Israel setzt seine Luftangriffe und Bodenoperationen im Südlibanon fort, ungeachtet mehrfach erklärter Waffenstillstände . Noch am 24. Juli führte Israel Sprengungen in al-Mansouri und Majdal Zoun durch
. Khameneis Bedingung knüpft den US-iranischen Frieden direkt an ein Ende dieser Angriffe. Das bedeutet: Solange Israels Libanon-Feldzug andauert, signalisiert Khamenei, dass er keinen endgültigen Deal mit Washington abschließen wird.
Am 14. Juni gaben die USA und der Iran eine Absichtserklärung zur Beendigung ihres Krieges bekannt. Zu den wichtigsten Bestimmungen gehörten: der Iran verzichtet auf die Herstellung oder den Erwerb von Atomwaffen; der Iran verdünnt seinen hochangereicherten Uranbestand im Inland; die Wiedereröffnung der Straße von Hormus; und ein Rahmen für anschließende Atomgespräche . Khamenei genehmigte das MoU am 18. Juni trotz persönlicher Bedenken, nachdem ihm Präsident Pezeshkian zugesichert hatte, dass die Rechte Irans und die Interessen der „Widerstandsfront“ gewahrt blieben
. Allerdings warnte er damals auch, der Iran werde „niemals unvernünftige Forderungen“ der USA akzeptieren
.
Das MoU enthielt keinerlei Bedingungen in Bezug auf den Libanon. Khameneis Erklärung vom 26. Juli fügt also eine neue Vorbedingung hinzu, die im unterzeichneten Rahmenabkommen nicht enthalten war, und könnte das Abkommen damit neu aufrollen oder zum Stillstand bringen.
Ministerpräsident Netanyahu wird am Dienstag, dem 28. Juli 2026, zu einem Treffen mit Präsident Trump im Weißen Haus erwartet . Es wird ihr erstes persönliches Treffen seit Beginn des US-iranischen Krieges sein. Netanyahu steht vor einer heiklen Gratwanderung: Er muss die US-israelische Allianz aufrechterhalten, während Trump öffentlich Druck auf Israel ausübt, eine Eskalation im Libanon zu vermeiden
.
Der Zeitpunkt ist entscheidend. Khameneis Libanon-Bedingung wurde nur zwei Tage vor diesem Treffen verkündet und setzt Trump und Netanyahu damit direkt unter Druck. Khamenei signalisiert Washington damit im Wesentlichen: Ihr könnt keinen endgültigen Frieden mit dem Iran haben, solange euer Verbündeter den Libanon bombardiert. Wie Trump reagiert – ob er Netanyahu zu einem Libanon-Waffenstillstand drängt, um den Iran-Deal zu besiegeln, oder Israels Militärkampagne unterstützt – wird vermutlich darüber entscheiden, ob das Juni-MoU in ein dauerhaftes Abkommen umgewandelt werden kann.
Khameneis Bedingung vom 26. Juli schafft eine Dreiecksverknüpfung: Der US-iranische Frieden hängt nun von Israels Handeln im Libanon ab. Damit wird das Trump-Netanyahu-Treffen zum zentralen Schauplatz. Ohne Fortschritte bei der israelisch-libanesischen Deeskalation macht Khameneis erklärte Position einen endgültigen US-iranischen Deal unmöglich – auch wenn die atomaren und maritimen Bestimmungen des Juni-MoU vorerst weiterhin in Kraft sind.