Die Aktienmärkte zeigten sich hingegen erleichtert: Fallende Ölpreise ließen die Angst vor einer ölgetriebenen Inflation schwinden. Die US-Aktienfutures stiegen am Montag um bis zu 1,7 %, der S&P 500 und der Nasdaq zeigten nach oben . Der Dow Jones Industrial Average legte um 0,51 % auf 52.210 Punkte zu, der S&P 500 gewann 0,02 % auf 7.413 Punkte und durchbrach damit eine viertägige Verlustserie. Der Nasdaq gab dagegen um 0,18 % auf 24.932 Punkte nach – belastet von schwächelnden Halbleiterwerten . In Indien zogen die Leitindizes Sensex und Nifty an, da rohölimportabhängige Länder den Preisrutsch begrüßten . Der US-Dollar gab gegenüber dem Euro nach , während Gold moderat auf rund 4.092 US-Dollar pro Feinunze zulegte .
Investoren werteten die niedrigeren Ölpreise als Wegfall einer Hauptquelle potenzieller Energieinflation, was auch den Druck auf die Notenbanken minderte . Stephen Innes von SPI Asset Management kommentierte: „Der scharfe Rückgang des Ölpreises zum Handelsauftakt am Montag hat mehr getan, als nur ein paar Dollar vom Fass zu nehmen. Er lockerte den geopolitischen Knoten, der die Aktien, Währungen, Anleihen und Notenbanken den größten Teil des Julis eingeschnürt hatte“ .
Der Berichtszeitraum für das zweite Quartal umfasst die Monate April bis Juni 2026, in denen die Ölpreise aufgrund des Iran-Konflikts noch stark erhöht waren. Der Einbruch nach der Waffenruhe erfolgte erst am 27. Juli – also nach Quartalsende. Die Q2-Zahlen von Shell und BP werden daher noch die volle Kriegsprämie widerspiegeln. Entscheidend wird jedoch sein, wie die Unternehmen ihren Ausblick für das dritte Quartal gestalten, wenn die Waffenruhe hält und die Risikoaufschläge im Ölpreis weiter abgebaut werden.
Shells Bild für das zweite Quartal ist von zwei gegensätzlichen Kräften geprägt. Einerseits rechnet Shell für das zweite Quartal mit deutlich höheren Gas-Handelsgewinnen als im ersten Quartal, und auch die Raffineriemargen haben sich verbessert . Andererseits hat der Nahost-Konflikt Shells Pearl-Gas-to-Liquids-Anlage in Katar lahmgelegt, nachdem diese im März bei einem Angriff auf die Ras-Laffan-Industriestadt beschädigt worden war. Dadurch sank die Produktionsprognose für das Segment Integrated Gas auf 610.000–650.000 boe/Tag, ein Rückgang um rund ein Drittel gegenüber dem ersten Quartal mit 909.000 boe/Tag .
Im ersten Quartal 2026 hatte Shell bereinigte Gewinne von 6,9 Milliarden US-Dollar erzielt – ein Ergebnis, das von „deutlich höheren Handels- und Optimierungsgewinnen“ profitierte, die durch den Iran-Konflikt und die beispiellose Marktvolatilität begünstigt wurden . Das zweite Quartal zeichnet sich ähnlich ab: Stärkere Gewinne aus dem Downstream-Geschäft und dem Handel gleichen die Produktionsausfälle im Upstream teilweise aus. Der Einbruch der Ölpreise am Montag nach der Waffenruhe wirft jedoch Fragen zu den Ertragsaussichten für das dritte Quartal auf .
BP hatte bereits am 14. Juli eine Handelsmitteilung veröffentlicht, die auf starke Q2-Ergebnisse hindeutete, gestützt auf die hohen Energiepreise während des Quartals. Das Unternehmen erwartet, dass verbesserte Ölpreisrealisierungen die Gewinne um 1,8 bis 2,1 Milliarden US-Dollar steigern, das Gas- und Niedrigkohlensegment um 0,5 bis 0,7 Milliarden US-Dollar und die Raffineriemargen um 1,2 bis 1,4 Milliarden US-Dollar . Die gemeldete Upstream-Produktion dürfte aufgrund von saisonalen Wartungsarbeiten im Golf von Amerika und der Störungen im Nahen Osten auf 2.170–2.220 mboe/Tag sinken (von 2.339 im ersten Quartal) . BP wies zudem auf eine Wertminderung in Höhe von 1 Milliarde US-Dollar im Zusammenhang mit dem Konflikt hin .
Der Brent-Ölpreis lag im zweiten Quartal 2026 bei durchschnittlich 103,85 US-Dollar pro Barrel, verglichen mit 81,13 US-Dollar im ersten Quartal . BPs Q2-Zahlen werden daher direkt von diesem Preisniveau profitieren. Die entscheidende Frage für beide Unternehmen ist, ob die Waffenruhe von Dauer ist. Sollte die Risikoprämie im dritten Quartal weiter abgebaut werden, wird sich der Ertragsschub aus den hohen Rohölpreisen rasch umkehren.