Am 14. Juli 2026 feuerten israelische Drohnen zwei Raketen auf eine Polizeistation im Flüchtlingslager Dschabalia im Norden des Gazastreifens, einem dicht besiedelten Gebiet nahe einem Markt . Bei dem Angriff kamen Oberst Mohammed Marwan Salem, der Leiter der Station, sechs weitere Beamte und ein Zivilist ums Leben . Augenzeugen berichteten, dass die Drohne vier Raketen auf die Einrichtung abfeuerte .
In der Nacht zum 5. Juni 2026 teilte das israelische Militär mit, es habe bei einem Angriff im Norden Gazas „mehrere hochrangige Hamas-Sicherheitsbeamte“ getötet, darunter den stellvertretenden Leiter des Allgemeinen Sicherheitsdienstes der Gruppe . Die Hamas hatte die Todesfälle zum Zeitpunkt der Berichte nicht bestätigt .
Am 6. Mai 2026 griff Israel ein Fahrzeug nahe dem Gebiet al-Mawasi im Westen von Chan Junis an und tötete dabei Oberst Naseem al-Kalazani, einen ranghohen Beamten der von der Hamas geführten Polizei, der die Anti-Drogen-Einheit leitete . Mindestens 17 weitere Menschen wurden verletzt .
Am 23. Mai 2026 trafen zwei israelische Raketen einen Polizeiposten im Gebiet al-Tawam im Norden des Gazastreifens und töteten mindestens fünf Polizisten .
Bereits am 15. März 2026 griff eine israelische Drohne ein Polizeifahrzeug nahe der Einfahrt zu Al-Zawayda im zentralen Gazastreifen an und tötete acht Polizisten, darunter Oberst Iyad Abu Youssef, den Direktor der Interventions- und Ordnungspolizei .
Israels Angriffe auf die Polizei im Gazastreifen haben seit der Waffenruhe nicht pausiert . Eine dokumentierte Zählung ergab mindestens 35 getötete Polizisten zwischen Januar 2026 und Mitte Juli 2026 bei zwölf separaten Angriffen . Die Zeitung Le Monde berichtete, dass allein in den ersten sechs Monaten der Waffenruhe 33 Polizisten getötet wurden .
Das Medienbüro der Gazaregierung erklärte, es habe in den ersten sechs Monaten der Waffenruhe (Oktober 2025 bis April 2026) 2.400 israelische Verstöße gegen die Waffenruhe dokumentiert, darunter Dutzende Angriffe auf die Polizei . Dazu gehörten 1.109 Luftangriffe und andere Beschussattacken .
Das UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) sprach von „wiederholten Angriffen“ und einer „routinemäßigen Zielauswahl“ der Polizei im Gazastreifen und warnte, dass die Polizei „für den Frieden und den Wiederaufbau von entscheidender Bedeutung“ sei . Das OHCHR stellte fest, dass Beamte getötet wurden, während sie den Verkehr regelten oder auf Straßen und belebten Märkten Streife gingen . Dieses „systematische Vorgehen“ habe zum „Zusammenbruch der zivilen und öffentlichen Ordnung“ geführt . Eine Analyse ergab, dass die UNO das Muster als potenziell die rechtliche Schwelle zu Kriegsverbrechen überschreitend bewertet .
Analysten und Hamas-Vertreter argumentieren, dass es sich bei den Angriffen nicht um isolierte Sicherheitsoperationen handele, sondern um einen systematischen Versuch, die zivile Regierungsführung im Gazastreifen zu köpfen . Al Jazeera berichtete, dass „politische und strategische Analysten warnen, dass diese täglichen Übergriffe keine isolierten Sicherheitsoperationen sind, sondern Teil eines offenbar berechneten Musters, um Polizeibeamte, medizinisches Personal, Regierungsvertreter und Intellektuelle zu töten“ .
Israels Position: Israel erklärt, es greife Sicherheitskräfte der Hamas an, weil diese Teil der militärischen Infrastruktur der militantengruppe seien, nicht der zivilen Polizei . Die israelischen Streitkräfte (IDF) geben an, als Reaktion auf Verstöße der Hamas gegen die Waffenruhe zu handeln, darunter die Weigerung der Hamas, weitere Geiseln freizulassen, und den angeblichen Wiederaufbau militärischer Fähigkeiten . Israel bezeichnet die Angriffe als „notwendige Reaktionen“ auf Vertragsbrüche .
Hamas‘ Position: Die Hamas beschuldigt Israel, das Waffenstillstandsabkommen zu verletzen und die militärischen Angriffe auf Zivilisten und Staatsbedienstete zu eskalieren . Hamas-Sprecher Hazem Qassem erklärte, die Gruppe halte an der Waffenruhe fest und forderte die Vermittler auf, sicherzustellen, dass Israel seinen Verpflichtungen nachkomme . Die Hamas wies israelische Behauptungen, sie baue militärische Fähigkeiten wieder auf, als Vorwände zurück, um die anhaltenden Angriffe zu rechtfertigen .
Unabhängige und UN-Bewertungen: Das britische Außenministerium stellt in einem Bulletin fest, dass „israelische Militäroperationen und Luftangriffe im Gazastreifen trotz der Waffenruhe fortgesetzt werden“ . Der UN-Sicherheitsrat bezeichnete die Waffenruhe als „bei weitem nicht perfekt“, mit anhaltenden israelischen Angriffen . Beide Seiten hätten sich innerhalb von Tagen nach Inkrafttreten der Waffenruhe gegenseitig Vertragsverstöße vorgeworfen .
Die internationalen Vermittlungsbemühungen kommen seit Beginn der Waffenruhe nur langsam voran.
Friedensrat (US-geführt): Der von der Trump-Regierung unterstützte Friedensrat hat seine ursprünglichen Pläne für einen umfassenden Wiederaufbau Gazas auf ein begrenztes Pilotprojekt im Süden des Gazastreifens zurückgefahren – ein provisorisches Lager für einen kleinen Teil der zwei Millionen Vertriebenen, das frühestens Ende 2026 erwartet wird . Treffen des Friedensrates auf Zypern Anfang Juli 2026 wurden als „Neustart“ angekündigt, brachten aber keine großen Veränderungen . Ein Gesandter erklärte im April 2026, die Gespräche mit der Hamas seien „nicht einfach“ und der Plan benötige „schnelle Fortschritte“ .
Kairoer Gespräche (Ägypten, Katar, Türkei): Die Vermittler schlugen eine schrittweise Entwaffnung der Hamas im Austausch für einen schrittweisen israelischen Rückzug aus dem Gazastreifen vor . Die Hamas akzeptierte 15 der 16 vorgeschlagenen Punkte, lehnte jedoch die Entwaffnungsklausel ab – der zentrale Streitpunkt . Die Gespräche im Juni 2026 stockten an dieser Frage .
Direkte US-Hamas-Gespräche: Im April 2026 führten die USA ihre ersten direkten Gespräche mit der Hamas seit der Waffenruhe, um den Friedensplan voranzubringen – eine bedeutende diplomatische Kehrtwende –, aber die Folgemaßnahmen wurden als begrenzt beschrieben .
Ausblick: Die Vermittler rechnen vor den israelischen Wahlen im Herbst 2026 mit keinem Durchbruch . Der UN-Hochvertreter für Gaza erklärte im Mai 2026 vor dem Sicherheitsrat, es sei „keine greifbare Erholung in Sicht“ . Die Lage wird weithin als „weder Krieg noch Frieden“ beschrieben – ein fragiler, gewalttätiger Status quo ohne sichtbares Ende .