Prognosen zufolge wird Europa die Heizsaison 2026/27 mit einem Füllstand von nur 76 % beginnen – dem niedrigsten Startwert seit 15 Jahren . Die Gas-Koordinierungsgruppe der EU erklärte zwar, dass es „keine unmittelbare Besorgnis“ für die Winterversorgung gebe, da ein Füllstand von 80 % als ausreichend erachtet wird . Allerdings liegt die aktuelle Füllung deutlich unter diesem Wert.
Wood Mackenzie veröffentlichte am 27. Juli 2026 eine Analyse, die warnt, dass die europäischen Gasspeicher die Einspeicherungssaison unter 70 % Füllstand beenden könnten – weit schlechter als frühere Prognosen . Das Beratungsunternehmen identifiziert drei sich überlagernde Faktoren:
Wood Mackenzie bezeichnet die Lage als strukturelles Defizit, nicht nur als temporären Schock. Bereits vor der Hormuz-Krise war der europäische Gasmarkt nach dem Wegfall russischer Pipeline-Lieferungen grundlegend unterversorgt .
Die Straße von Hormuz ist seit dem 28. Februar 2026 de facto geschlossen, nachdem der Iran-Krieg ausgebrochen war . Die wichtigsten Auswirkungen:
Die Hormuz-Krise hat einen Bietkampf um flexible LNG-Ladungen zwischen Europa und Asien ausgelöst:
Der längerfristige Ausblick von Wood Mackenzie prognostiziert eine Welle neuer LNG-Kapazitäten, vor allem aus den USA, die in den späten 2020er Jahren in Betrieb gehen sollen. Die Basisprognose geht davon aus, dass sich die europäischen Erdgaspreise bis 2030 fast halbieren werden, auf durchschnittlich 24 €/MWh (~8 $/MMBtu), da das Angebotswachstum die Nachfrage übersteigt . Shell erwartet ebenfalls, dass das LNG-Handelswachstum im Jahr 2027 wieder anzieht, sobald die Hormuz-Störung behoben ist, mit einer stark steigenden Nachfrage bis 2050 .
Eine vollständige Erholung hängt jedoch von der Wiedereröffnung der Meerenge ab. Sollte die Krise bis Ende 2026 andauern, warnt Wood Mackenzie vor einer leichten globalen Rezession in der zweiten Jahreshälfte 2026 .
Die strukturelle Lösung für Europas Gasabhängigkeit liegt in der Elektrifizierung und Effizienzsteigerung:
Fazit: Europa geht in den Winter 2026/27 mit der dünnsten Gaspuffer der letzten 15 Jahre, belastet durch die Hormuz-bedingte globale LNG-Angebotskrise, den scharfen Wettbewerb mit Asien um Ladungen und ein von Wood Mackenzie identifiziertes strukturelles Defizit. Das kurzfristige Risiko von Preisspitzen und Versorgungsengpässen ist sehr hoch. Der mittelfristige Ausblick verbessert sich mit der erwarteten Welle von US-LNG in den späten 2020er Jahren, und die langfristige Entwicklung hängt von einer massiven Beschleunigung des Wärmepumpenausbaus und des Ausbaus erneuerbarer Energien ab, um die Gasnachfrage bis 2030 strukturell zu senken.