie La Gazzetta dello Sport berichtet, sahen die beiden nach der Ablehnung Pirlos „keinen Raum für Verhandlungen oder eine Neubewertung“ und legten ihre Ämter bei Präsident Giovanni Malagò nieder .
Andrea Pirlo war der erklärte Wunschkandidat von Maldini und Leonardo und galt bereits als gesetzt . Laut dem Journalisten Fabrizio Romano hatte Pirlo ein mündliches Angebot der FIGC angenommen .
Doch im Oktober 2025, während seiner Zeit als Trainer von FC United in Dubai, war Pirlo zum globalen Markenbotschafter von Fonbet, einem der größten russischen Sportwettanbieter, ernannt worden . Der Zeitpunkt und die Art dieser Partnerschaft wurden zum zentralen Hindernis.
Als seine Kandidatur öffentlich wurde, erhoben FIGC-Vertreter und italienische Abgeordnete massive Einwände: Die ethischen und politischen Implikationen eines Nationaltrainers mit Verbindungen zu einem russischen Wettunternehmen während des Ukraine-Krieges seien untragbar . Die Kritik verschärfte sich, als bekannt wurde, dass Fonbet mehrere Sportveranstaltungen mit Veteranen des russischen Angriffskriegs gesponsert hatte . Italienische Politiker stellten öffentlich die Frage, ob ein solcher Deal mit den Werten des italienischen Fußballs vereinbar sei .
Pirlo bestätigte am 26. Juli, dass er „nicht mehr in Betracht gezogen“ werde . Er betonte, die Partnerschaft sei rein kommerzieller Natur und alle seine Geschäfte seien legal . In einem Social-Media-Post schrieb Pirlo: „Ich habe gestern Abend erfahren, dass ich kein Kandidat für die italienische Nationalmannschaft mehr bin ... Ich habe meine Arbeit stets mit Ernsthaftigkeit und Professionalität ausgeführt“ .
Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Sensibilität im europäischen Fußball gegenüber Wettsponsoring, insbesondere wenn es mit sanktionierten oder umstrittenen Akteuren in Verbindung steht. Die Entscheidung der FIGC, Pirlo zu blockieren, ließ das fragile Bündnis mit Maldini und Leonardo sofort zerbrechen.
Nach dem Abgang von Maldini und Leonardo, dem Aus für Pirlo und der Absage von Pep Guardiola stand die FIGC unter enormem Zeitdruck . Bereits im April war Gennaro Gattuso nach der verpassten WM-Qualifikation (Niederlage gegen Bosnien-Herzegowina) zurückgetreten .
Am 28. Juli 2026 gab FIGC-Präsident Giovanni Malagò in einer Sitzung des Bundesrates bekannt: „Ich habe Roberto Mancini als Nationaltrainer ausgewählt“ . Mancini, der Italien 2021 zum EM-Titel geführt hatte, kehrt damit für eine zweite Amtszeit zurück . „Die Zeit wurde knapp“, sagte Malagò auf einer Pressekonferenz. „Ich war der Meinung, dass die Person, die Nationaltrainer werden sollte, Roberto Mancini ist – aus einer Reihe von Gründen, für die ich die Verantwortung übernehme“ .
Parallel dazu übernimmt Claudio Ranieri, der legendäre Meistermacher von Leicester City (2016), den Posten des Technischen Direktors . Ranieri soll gemeinsam mit Mancini die sportliche Neuausrichtung der Nationalmannschaft vorantreiben. Malagò bestätigte: „Die Person, mit der ich diese Vision teile, ist Claudio Ranieri, der mir vor wenigen Minuten zugesichert hat, die Rolle zu übernehmen“ .
Der dramatische Kollaps des Projekts Maldini-Leonardo ist ein schwerer Rückschlag für die dringend benötigte Erneuerung des italienischen Fußballs. Die „Azzurri“ haben die Weltmeisterschaften 2018, 2022 und 2026 verpasst – eine beispiellose Serie für den vierfachen Weltmeister . Die Blockade Pirlos war politisch klug, hat aber zwei der angesehensten Persönlichkeiten des Fußballs verprellt und den Verband weiter destabilisiert.
Mancinis Rückkehr bietet ein Stück Kontinuität und eine Verbindung zum letzten großen Erfolg. Er erbt eine Mannschaft, die zwar talentiert ist, aber in den Qualifikationsspielen immer wieder versagt hat. Die Zusammenarbeit mit Claudio Ranieri, einem hochdekorierten Trainer und Sportdirektor, könnte Stabilität bringen – doch die Kernaufgabe bleibt: Aus einer Mannschaft, die nach Jahren des Scheiterns verunsichert ist, wieder ein Spitzenteam zu formen.
Die Affäre ist auch eine deutliche Erinnerung daran, wie sehr außersportliche Faktoren – Geopolitik, kommerzielle Ethik und Reputationsrisiken – heute die großen Personalentscheidungen im Fußball bestimmen. Für die FIGC heißt es nun: Ruhe bewahren und Mancini und Ranieri die nötige Zeit und Rückendeckung geben.