Das ist die höchste Strafe, die jemals nach dem DMA verhängt wurde . Google wurde eine Frist von 60 Tagen gesetzt, um die Praktiken zu beenden – andernfalls drohen tägliche Zwangsgelder .
Schon am 24. Juli 2026, dem darauffolgenden Tag, schlug US-Präsident Donald Trump zurück. Er kündigte an, dass das Büro des US-Handelsbeauftragten eine Handelsuntersuchung nach Section 301 des Trade Act von 1974 gegen die EU-Strafen für US-Technologieunternehmen einleiten werde .
Auf seiner Plattform Truth Social bezeichnete Trump die Google-Strafe als ‚illegal und höchst diskriminierend‘. Er warf der EU vor, amerikanische Unternehmen ‚auszurauben‘ . Trump drohte der EU direkt mit ‚erheblichen‘ neuen Zöllen: ‚Die Europäische Union wird einen sehr hohen Preis für diese illegale und höchst diskriminierende Praxis zahlen‘ .
Bernd Lange, deutscher SPD-Europaabgeordneter und Vorsitzender des Handelsausschusses des Europäischen Parlaments, reagierte auf die Eskalation. In einem Interview mit Euronews warnte Lange, die EU müsse sich auf weitere US-Vergeltungsmaßnahmen vorbereiten. Er erklärte, dass neue US-Zölle die Aussetzung des EU-US-Handelsabkommens auslösen könnten .
Das fragliche Abkommen ist ein politischer Deal, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Präsident Trump im Juli 2025 in Turnberry, Schottland, geschlossen hatten . Das Europäische Parlament hatte seine Zustimmung im März 2026 an Bedingungen geknüpft .
Entscheidend ist: Die Abgeordneten hatten eine Suspendierungsklausel in den Vertrag eingebaut. Diese erlaubt es der EU, Zollvergünstigungen zu widerrufen, falls die USA neue Zölle oberhalb der vereinbarten 15-Prozent-Obergrenze verhängen oder andere Sonderabgaben auf EU-Waren erheben . Langes Warnung bedeutet, dass der Streit um die Google-Strafe genau diesen Mechanismus auslösen könnte.
Lange stellte zudem klar, dass sowohl der DMA als auch der Digital Services Act (DSA) für die EU ‚nicht verhandelbar‘ seien – ein deutliches Signal, dass Brüssel sich selbst unter Zolldruck nicht von seiner Digitalregulierung abbringen lässt .
Der Konflikt um die Google-Strafe trifft auf ein bereits schwer angeschlagenes Handelsabkommen. In den Monaten zuvor war die Ratifizierung des Deals mehrfach ausgesetzt worden:
Die 890-Millionen-Euro-Strafe gegen Google ist weit mehr als eine kartellrechtliche Rekordbuße – sie ist der Zündfunke für einen handelspolitischen Flächenbrand. Die Trump-Administration betrachtet EU-Strafen gegen US-Konzerne als eine inakzeptable Steuer auf amerikanische Unternehmen. Die EU hingegen pocht auf die Unverhandelbarkeit ihrer Regeln für die digitale Wirtschaft.
Die Suspendierungsklausel im Handelsabkommen macht die Lage zusätzlich explosiv: Die nächste Eskalationsstufe – die Verhängung neuer US-Zölle – könnte formell die Zollsenkungen rückgängig machen, die beide Seiten 2025 ausgehandelt haben.
Die unmittelbaren Folgen sind klar: eine laufende Section-301-Untersuchung, eine angekündigte ‚erhebliche‘ Zolldrohung und ein EU-US-Handelsabkommen, das akut von der Aussetzung bedroht ist.